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Tiefkühlkost

7. Februar 2011

Ich komme aus dem Norden Deutschlands. Alles, was ich kenne, ist Flachland. Erhebungen über 30 Meter sind da für mich schon nennenswert 😉 In diesem Sinne kann der eine oder andere vielleicht auch verstehen, wenn ich nie den Bezug zum Wintersport gefunden habe. Außer Rodeln von irgendwelchen Maulwurfshügeln verseuchten Erhebungen konnte mich der Sport auf Kufen nie sonderlich begeistern. Ich bin da halt eher ein Ostsee-Wassermensch 😉

Filme über Ski-Unfälle oder Horror-Streifen auf der Ski-Piste wie beispielsweise „Cold Prey“ bestärken mich dann einfach nur immer wieder darin, dass ich einfach beim Rodeln bleiben werde. Das ist dann bei uns im Norden noch überschaubar – und außer Schlitten ist dabei auch noch nichts schlimmes zu Bruch gegangen. Und man braucht keinen Ski-Lift.

Der wird nämlich zur schlimmen Falle für die Ski-Sport-Freunde in dem Film „Frozen“. Die Freunde Dan, Joe und Parker (männlicher Name für eine weibliche Hauptrolle) werden nämlich in genau so einem Lift einfach vergessen. Der Lift-Wart schaltet den Strom ab und macht sich auf den Weg nach Hause – schließlich geht der Betrieb erst wieder in einer Woche. Dumm also für die drei Freunde, die da auf der Hälfte der Strecke gute 15 Meter über dem Boden baumeln – kein Telefon, kein gar nichts. Rettung scheint ausgeschlossen – und so entscheidet sich Dan zu springen. Aus 15 Metern – auf harten Schnee. Klar: Beide Beine gebrochen liegt Dan bewegungslos unter seinen Freunden – und wird bald ein gefundenes Fresschen für die Wölfe.

„Frozen“ begibt sich in die Fussstapfen von „Open Water“ – statt vergessen auf dem offenen Meer und Hai-Futter werden unsere Protagonisten in den Bergen vergessen und Wolfsfutter. Jetzt muss ich dazu sagen, dass mir schon „Open Water“ nicht sonderlich gefallen: Es wird viel geredet, man sieht ein paar Haiflossen und irgendwann sind beide Taucher tot. Da hat „Frozen“ schon etwas mehr zu bieten: Es wird anfangs auch viel geredet, dann bleiben sie stecken und es geht los: In einer Mischung aus ekligen Knochenbruch- und Zerfleischungsszenen unterbrochen von wehleidigen Erinnerungen und Hoffnungen für die Zukunft bestreiten die drei, später zwei Schauspieler diesen Film mehr schlecht als recht. Regisseur Adam Green, der sich vor allem durch die Horror-Reihe „Hatchet“ einen Namen gemacht hat, gelingt es einfach nicht, wirkliche Panik aufkommen zu lassen. Was vor allem daran liegt, dass seine Protagonisten selten dämlich sind.

Schon als klar wird, dass keine Rettung zu erwarten ist, habe ich meinem Fernseher mehrmals freundlich darauf hingewiesen, die drei mögen doch bitte zum nächsten Tragseil-Träger klettern. Das ist weniger gefährlich als ein Sprung und dank einer relativ kurzen Entfernung durchaus zu bewältigen. Aber nein, man springt lieber erst: es folgen eklige Knochenbrüche und schließlich die Wölfe. Danach hocken dann nur noch Joe und Parker im Sessellift und palavern. Es gibt ein paar Frostbeulen, eine festgefrorene Hand und das unfreiwillige Einpinkeln. All diese Szenen setzt Green sehr optisch um. Es bleibt eigentlich nichts der Fantasie überlassen, weswegen der Puls schon merklich höher geht, man die Augen krampfhaft zusammenkneift und erleichtert ist, wenn es überstanden ist. Da wirken die Dialoge schon wie einer Erleichterung… eine kurze Pause bis zum nächsten Gefrier-Fiasko.

Irgendwann entschließt Joe sich dann doch zum Klettern und – man sehe und staune – schafft es eigentlich ganz gut. Dumm nur, dass die Wölfe nach ihrem Dan-Mahl immer noch da sind. Jaja, die bösen Wölfe – Menschenfressende Ungeheuer. Ich habe ja so meine Probleme gehabt mit dieser Wolf-Geschichte, aber ohne sie wäre dieser Film noch weniger in Fahrt gekommen.

Adam Greens „Frozen“ ist zwar technisch gut umgesetzt (immerhin ist hier nichts im Studio gedreht worden), aber alles andere ist eine Katastrophe. Ich zumindest habe mich tierisch genervt gefühlt. Aber das war schon bei „Open Water“ so – vielleicht bin ich einfach nicht der richtige Ansprechpartner für diese Survival-Horror-Filme. Oder ich gehe – gerade in diesem Fall – einfach zu sachlich an da Ganze heran. Gut, möglicherweise würde man in der Panik der Situation erst einmal springen, vielleicht würde man sich auch über unsinnige Dinge unterhalten, um sich bei Laune zu halten und sich Mut und Hoffnung zu zusprechen. Im Fall von „Frozen“ hat mich das Ganze dann aber nicht sonderlich überzeugt, weswegen ich zum Ende nur noch lachen musste. Das Glück ist mit den Dummen – und so waren Sprung- und Klettern-Aktionen war nicht sonderlich hilfreich, aber der Film bekommt trotzdem ein abgespecktes Happy-End.

Trotzdem trägt auch „Frozen“ nicht dazu bei, mich von Wintersport zu überzeugen. Ich bleibe beim Schlitten und fern von diesem Film.

Wertung: 3 von 10 Punkten (vielleicht bewerte ich zu scharf, aber einfach nur eklige Szenen an Dialoge anzubinden hat mich bei „Frozen“ nicht sonderlich überzeugt)

7 Kommentare leave one →
  1. 7. Februar 2011 08:54

    Hmm. Also 1-2 Punkte mehr hätte ich gegeben.

    Klar, die Schauspieler sind streckenweise arg überfordert, was bei einem solch gesprächsintenvisen Kammerspiel fatal ist. Aber trotzdem ergeben sich ein paar gute Szenen und ich war froh, dass der Film sparsam mit Splatter und Ekel umging und selbige nur vereinzelt und überraschend gekonnt einsetzte.

    Doof ist allerdings in der Tat, wie doof sie sind. Und ich als relativ agile Person hab mich auch ziemlich darüber genervt, wie unfähig sie sind. Nur schon der Sprung. Einfach hopps. Kein herunterhängen lassen. Oder eine Menschenkette. Oder in den Baum springen. Oder oder oder.
    Und dann noch das ziemlich bescheuerte Anti-Kabelkletter-Argument von wegen „Vooorsicht…das Kabel ist rasiermesserscharf!“…WTF? 🙂

    Aber jo. Cool gemacht ist er in der Tat. Das weglassen von Studioaufnahmen rechne ich Green hoch an.

    • donpozuelo permalink*
      7. Februar 2011 12:11

      Die Schauspieler sind meiner Meinung nach komplett überfordert – oder unterfordert, wer weiß das schon??? Aber egal, was sie sind, sie alle Sklaven ihrer Dummheit. Ich hätte ja auch gleich das Kabel genommen, scheiß doch auf aufgeschnittene Hände. An die Menschenkette hatte ich noch gar nicht gedacht, aber die wäre ja auch sehr sinnig gewesen.

      Dass alles tatsächlich draußen gedreht wurde, ist schon sehr, sehr beeindruckend, rettet den FIlm aber auch nicht.

  2. 8. Februar 2011 07:26

    Mein Urteil sah ähnlich aus. Coole (ha, Wortspiel!) Grundidee, nette Kulisse, aber ansonsten ziemlich öde. Aber das ist ja bei solchen Gimmick-Filmen meistens so, die verlassen sich dann auf ihr Gimmick und der Rest wie Story, Charaktere und überhaupt alles wird zur Nebensache.

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2011 10:26

      Schöner Begriff – Gimmick-Film. Aber du hast Recht. Wobei ich selbst diese Situation allein für einen einzigen Film schon etwas zu viel fand. Vielleicht hätte man das eher in eine größere Story einbinden können. So für sich ist das zwar eine interessante Hirnspinnerei, aber nach fünf Minuten – nach dem deren Dummheit auch noch offensichtlich wird – dann sehr, sehr langweilig.

  3. 9. Februar 2011 21:51

    So schlecht fand ich ihn nicht, eigentlich sogar recht gut, aber ich musste mir das Ding auch nicht auf dem Fernseher antun ;D
    Nein, im Ernst. Zuerst war ich auch skeptisch, weil ne Freundin den wirklich grausamst schlecht fand. Meine Erwartung war dann so auf Null, dass der Film nur gewinnen konnte. Dazu muss ich aber auch zugeben, „Open Water“ auch nicht so schlecht gefunden zu haben. Ich finde solche Vergessen-Werden-Szenarien einfach gruseliger als jeden Axtmörder 😆 (Und wie so oft im Kino kommt der besser)

    • donpozuelo permalink*
      10. Februar 2011 10:46

      Naja, ich ziehe ja den Axtmörder vor 😉 Immerhin gibt es zu denen etwas mehr Spannungsmöglichkeiten in der Geschichte. Da finde ich dieses Vergessen-Werden-Schema echt langweilig.

      Klar spielt es mit einer Angst, die jeder wohl schon mal hatte, aber so richtig funktioniert hat das für mich jetzt in Filmen noch nicht. Und ob es für mich jetzt einen Unterschied gemacht hätte, ob nun Kino oder Fernsehen, halte ich auch für fraglich.

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