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Do you feel lucky, punk?

19. Januar 2011

Ich könnte jetzt damit anfangen, wie viele gängige Filmzitate, die jeder hier und da mal fallen lässt, gar nicht oder nicht richtig in unseren Sprachgebrauch gekommen sind. Aber das wäre doch ziemlich albern, denn egal, ob falsch oder richtig, jeder weiß sofort, welcher Film gemeint ist. Und so lautet es auch eigentlich nicht „Do you feel lucky, punk?“, sondern richtigerweise: „You’ve got to ask yourself one question: ‚Do I feel lucky?‘ Well, do ya, punk?“. Aber hey… wir wollen ja nicht kleinlich sein, denn immerhin – ob falsches Zitat oder nicht – so ziemlich jeder weiß, von wem dieser Spruch kommt: Clint fucking Eastwood a.k.a. „Dirty Harry“, the dirtiest cop in town.

Doch so „dirty“ ist Harry gar nicht, denkt man doch bei „dirty“ irgendwie eher an einen korrupten, fiesen Cop. Aber weit gefehlt – den trotz des Namens ist „Dirty Harry“ ein fast guter Bulle. Fast auch nur, denn immerhin hat der gute Mann eine ganz eigene Auffassung von Gerechtigkeit: lebender Fiesling – schlecht; toter Fiesling – gut.

Und mit einem richtigen fiesen Fiesling bekommt Harry Callahan es zu tun: Der Killer Scorpio scheint aus purer Lust am Töten, Menschen umzubringen. Kleine Nachrichten an die Polizei von San Fransisco stellen sicher, dass die zwar wissen, wer als nächstes dran sein könnte, aber nicht, wann und wo. Als Scorpio ein junges Mädchen kidnappt und Lösegeld fordert, sich Harry seine Chance: Er überbringt das Geld, Scorpio kann aber entkommen. Erst etwas später findet Harry Scorpio, schlägt ihn ein wenig zusammen, um so das Versteck des Mädchens zu finden. Leider kommt Scorpio aufgrund Harrys fragwürdigen Methoden wieder auf freien Fuß. Erneut muss Harry sich ihm stellen.

„Dirty Harry“ gilt als einer der einflussreichsten Polizei-Filme der 70er Jahre und hat mit seinem sarkastisch-zynischen Einzelkämpfer-Cop und der harten Action zahlreiche Filme bis heute geprägt. Dennoch kam bei mir immer wieder das Gefühl auf, ich schaue mir gerade einen Clint-Eastwood-Western an: der Lone-Gunman, der allein das Gesetz vertritt. Clint Eastwood hat ja – was solche Rollen angeht – viel Erfahrung. Und trotz dieser Western-Assoziation ist „Dirty Harry“ keineswegs einfach nur ein moderner Western in anderer Verpackung.

Zu allererst sollte man wohl festhalten, dass Eastwood mit „Dirty Harry“ eine der kultigsten Filmfiguren überhaupt darstellt: sein Harry Callahan hat Ecken und Kanten, hat coole Sprüche drauf (siehe oben) und zeigt sich als echter Superbulle: Wer sonst außer „Dirty Harry“ würde es schaffen, einfach mal so in seiner Hot Dog-Pause einen Banküberfall zu verhindern? Gut, dass dabei etliche der Bankräuber drauf gehen und die halbe Straße verwüstet wird, ist nebensächlich. Eastwoods Harry ist nicht immer ganz sauber und nicht immer ganz regelkonform, aber gerade das macht ihn aus.

Aber „Dirty Harry“ lebt auch von der großartigen Regie Don Siegels: Der schafft es sowohl die schönen als auch die häßlichen Seiten von San Fransisco in seinem Film der Handlung einzuordnen. Dabei entstehen nächtliche Milieustudien einer Stadt, die sich auch in den 70er Jahren noch nicht von der Flower-Power-Zeit erholt hat. Und so streunert Harry auf der Suche nach Scorpio durch allerlei dunkle Gassen, sieht sich in zahlreichen Nacktbars um und trifft auf die Nachtgeschöpfe der Stadt. Dazu kommen für einen Action-Thriller ungewöhnlich stilvolle Einstellungen und Kamerafahrten: Zur Mitte des Films gibt es eine Kamerafahrt aus einem Football-Stadion, in dem Harry Scorpio das erste Mal dingfest macht, die langsam immer weiter in die Ferne geht und die beiden Hauptfiguren zu Punkten verkommen lässt.

Was mir besonders an „Dirty Harry“ gefallen hat, ist die Tatsache, dass sich der Film viel Zeit lässt, mit der ersten Konfrontation zwischen Harry und diesem ziemlich irren Scorpio (der übrigens leicht an den „Zodiac Killer“ angelehnt ist). Einer der spannendsten Teile des Films ist die Telefon-Hetzjagd durch die Nacht (wo man dann auch erkennt, wo „Stirb Langsam 3“ seine Inspirationen hergeholt hat): Scorpio jagt Harry von Telefon-Zelle zu Telefon-Zelle, um sicher zu gehen, dass er alleine ist.

„Dirty Harry“ ist ein packend inszenierter Thriller mit einem herrlich lakonischen Anti-Helden, dem Großstadt-Cowboy Clint Eastwood, der zwar manchmal äußerst fragwürdige Methoden der Verbrechensbekämpfung an den Tag legt, aber dafür äußerst effektiv am Werk ist. In diesem Sinne: „Go ahead, make my day [Harry]“ (ein weiterer „Dirty Harry“-Kultspruch, der aber erst in Teil 4 ausgesprochen wird)

Wertung: 8 von 10 Punkten (Kult-Cop Eastwood mit der größten Wumme der Welt – was kann da noch schief gehen?)

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