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Mädchen mögen kein Trockenfleisch

4. Februar 2011

Heute habe ich endlich mal die Gelegenheit, etwas zu tun, dass mir bei einem Filmblog meist unmöglich ist: Ich kann euch einen meiner Lieblingsautoren vorstellen. Dabei handelt es sich um den irischen Schriftsteller John Connolly, der mir besonders durch seine „Charlie Parker“-Reihe ans Herz gewachsen ist. Dabei vermischt Connolly Detektiv-Geschichte gekonnt mit Mystery. Parker ist eine gezeichnete Seele, der durch einen Killer Frau und Kind verliert. Insgesamt gibt es mittlerweile neun, bald 10 Titel zu Charlie Parker, dessen Geschichten sich bis jetzt immer sehr spannend, sehr mystisch und stellenweise auch ziemlich brutal darstellen. Mit seinem Charlie Parker hat Connolly eine tolle Roman-Figur erschaffen, die nicht immer heldenhaft und dadurch umso realistischer wirkt.

Ich habe mich schon immer gefragt, wann Hollywood auf diesen Privat-Detektiv aufmerksam werden würden. Aber… zum Glück… bis jetzt ist das noch nicht geschehen. Dafür ist man anderweitig auf Connolly aufmerksam geworden und so dürfen wir seit neuestem die Verfilmung einer Kurzgeschichte von ihm auf DVD begutachten: „The New Daughter“ mit Kevin Costner und Ivana Baquero (die Ofelia aus „Pan’s Labyrinth“).

In „The New Daughter“ geht es um John James (Costner), der nach seiner Scheidung mit seinen beiden Kindern Louisa (Baquero) und Sam (Gattlin Griffith) in das beschauliche Städtchen Mercy zieht. Hier soll in dem riesigen Haus ein Neuanfang gewagt werden. Doch schon am ersten Tag macht die Familie James einen interessanten Fund: ein riesiger Grabhügel thront in einem entlegenen Winkel des Gartens. Und dieser Hügel zieht vor allem Louisa magisch an. Anfangs schiebt John die Veränderungen seiner Tochter auf pubertäre Hormonschwankungen, muss sich aber schnell eingestehen, dass etwas Mächtigeres dafür verantwortlich ist.

„The New Daughter“ hat mich etwas ratlos zurückgelassen: auf der einen Seite war es tatsächlich ein spannender Film, auf der anderen Seite so überladen mit den üblichen Klischees und Story-Wendungen, dass es rein gar nichts neues an der Story gab. Aber fangen wir mit den guten Sachen an: Das Regie-Debüt von „Rec“-Schreiberling Luis Bernardo zeigt erstaunlicherweise gleich zu Beginn des Films ein merkwürdiges Wesen auf dem Dach. Man erkennt es ganz kurz, danach wartet man bis zum Ende des Films, um es wieder zu sehen. Dazwischen schafft es Bernardo die Geschichte weiterhin spannend zu halten. Was unter anderem daran liegt, dass Kevin Costners Vaterrolle sich bei den Veränderungen seiner Tochter in die komplett falsche Richtung orientiert. Hier baut das Drehbuch eine nette Vater-Kind-Geschichte auf: der alleinerziehende Vater muss sich vor allem bei seiner Tochter stark anstrengen, um sie zu verstehen. Baquero spielt dabei äußerst gekonnt, das geheimnisvolle Wesen namens „pubertierendes Mädchen“. Die Chemie zwischen Costner und ihr stimmt – und die Irrungen und Wirrungen heranwachsender Mädchen überfordern den liebevollen Vater gnadenlos – auch wenn er sich der Sache mit dem Trockenfleisch ziemlich sicher zu sein scheint 😉 Mit der Zeit muss sich der Zuschauer aber wieder an dieses Wesen vom Anfang erinnern – und auch John James muss erkennen, dass es hier nicht nur um die Pubertät geht. Aus der Vaterfigur wird ein Löwe, der sich heldenhaft für seine Kinder einsetzt – egal, was da auf ihn zu kommt. (Und so muss auch die anfangs vergrabene Schrottflinte wieder ausgegraben werden!)

Bernardo arbeitet mit gut getimten Schockelementen, wenig Licht und einer unheimlichen Geräuschkulisse. Wie bei fast allen Horror-Filmen, bei denen Spanier hinter der Kamera aktiv waren, baut Bernardo vor allem auf Kopfkino. Weniger sehen, hektischer Kevin Costner und Dunkelheit funktionieren da einwandfrei. Und am Ende baut Regisseur Bernardo ein leichtes „The Descent“-Déjà-vue-Erlebnis mit ein.

Aber wie gesagt: Es ist nicht alles so glorreich an „The New Daughter“. Die Déjà-vue-Erlebnisse lassen einen nicht so schnell los. Die Story ist – trotz der spannenden Inszenierung – allzu simpel gestrickt. Schon von vornherein weiß der im Genre bewanderte Zuschauer, was hier vor sich geht: einsames, riesiges Haus! Tochter agiert merkwürdig! Geflüster in der Stadt über die Geschichte des Hauses! Treffen mit dem Vorbesitzer! Warnungen! Schrottflinte! Offenes Ende! Fertig!

Es gibt wirklich keine Neuerungen bei „The New Daughter“. Stattdessen reiht sich der Film eher unspektakulär in die Reihe zahlreicher Filme, die nach dem gleichen Schema funktionieren. Und ich soll verflucht sein, aber trotzdem fand ich den Film furchtbar spannend. Kevin Costner spielt überzeugend, Ivana Baquero kann herrlich mysteriös in die Kamera schauen und dabei immer noch diesen „Pan’s Labyrinth“-Charme versprühen, die Effekte sind zwar alle bekannt, aber gut eingesetzt. Die Story wird – mit dem dazu geholten Grabhügel-Forscher – dann aber doch etwas albern. Aber hey… trotz meines Schwankens tendiere ich eher zu einem positiven Fazit: Nichts neues, aber dafür gekonnt. John Connolly dürfte zufrieden sein und vielleicht ebnet „The New Daughter“ den Weg für die Charlie Parker-Filme.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Kevin Costner als Monsterjäger in einer simplen, aber gut gemachten Story)

8 Kommentare leave one →
  1. 4. Februar 2011 10:24

    Hätte ich neulich fast gekauft, hatte aber noch nichts vom Film gehört und in letzter Zeit zu viele Fehlkäufe hinter mir.

    Aber jetzt? Klingt gut. Danke. Wird gekauft.

    • donpozuelo permalink*
      4. Februar 2011 13:08

      😀 Bekomme ich dann Provision???

  2. 4. Februar 2011 14:22

    Von mir? Bestimmt nicht. 🙂

    Frag den Verleih.

    • donpozuelo permalink*
      4. Februar 2011 14:28

      Na, den mein ich doch. Ich werde einen Link an die schicken. Aber wahrscheinlich wird es nur für einen feuchten Händedruck reichen 😉

  3. 4. Februar 2011 18:55

    Horror? Ne… mit Kopfkino – hm, das wird schon interessanter. Diese ganze Slasher-schlachten kann ich schon jetzt nicht mehr sehen (obwohl ich im Genre alles andere als bewandert bin). Und Ivana Baquero in einer anderen Rolle zu sehen, wäre auch mal ne schöne Abwechslung.

    • donpozuelo permalink*
      4. Februar 2011 19:59

      Nee… diese Slasher-Schlachten sind echt öde geworden. Da fehlt echt was Neues. Da ist Kopfkino schon immer etwas Feines. Aber selbst Kopfkino will gekonnt sein. „The New Daughter“ kriegt das aber teilweise hin… manchmal aber auch nicht, weil man zu schnell erkennt, in welche Richtung es geht. Die kleine Ivana als Teenager zu sehen lohnt aber auf jeden Fall.

  4. 8. Februar 2011 11:45

    Gesehen und für okay befunden. Teilweise ein bisschen zu gemächlich inszeniert. Was ja nicht gerade gesund für einen Gruselfilm ist. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2011 13:46

      Teilweise ist er wirklich sehr gemächlich, aber Kevin Costner ist halt alt geworden. Der kann einfach nicht mehr so schnell wie früher 😉

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