Zum Inhalt springen

Ich bin kein Programm!

28. Januar 2011

Ich weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll: Ich könnte mich wieder einmal über unverschämt teure 3D-Kino-Preise beschweren. Genauso gut könnte ich mich auch über zu übersteigerte Erwartungen aufregen, die so hoch sind, dass sie kaum noch erfüllt werden können. In allererster Linie sollte ich wohl etwas zurücknehmen, was ich hier vor einiger Zeit geschrieben habe.

In freudiger Erwartung auf „Tron: Legacy“ habe ich mir natürlich das Original „Tron“ angeschaut und war begeistert. In dem Zusammenhang war ich dann aber auch der Meinung, dass ein Film wie „Tron“ eine Fortsetzung nur rechtfertigen könne – bei der heutigen Technik und den heutigen Möglichkeiten könnte man die Welt von „Tron“ phänomenal aufleben lassen. Jetzt ist es nun endlich soweit und ich konnte mich selbst davon überzeugen, um wie viel besser „Tron: Legacy“ nun geworden ist. Ich verrate schon jetzt mal so viel: Es ist nicht besser, sondern nur schlechter geworden.

„Tron: Legacy“spielt in einer Welt, 20 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden von „Tron“-Held Kevin Flynn (Jeff Bridges). Dafür lernen wir seinen Sohn Sam kennen. Durch eine Nachricht sucht er die alte Spielhalle seines Vaters auf, entdeckt dort Tron und wird – wie sein Vater im Original – digitalisiert und in die Welt von Tron gebeamt. Hier kämpft er sich durch die obligatorischen Diskus-Kämpfe, Lichtrennen und muss erkennen, dass ein neues, böses Programm namens Clu (Jeff Bridges) sich wieder einmal zum Tyrannen erhoben hat. Doch statt nur die Herrschaft über die Welt von Tron will es auch die Herrschaft in unserer Welt, doch dazu braucht es, das Wissen von Kevin Flynn selbst. Den findet Sam auch bald wieder, doch viel Vater-Sohn-Zeit bleibt ihnen nicht, gilt es doch, Clu aufzuhalten.

Es heißt ja immer: Fang mit den guten Sachen an. Und „Tron: Legacy“ hat durchaus seine guten Seiten. Oder sagen wir besser, eine gute erste halbe Stunde. Hier wird – witzigerweise noch in 2D – die Geschichte vom Original als Gute-Nacht-Geschichte für den jungen Sam wiedergegeben. Dann kommt der Zeitsprung und der Sprung in die virtuelle Welt. Eine virtuelle Welt, an der man sich im ersten Augenblick gar nicht satt sehen kann. Hier sind die matten, düsteren Bilder aus „Tron“ vergessen. Regisseur Joseph Kosinski schafft eine glatte, kalte Welt mit stylischen Bodysuits und unendlich scheinenden Straßen – das „Raster“. Diese Welt ist Cyber-Space pur. Und kaum hier angekommen, geht es für Sam auch schon zur Sache: zuerst der obligatorische Diskus-Fight, der mit wechselnder Schwerkraft und coolen Slow-Motions ein wahrer 3D-Augenschmaus ist. Hat man sich davon erholt, werden wir schon in die nächste Arena geschickt: das Lichtrennen.

Ich mochte die Lichtrennen ja schon im ersten Teil am meisten, aber was „Tron: Legacy“ uns da auftischt, ist echt atemberaubend. Mehrere Fahrer auf mehreren Ebenen und elegant-tödliche Fahrerstreifen, die die Fahrzeuge hinter sich herziehen. Das sieht bombastisch aus und macht Spaß auf mehr. Mehr, mehr, mehr…

Aber mehr gibt’s dann nicht. Der gute Teil von „Tron: Legacy“ hört dann auf. Was nun folgt, ist eine absurde Mischung aus „Star Wars“ meets „Matrix“. Der alte, gute Kevin Flynn wird uns als so eine Art Einsiedler-Guru vorgestellt, der uns irgendeine wirre Geschichte darüber erzählt, was Clu alles Böses angestellt hat. In guter „Star Wars“-Manier wäre er wohl so etwas wie Obi-Wan und Yoda zusammen. Aber selbst wenn die Figur von Kevin Flynn diesem Vergleich überhaupt standhalten würde, dann wird es spätestens dadurch zunichte gemacht, dass Clu einfach kein gelungener Darth-Vader-Verschnitt ist. Clu ist ein Nichts im Vergleich zum bösen Master Control Programm. Aber er bekommt auch keine wirklichen Möglichkeiten dazu, weil seiner Figur einfach die – die für einen guten Bösewicht wichtige – Tiefe fehlt.

Wenn man schon vom ersten Teil behaupten konnte, die Story wäre eher flach, dann muss man wohl sagen, dass „Tron: Legacy“ eine absolut unterirdische Geschichte vorweist, über die nicht einmal die Effekte hinweg täuschen können. Bis auf die Sachen in der ersten halbe Stunde passiert 3D-technisch nämlich nicht mehr sonderlich viel, was ein Kino-Ticket für 12, 50 Euro rechtfertigen würde. In keinem der kommenden Fights – sei es Mann gegen Mann oder in der Luft – wird die 3D-Technik sinnvoll verwendet, um in uns ein schwindeliges Freudengefühl aufkommen zu lassen.

Interessanterweise zeigt sich aber, dass „Tron: Legacy“ haargenau den gleichen Handlungsschemata verfolgt wie schon sein Vorgänger: Rein in die Welt, Diskus-Kampf, Lichtrennen, Erklärung über die Welt, Erklärung des Hauptziels, Weg zum Hauptziel, Zerstörung, Ende. Was bei „Tron“ noch faszinierend war, wird bei „Tron: Legacy“ zur Qual – leider. Hier wird viel verspielt – sowohl bei der Technik als auch bei der Story (die – um es nochmal zu sagen – wirklich abstruser ist als in Teil Eins).

Aber hey… allein wegen der ersten halbe Stunde und einem genialen Daft-Punk-Soundtrack, der sich wie eine zweite Haut um die virtuelle Welt von Tron legt und perfekt auf die jeweiligen Szenen eingestimmt ist, lohnt sich der Trip ins Kino. Obwohl… besser wäre wohl eher folgendes: Soundtrack kaufen und anhören. Und einfach das Original gucken.

Wertung: 4 von 10 Punkten (bei „Tron: Legacy“ funktioniert nicht einmal mein „Optik top, Story Flop“-Spruch so richtig, weil selbst von der 3D-Optik mehr hätte sein können)

15 Kommentare leave one →
  1. 28. Januar 2011 06:23

    Schaue ich mir am Sonntag an und lese DANN deine Review. Wie immer. 🙂

    Übrigens: Willst du nicht jeweils ein bisschen grössere Bilder posten? Da erkennt man ja kaum was.

    • donpozuelo permalink*
      28. Januar 2011 07:38

      Naja, ich würde ja abraten, aber gut… mach das. Wir „sehen“ uns dann am Sonntag 😉

      Mit den Bildern kann ich gerne was ändern!

  2. christiansfoyer permalink
    28. Januar 2011 09:54

    Jaaaaa… leider alles sehr wahr, auch wenn ich ihn mit 6/10 etwas gnädiger bewertet habe. Aber, wie ich schon bei mir geschrieben habe: wäre der ganze Film so wie seine erste halbe Stunde hätt’s 12/10 gegeben, drum trotzdem eine Enttäuschung. Zumal ich auch noch €1,50 mehr als du für den elends überflüssigen 3D-Kack bezahlt habe. Im Vorprogramm lief gestern der „Thor“-Trailer, mit der ganz kurzen Einblendung zum Schluss: „In ausgewählten Kinos auch in 2(ZWEI!)D“. Irgendwie haben sich da die Welten verkehrt…

    • donpozuelo permalink*
      28. Januar 2011 10:47

      Ja, „Thor“ lief bei mir auch. Und das mit dem 2D-Verweis hat mich auch sehr verwundert. Dafür sah der Trailer sehr gut aus.

      😀 Eigentlich traurig, dass das große Highlight ein kurzer Trailer war…. während man den Hauptfilm echt in die Tonne hauen konnte.

  3. 29. Januar 2011 19:34

    Irgendwie habe ich es noch im Hinterkopf, dass Tron Legacy zuerst eigentlich nur ein Remake sein sollte oder nicht klar war, ob Fortsetzung oder Remake. Erwartungen was die Story angeht habe ich nicht, eigentlich möchte ich nur Effektkino mit toller DaftPunk Musik sehen. Ich glaube, dafür wird’s reichen 😀

    • donpozuelo permalink*
      29. Januar 2011 21:59

      Ein Remake wäre vielleicht sogar noch interessanter gewesen. Dann hätten die sich nicht so eine haarsträubend dämlich Geschichte ausdenken müssen – es hätten einfach coole Effekte gereicht.

      Aber selbst als Effektkino lohnt sich der Film nicht – außer in der ersten halben Stunde. Danach hat selbst jeder Kinderfilm in 3D mehr 3D-Effekte als „Tron: Legacy“. Dafür ist die Musik echt genial… passt perfekt zu den Bildern!!!

  4. 29. Januar 2011 21:28

    Schade, ich will den aber dennoch sehen, die schönen Lichterchen ziehen mich immer noch an 😀

    • donpozuelo permalink*
      29. Januar 2011 22:00

      😀 Lichterchen bekommst du viele zu sehen. An Autos, an den Bodysuits, im Raster… überall… aber das war’s dann auch. Was echt schade ist.

  5. 31. Januar 2011 11:19

    Also ich fand den schon ziemlich geil. Wunderhübsche Effekte und ziemlich bombastischer Sound. Im Grunde genommen das, was ich erwartet hatte.

    • donpozuelo permalink*
      31. Januar 2011 11:38

      Echt? Naja, anfangs waren die Effekte richtig gut, dann wurde es weniger. Der Sound ist natürlich bombastisch – da kann man nichts gegen sagen. Aber ich finde, die Story macht einfach viel zu viel kaputt, und dieses Gelaber in der Mitte des Films zieht das Ganze furchtbar in die Länge. Da wäre ein Remake wohl tatsächlich interessanter gewesen.

Trackbacks

  1. Der mit dem Whisky reitet « Going To The Movies
  2. 2011 « Going To The Movies
  3. Sind Sie ein effektives Team? | Going To The Movies
  4. Chaos on Anarchy Road | Going To The Movies
  5. Flieg, du Bengel! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: