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Da friert ja die Hölle ein!

17. Januar 2011

Ami-Horror-Filme oder in diesem Fall Slasher sind nichts, wofür ich mich ins Kino bewegen würde. Schon Wes Cravens „Scream“-Reihe hatte mich kaum interessiert. Das Thema „Böser Typ schlitzt Menschen auf“ ist schon so oft umgesetzt worden, dass es an Innovationen fehlt. Aber zum Glück sind die Amis ja nicht die einzigen, die sich an Filmen jeglichen Genres interessieren, und so genügt ein kleiner Blick über den Tellerrand, um zu erkennen, dass es wesentlich besseres Material gibt. Und das auch noch aus Europa. Aus dem kalten Norden Norwegens. Und richtig kalt lief es mir bei „Cold Prey“ dann auch den Rücken herunter – selten habe ich einen so guten Horrorfilm gesehen, der eigentlich mit den gleichen altbekannten Mitteln arbeitet.

In dem Film von Regisseur Roar Uthaug geraten fünf junge Snowboard-Touristen in eine tödliche Falle. Beim Befahren einer nicht autorisierten (natürlich!!!) Strecke bricht sich einer von ihnen das Bein. Zum Glück für die Fünf entdecken sie ganz in der Nähe ein verlassenes Hotel (natürlich!!!). Dort bringen sie den Generator zum Laufen (natürlich!!!) und verbringen dort die Nacht. Bis hierher klingt alles noch recht öde, aber irgendwann geht dann das Morden los: erst die hübsche Blonde, dann der Typ, der losgehen und Hilfe holen wollte. Die drei, die noch übrig sind, finden schließlich einen Raum voll neuer Ski-Ausrüstungen und mehrere Berichte über verschwundene Touristen. Schnell wird klar: Etwas stinkt hier gewaltig. Doch ein Entkommen ist scheinbar unmöglich: das Gebiet rund um das Hotel ist mit Fallen gespickt, dazu kommt das miese Wetter und die Unwissenheit, wann und wo der mysteriöse Mörder wieder zuschlagen könnte.

„Cold Prey“ zeigt vor allem eins: Horrorfilm in abgelegenen, verschneiten Gegenden funktionieren fast immer: Das haben schon „30 Days of Night“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“ bewiesen. In der kalten, eisigen Welt des Schnees gibt es keine Möglichkeiten, sich zu verstecken und in den meisten Fällen hört auch keiner die Schreie der Opfer. Wer sich doch hört, gehört möglicherweise bald selbst zu den Opfern. Zu der eisigen Umgebung kommt dann noch dieses schon fast an Kubricks „Shining“ erinnernde Hotel mitten im Nirgendwo: kleine, enge Flure und viele Türen bieten immer wieder den Nervenkitzel des „Wann passiert es denn nun?“. Und Uthaug lässt sich gerne Zeit mit dem Töten: Es öffnen sich zwar ständig Türen und ständig sitzt man vor dem Fernseher und denkt sich: „Jetzt passiert es“ und es passiert doch nichts. Aber genau im richtigen Moment, dann, wenn man schon aufgegeben hat, passiert es doch und erschreckt einen umso mehr.

„Cold Prey“ lässt einen nicht mehr los und bietet vor allem keine Verschnaufpause. Die Figuren werden in ihrem Überlebenskampf immer verzweifelter, denn sie haben keine Fluchtmöglichkeit. Was denn Film dann zusätzlich noch von anderen unterscheidet: Kaum jemand der Überlebenden hat die Möglichkeit zum Helden zu werden. Sie bleiben alle verschreckte Kaninchen, die sich vor dem bösen Fuchs verstecken müssen. Nur leider sind die Versteckmöglichkeiten nicht sonderlich zahlreich. Sukzessive baut Uthaug die Spannung auf, dabei konzentriert er sich weniger auf blutige Slasher-Effekte, sondern auf seine Figuren und die Umgebung des Hotels und der Kälte.

Einen weiteren Spannungs-Pluspunkt gibt es aber durch die Figur des Mörders. Lange Zeit sieht man nur die Schuhe oder mal die Pickel schwingende Hand. Erst recht spät offenbart sich uns das Monster aus „Cold Prey“ und erinnert dann ein wenig an Michael Myers aus „Halloween“: ein riesiger Typ, der unter tausend Lagen Fell und Jacken versteckt zu sein scheint, der sich unglaublich behäbig bewegt und trotzdem unheimlich schnell da zu sein scheint, wenn er „gebraucht“ wird. Warum und wieso er tötet wird nicht geklärt? Scheinbar tötet er nur des Tötens wegen: Hier wird niemand zerstückelt, einfach nur erschlagen und anschließend in eine Gletscherspalte gekippt wie menschlicher Abfall.

Was sich anfangs anfühlt wie ein stinknormaler Horrorfilm, wird dank des abgelegenen Handlungsortes, der gut gezeichneten Charakter und einem kontinuierlichen Spannungsaufbaus zu einem wahnsinnig fesselnden Horrorfilm und eine mehr als nur willkommene Abwechslung zum dem Einheitsbrei der sonst so vorherrscht.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Kälte und Angst springen vom Bildschirm auf den Zuschauer über)

11 Kommentare leave one →
  1. 17. Januar 2011 08:42

    In der Tat ein sehr sehr cooler Film. Und der zweite Teil rockt dann genau so.

    • donpozuelo permalink*
      17. Januar 2011 09:58

      Vom zweiten und dritten (!!!) Teil habe ich bis jetzt nur gehört. Aber wenn du sagst, dass Teil 2 auch rockt, könnte man sich den ja mal angucken. Obwohl ich mal bezweifle, dass der die Atmosphäre vom ersten Teil so gut wiedergeben kann.

  2. 17. Januar 2011 11:43

    Nach „Frozen“ schon wieder ein Horrofilm auf der Skipiste? Da vergeht einem ja die Lust am Wintersport^^

    • donpozuelo permalink*
      17. Januar 2011 11:50

      😀 Möglicherweise. Aber wenn man genau hinsieht, sind die da alle selber Schuld. Ich kenn zwar „Frozen“ nicht, aber zumindest bei „Cold Prey“ nehmen die Herrschaften eine nicht autorisierte, unbefahrene Strecke – „weil’s cooler und der Schnee so schön ist“.

      In diesem Sinne: Wer auf den ordentlichen Strecken bleibt, dem passiert nichts. 😉

  3. 17. Januar 2011 12:04

    Jap dann sind sie ganz selber schuld wenn sie brutal dahingemtzelt werden…doofe Teenager^^

    • donpozuelo permalink*
      17. Januar 2011 12:11

      😀 Aber sowas von… Muss an den Hormonen liegen 😉

  4. 17. Januar 2011 12:39

    Hm, noch nie vom Film gehört 😀 Hört sich aber in Ordnung an ^^
    Letztens hab ich auch ‚Frozen‘ geschaut, kann ich nur empfehlen!
    Da sind die Jugendlichen wenigstens nicht selbst schuld und nicht die typischen blöden Teenager. Da gibts zwar keinen Michael Myers, ist aber trotzdem sehenswert ^^

    • donpozuelo permalink*
      17. Januar 2011 15:19

      „Cold Prey“ ist echt sehenswert. Aber da du jetzt schon die zweite bist, die „Frozen“ empfiehlt, werde ich mir den wohl mal demnächst anschauen müssen 😉

      • 21. Januar 2011 21:07

        Ohaaa, ‚die‘? Nur, weil ich eine Blume als Avatar hab, heißt das nicht, dass ich weiblich bin 😀

        • donpozuelo permalink*
          21. Januar 2011 21:44

          Aua, das nennt man dann wohl EPIC FAIL. Sorry… ich könnte jetzt versuchen, mich heraus zu reden, indem ich das „DIE“ auf „die zweite Person“ hin erkläre. Aber ich stehe zu meinem Fehler und hoffe, es hat dich nicht getroffen. Tut mir leid.

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  1. Reboot-Lara | Going To The Movies

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