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Ab ins Computer-Wunderland!

5. Januar 2011

Es ist doch der Traum eines jeden Spielers, das Spiel tatsächlich einmal so hautnah wie möglich mit zu erleben. Und es ist auch der Traum jedes Filmemachers, dieses Gefühl irgendwie auf die Leinwand zu bannen. Aber beides scheint nicht immer ganz zu funktionieren. Beim Spielen versucht man es zwar mittlerweile mit Wii, Konnekt, Move oder wie die Sachen sonst alle so heißen, die Menschen dazu bringen, wilde Verrenkungen vor ihrem Fernseher zu machen. In Filmen ist das noch viel kläglicher gescheitert – ob nun Filme wie „Crank“ oder „Gamer“, so richtig konnten sie uns nicht in die Welt der Spiele und Computer einbinden.

Erstaunlich ist es, dass einer der Filme, der es tatsächlich gekonnt schafft, den Zuschauer in die Welt eines Spiels zu bringen, ein recht alter Film ist. Und angeblich ist es sogar ein Kultfilm. Ich finde es für mich persönlich dann schon ein wenig peinlich, wenn ich diesen sogenannten Kultfilm noch nie gesehen habe. Aber ich hole so was ja gerne nach, vor allem dann, wenn die Neu-Auferstehung dieses Films seit Wochen durch Kino-Trailer groß angekündigt wird. Die Rede ist von „Tron“ und dem in diesem Jahr folgenden Nachfolger „Tron: Legacy“.

Ich war mir anfangs nicht ganz so sicher, was ich von „Tron“ halten sollte. Ich war froh, mit Jeff Bridges ein bekanntes, wenn auch sehr verjüngtes Gesicht wieder erkennen zu können. Aber anfangs wirkt „Tron“ doch recht unbeholfen: Der Programmierer Kevin Flynn (Jeff Bridges) versucht Beweise dafür zu finden, dass sein ehemaliger Kollege von ihm programmierte Computerspiele gestohlen hat. Für die Suche nach diesen Beweisen hat Flynn ein Suchprogramm, dass im Hauptcomputer der Firma Encom unterwegs ist. Und unterwegs ist das richtige Wort, denn alle Computerprogramme leben in humanoider Form in der virtuellen Welt, die vom Master Control Program (MCP) beherrscht wird. Als Flynn versucht, in das System einzudringen, greift das MCP ein, digitalisiert Flynn kurzerhand und nimmt ihn in der virtuellen Welt gefangen. Flynns einzige Hoffnung: das Überwachungsprogramm „Tron“ finden und mit ihm die Macht des MCP überwinden.

Ich sage es gleich vorweg: Die Helden-/ Erlöser-Geschichte von „Tron“ ist nicht unbedingt das großartigste, was das Kino zu bieten hat. Eher das Gegenteil ist der Fall, die Geschichte ist vorhersehbar, die Darsteller wirken etwas hölzern, die Dialoge etwas zu sehr einstudiert. Aber „Tron“ vollbringt das Kunststück, das nicht jedem Film mit flacher Story gelingt: Man kann „Tron“ die billige Geschichte um die Befreiung der virtuellen Welt vollkommen verzeihen. Dazu muss man allerdings ein wenig dem Charme von „Tron“ erliegen – ansonsten funktioniert das nicht 😉

„Tron“ ist schließlich einer der ersten Spielfilme, die längere computergenerierte Szenen verwenden. Immerhin sind fast 20 Minuten Film (von knapp 96 Minuten) am Computer entstanden. Und die sind – wenn man die Zeit (1982) betrachtet – echt gut gelungen. Besonders gelungen sind dabei vor allem die Lichtautofahrten: zwei oder mehr Spieler fahren mit kleinen Flitzern über ein Raster und müssen ihren Gegner besiegen, in dem sie durch ihre zurückgelassenen Spuren Hindernisse hinterlassen. Das Ganze erinnert ein wenig an das Spiel „Snake“, macht aber viel Spaß. Neben Snake finden sich auch Verweise auf „Pac-Man“ oder „Space-Invaders“ wieder – hier vor allem durch das riesige Schiff, dass Flynn kapert.

Der Look der virtuellen Welt wirkt überzeugend. Was vor allem an der Nachbearbeitung der Real-Bilder liegt. Durch die „Backlit-Animation“ erhalten die Figuren einen leicht leuchtenden Umriss. Zusammen mit der Optik des Hintergrunds, den verfremdeten Lichteffekten in der Welt des MCP und den futuristischen Bauten haben die Bildern von „Tron“ eine große Wirkung.

Mit „Tron“ finden die Arcade-Spiele von früher einen Platz in der Kino-Welt, und auch wenn die Geschichte nicht sonderlich ausgereift ist, macht der Film einfach Spaß. Vielleicht ist es der Retro-Look, die Effekte, die für die heutige Zeit schon ein wenig albern wirken oder die Tatsache, dass sich Jeff Bridges schon vor dem Dude in andere Sphären begeben hat, aber „Tron“ hat was. Was, muss jeder für sich selbst herausfinden! 😉

Dem Nachfolger „Tron: Legacy“ steht nun eine schwierige Aufgabe bevor: „Tron“ war seinerzeit was total Neues, aber heutzutage gähnen wir doch nur müde. Computeranimationen sind gang und gebe, was kann ein „Tron: Legacy“ da noch anders machen als „Tron“? Die Geschichte wird sicher nicht herausragend, aber hoffentlich die Effekte. Somit könnte „Tron: Legacy“ ein optisches Highlight fürs 3D-Kino werden, mehr aber wohl auch nicht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (wenn man sich auf den Charme von „Tron“ einlässt, erwartet einen eine durchaus interessante Film-Erfahrung)

6 Kommentare leave one →
  1. 5. Januar 2011 11:33

    Wie jetzt nur 8 Punkte? Der Film ist ein eindeutiger 10er Kandidat! Aber dafür muss man wohl mit ihm aufgewachsen sein… immer ihr Jungspunde! 😉

    • donpozuelo permalink*
      5. Januar 2011 13:53

      😀 Sorry. Auch wenn ich dem Charme der Effekte und allem anderen erlegen bin. Irgendwann zum Ende hin wurde mir dann doch bewusst, dass die Story eher sehr flach war. „Tron“ ist großartig, die 8 von 10 sollen daher nur dazu dienen, den Film auch skeptisch zu betrachten. Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder ein Fan von „Tron“ wird – was ja wohl jetzt durch „Tron: Legacy“ verändert werden soll.

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