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Trashige Superhelden

24. Januar 2011

2011 – das Jahr, in dem Superhelden und Comic-Figuren mehr denn je die Kinoleinwand bevölkern (ein Zeichen dafür, dass Hollywood einfach keine neuen Ideen mehr hat? 😉 ) und den Auftakt macht ein Held, bei dem sich schon fast eine philosophische Frage (natürlich leicht umgewandelt) auftut: Wer war zuerst da: „Green Hornet“ oder „Batman“? Denn mal ehrlich: „Green Hornet“ wirkt schon ein wenig wie ein alberner Abklatsch vom dunklen Flattermann. Gadgets, cooles Auto, Maske und Side-Kick. Interessanterweise ergeben intensive Forschungen meinerseits (mit meinem Side-Kick Google), dass „Green Hornet“ tatsächlich früher da war als „Batman“. Bereits 1936 flatterte die Hornisse durch das Radioprogramm, während der Dunkle Ritter „erst“ 1939 erschien. Ist „Batman“ also einfach nur eine erwachsene, reifere Hornisse??? Tja, wer weiß, Fakt ist, dass „The Green Hornet“ – mir vorher fast unbekannt – eine genauso bunte Geschichte hat wie „Batman“ – Radio-Shows, Comics, TV-Serien (in der Side-Kick Kato unter anderem auch schon mal von Kampf-Legende Bruce Lee gespielt wurde) und jetzt nun auch als Film, der – um es gleich vorweg zu nehmen – auch in 2D vollkommen ausreicht (so viele coole 3D-Effekte sind da nicht drin!!!).

Ich war ja durch vorwiegend schlechte Kritiken vorgewarnt, weswegen ich meine Erwartungen an den Film sehr weit heruntergeschraubt hatte. Zum Glück!!! So konnte ich über die recht affige Geschichte hinweg sehen und mich sogar halbwegs amüsieren:

Britt Reid (Seth Rogen) ist der Sohn des berühmten Zeitungsbesitzer von „The Daily Sentinel“. Leider ist Reid das genaue Gegenteil von seinem Vater: ein wahrer Playboy, der erst mit dem Tod seines Vaters alleine zurecht kommen muss. Zusammen mit dem Mechaniker Kato (Jay Chou) startet Reid nach einer betrunkenen Aktion den Versuch, sich als Superheld zu outen. Schnell ist „Green Hornet“ geboren, das Auto „Black Beauty“ (WTF!!!) ist dank Kato schnell eine gefährliche Kampfmaschine, Kato wird wegen seiner Martial-Arts-Kenntnisse (immerhin hat er auf der Straße gelebt und war in mehreren Schlägerein – na klar!!!) zum Side-Kick und Gangster-Boss Chudnofsky (Christoph Waltz) – später der Coolness wegen Bloodnofsky – ihr größter Gegner. Alles würde ganz gut laufen, wenn sich Team Hornet nicht wegen der Sekretärin Lenore (Cameron Diaz) in die Haare kriegen würden… aber hey, was wäre eine Superheld ohne innere Konflikte???

„The Green Hornet“ ist – um es auf den Punkt zu bringen – großer Trash. Aber durchaus unterhaltsam. Natürlich sind Erwartungen an einen Michel Gondry, der mit Filmen wie „Science of Sleep“ oder „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ sehr innovative und verspielte Meisterwerke geschaffen hat, sehr groß. Es erstaunt einen daher schon, wie Gondry solch einen Film machen konnte – für Gondry-Fans ist „The Green Hornet“ eine herbe Enttäuschung, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Potenzial für den Regisseur in der klamaukhaftigen Geschichte steckt. Doch vermisst man Gondrys Einfälle aus früheren Filmen sehr. Statt dessen sollte man den Namen Gondry weit in die Ecke stellen und sich auf eine Action-Komödie freuen, die – um ehrlich zu sein – den gewöhnlichen Gadget-Superhelden durch den Kakao zieht.

Denn in Wirklichkeit ist Rogens Britt Reid doch eine arme Sau. Was für ein Superheld ist man denn, wenn der Side-Kick tausendmal cooler ist? Der kann kämpfen, hat sowas wie einen Super-Sinn, bastelt die verrücktesten Erfindungen und hat dann auch noch die besseren Chancen bei der Frau. Um so einen „minderwertigen“ Superhelden zu spielen, passt jemand wie Seth Rogen eigentlich perfekt – etwas, was ich vorher stark angezweifelt habe. Rogen verfügt über eine gewisse Trotteligkeit, die zu „Green Hornet“ passt. Ich meine, wer lässt sich denn sonst von seiner Sekretärin erzählen, was man als Superheld als nächstes zu tun hat??? Britt Reid ist eine Lachnummer und genau das gleiche trifft auch auf seinen Superhelden zu – und auch auf seinen Gegner. Christoph Waltz nach „Inglourious Basterds“ in der Rolle als Chudnofsky zu sehen, hat etwas Gewöhnungszeit gebraucht. Denn so einen albernen Gegner hat man schon lange nicht mehr gesehen: ein Gangster-Boss in der Midlife-Crisis, den Waltz dennoch mit erstaunlich viel Würde spielt. Was allerdings Cameron Diaz mit dieser Mini-Rolle bezwecken wollte, ist fraglich, dient sie doch eigentlich nur als Zündstoff für die Superheld-Side-Kick-Beziehung.

Insgesamt sind die Figuren in „The Green Hornet“ alle etwas überzeichnet, alle etwas albern, alle etwas zu trashig. Aber im Gesamtpaket „Action-Komödie“ funktionieren sie. Zwar ist die Action nicht der eines „Batman“ oder „Spiderman“ oder wie sie sonst heißen gerecht. Aber Jay Chous choreographierte Fights sind schon cool anzusehen. Komisch ist „The Green Hornet“ schon – die Dialoge sind zwar oft auch unfreiwillig komisch, was aber mehr am Drehbuch zu liegen scheint.

Als Auftakt für das Superhelden-Jahr 2011 ist „The Green Hornet“ zwar nicht sehr geeignet, als Michel Gondry-Film hat der Film auf ganzer Linie versagt, nur wenn man ihn als Parodie auf Superhelden versteht, macht das Ganze noch halbwegs Sinn – auch wenn es vielleicht gar nicht als Parodie verstanden werden will.

Wertung: 5 von 10 Punkten (als Michel Gondry-Film gibt es einen von 10 Punkten, lässt man das aber außen vor, ist die Hornisse ganz witzig und unterhaltsam)

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10 Kommentare leave one →
  1. 24. Januar 2011 06:24

    Man sollte den Film gar nicht erst mit irgendwas vergleichen. Wenn, dann mit den Comic-Verfilmungen aus den 80ern. In dieser Zeit hätte ich persönlich den Film auch spielen lassen. Versprüht aber tortzdem streckenweise enorm viel Charme. Und überhaupt…so schlecht wie jetzt alle behaupten fand ich ihn bei weitem nicht.

    Und die Fights sind wirklich sehr schick, wie ich finde.

    • donpozuelo permalink*
      24. Januar 2011 07:28

      Ja, da gebe ich dir Recht, eine Zeitverlagerung in die 80er hätte den Film noch etwas aufgewertet. Aber er funktioniert ja streckenweise auch so ganz gut. Ich glaube, viele Negativ-Kritiken kommen einfach daher, dass die Leute gerade von Michel Gondry etwas mehr Innovation und Kreativität erwartet haben. Dadurch ist die Erwartungshaltung eine ganz andere als wenn man sich denkt: „okay, ich schaue jetzt eine herrlich trashige Superhelden-Farce!“

  2. 24. Januar 2011 17:32

    Batman mit adam west war ja schon trash und Green Hornet toppte das ganze noch. Im Kino versuchte man verzweifelt davon wegzukommen, aber wie gesagt eigentlicht ganz unterhaltsam mit einem kleinen „Aber“ versehen. Jay Chou ist für mich dagegen die Neuendtdeckung des noch jungen Jahres, der ist ja eigentlich DJ und mMsiker.

    • graval permalink
      24. Januar 2011 18:38

      Vielleicht wäre er besser dabei geblieben. Fand ihn sehr flach / schwach. Mir gefiel abermals Chris Waltz. Und die Action. Ganz geil war ja auch die „Begrabung“ mit den 3 Trucks ^^ Oder die Fahrt ins Newsgebäude. Mal was neues, schräges. \o/

      • donpozuelo permalink*
        24. Januar 2011 19:03

        @maloney: Chou ist DJ??? Echt? Find ich witzig. Dass sie nicht von dem Trash wegkommen, ist tatsächlich nicht sonderlich schlimm. Allerdings frage ich mich ja, ob dass Absicht oder Versehen war. Aber wenn es Absicht gewesen wäre, hätten sie das durch die PR-Kampagne besser klar gemacht.

        @graval: Waltz war wirklich köstlich. Und die Begrabung fand ich auch witzig – auch wenn die „Befreiung“ ja weit, weit entfernt von jeder Realität war… 😉

      • graval permalink
        24. Januar 2011 19:31

        Jup, das war dann echt schade, dass man diese im Grunde tolle Idee nicht wirklich gut weitergezogen hat. 😦

  3. 25. Januar 2011 20:57

    Der Trailer sah schon lahm aus, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr lahm. Überhaupt kein Interesse und Unverständnis warum man so einen offensichtlichen Mist sehen möchte. Und er scheint ja wirklich so mies zu sein, wie gedacht, von daher…:]

    • donpozuelo permalink*
      25. Januar 2011 23:18

      Wie gesagt, der erste Gedanke galt Michel Gondry… dann kam lange Zeit gar nichts und dann lange Zeit noch wieder nichts… und dann der Gedanke, es könnte ja eine witzige Action-Komödie sein. Gondry war nichts, statt Komödie eher Parodie (und die möglicherweise auch eher ungewollt) und…

      ja, okay. Du hast Recht, eigentlich muss man den sich nicht wirklich anschauen. 😉

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