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Rettet die Welt!

27. Dezember 2010

Habe ich eigentlich tatsächlich irgendwann mal behauptet, ich mag Vin Diesel nicht??? Sollte es tatsächlich? Ja, wohl wahr… aber bis jetzt sind alle Vin Diesel-Filme bei mir immer noch mit einem blauen Auge davongekommen: „Riddick“ war tatsächlich gar nicht so schlecht und „xXx – Triple X“ war schon wieder so schlecht, das er eigentlich ganz witzig war. In beiden Filmen ist es Vin Diesel, der verzweifelt versucht, seine Oberarme im Shirt zu halten, verzweifelt versucht, coole Einzeiler von sich zu geben und nebenbei die Welt zu retten. Irgendwie passte Vin Diesel in diese Film rein wie sonst kein anderer, aber so richtig mochte ich ihn trotzdem nicht.

Tja… bis jetzt. Da muss ein Franzose kommen und in Amerika einen Film mit Vin Diesel drehen, damit ich mir denke: „Mensch, so übel ist Vin Diesel ja eigentlich gar nicht.“ Der Franzose ist Mathieu Kassovitz und der Film heißt „Babylon A.D.“ und ist ein Beweis dafür, dass Hollywood eigentlich schon ein wenig traurig ist. Es muss erst ein Franzose kommen, um ihnen zu zeigen, wie man einen guten Sci-Fi-Action-Film macht.

Der gute Vin Diesel spielt den Schlepper Toroop (okay, an den Namen müssen wir noch arbeiten, die sind alle im Film einfach nur gruselig). Der wird vom Mafiaboss Gorsky (Gerard Depardieu mit russischem Akzent – WTF???) beauftragt, das junge Mädchen Aurora (Melanie Thierry) von Osteuropa nach New York bringen. Mit von der Partie ist Auroras Amme Schwester Rebecca (Michelle Yeoh) und ein paar Bösewichte, die aus anfangs unerfindlichen Gründen was von Aurora wollen.

Wer die wahre Geschichte von „Babylon A.D.“ verstehen will, der muss sich durch einen Berg von Gerüchten kämpfen. Gerüchte besagen zum Beispiel, dass es eine fast 70 Minuten längere Fassung gibt, dass die Produzenten Szenen einfach aus dem Skript strichen und Kassovitz das Leben zur Hölle machten. Wenn man den Gerüchten Glauben schenkt, dann hätte „Babylon A.D.“ wohl so etwas wie „Der Herr der Ringe“ für den Sci-Fi-Action-Film sein können. Doch leider ist daraus nichts geworden – trotzdem ist der Film ein äußerst sehenswerter Film. Auch dank Vin Diesel.

Die Rolle als miesgelaunter Söldner in einer noch mieseren Zukunft ist wie gemacht für Vin Diesel. In dieser Rolle geht er tatsächlich mal auf – hauptsächlich weil sie von ihm genau das verlangt, was er am besten kann: mies in die Kamera starren und möglichst wenig sagen. Kassovitzs Drehbuch funktioniert bis zu einem Punkt fast perfekt: Vin Diesel als knallharter Reiseführer in einem riesigen Flüchtlingsstrom. Immer wieder tauchen Schwierigkeiten auf, die der kahlgeschorene Mann mit einer Leichtigkeit aus dem Weg räumt, dass es schon fast unheimlich ist. Nichtsdestotrotz macht es Laune, Vin Diesel bei seinen Aktionen zu zu sehen. Er ist schnell und präzise – eine wunderbare Killermaschine.

Man merkt an vielen Stellen, dass dies kein gewöhnlicher Hollywood-Film ist. Ansonsten wären wohl Szenen wie die Erstürmung des U-Boots weniger krass ausgefallen. Aber an diesen Momenten hebt sich „Babylon A.D.“ auffallend von anderen seiner Klasse ab. Kassovitz scheut sich nicht davor, seinen Action-Film mit kritischen und krassen Untertönen zu unterlegen. Leider hört es damit bei der Ankunft in New York auf. Ab hier wird das Drehbuch etwas wirr – vor allem wegen irgendwelcher Sekten, die ein Wunder erschaffen wollen, um die Menschen an sich zu binden. Entweder hat Kassovitz hier geschlampt oder es waren tatsächlich die Produzenten, aber ab hier macht „Babylon A.D.“ wenig Sinn und noch weniger Spaß, sondern wird zu so einer Helden-Erlöser-Geschichte.

Vom schwachen, schwachen Finale mal abgesehen rockt „Babylon A.D.“ und ist der Beweis, dass Vin Diesel doch gar nicht so schlecht ist. Wenn das Drehbuch besser auf ihn abgestimmt ist, natürlich 😉

Wertung: 6 von 10 Punkten (cooler Sci-Fi-Kracher mit sehr schwachem Ende, aber einem überzeugenden Vin Diesel)

12 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    27. Dezember 2010 12:32

    Ich glaube, das war das Beste, was ich bislang über den Film gelesen habe. 😉

    • donpozuelo permalink*
      28. Dezember 2010 18:18

      Upps… echt??? Tja, was soll ich da leugnen. Irgendwie ist der Film schon in Ordnung.

  2. 27. Dezember 2010 15:57

    Glaube ich auch. Habe damals selbst nur 2 Punkte vergeben, denn mich konnte nicht einmal die Action überzeugen.

  3. luzifel permalink
    28. Dezember 2010 00:31

    Ich fand den Film bis auf das vermurkste Ende eigentlich ziemlich gut. Ich weiß noch, dass ich damals als ich aus dem Kino kam, gedacht habe, dass man den Film besser billiger vor Blue Screen gedreht hätte, statt an den echten Schauplätzen mit so wahnsinnig guter Kulisse, denn dann hätte man am Ende noch die Asche für mehr Minuten und damit ein besseres Ende der Geschichte über gehabt. Aber da soll es wohl irgendwelche Streitereien wegen der Finanzierung gegeben haben, also ist der Drops gelutscht und der halbfertig zusammen gestückelte Film kam in die Kinos.

    Mich jedenfalls hat der Artikel dazu animiert den Film mal wieder zu gucken ^^ Danach geb ich auch eine Wertung ab – aus dem Bauch heraus würde ich 5 bis 6 geben, aber ich schreib nochmal was wenn ich den Film nochmal gesehen habe ^^

    • donpozuelo permalink*
      28. Dezember 2010 18:20

      Ah, wenigstens ein Mensch, der mich bei diesem Film unterstützt 😉

      Na, dann schau ihn noch einmal und meld dich wieder.

  4. 28. Dezember 2010 21:47

    😀 oh weih, ich fand den damals auch ganz ganz furchtbar. Jetzt im TV ging das erste Drittel ein wenig, aber die Sektenstory ist doch so bäh.
    Aber gut, dafür gefiel mir Riddick nun wieder ziemlich gut und der kam ja praktisch genauso schlecht weg (bei der Allgemeinheit ;D)

    • donpozuelo permalink*
      29. Dezember 2010 18:13

      Ich sage ja, der erste Teil ist vollkommen in Ordnung. Die Sache mit der Sekte wird dann echt etwas merkwürdig.

      Riddick fand ich auch nicht schlecht, aber gut, dass ist die Sache mit Vin Diesel-Filmen, entweder man findet was gutes an ihnen oder nicht. 😉

  5. 31. Dezember 2010 13:37

    Ich finde Vin Diesel als Riddick ja perfekt besetzt, in Babylon A.D. gefällt er mir noch besser. Tja, das Ende ist wirklich Schrott, wenn auch visuell ganz schick (Straßenkampf in New York). Sollte Kassovitz wirklich eine 160 minütige Fassung geplant haben, schade drum. Denn die erste Hälfte hat so wahnsinnig viel Potential!

    • donpozuelo permalink*
      31. Dezember 2010 13:51

      Ja, noch einer, der gut zu Babylon A.D. steht 😀 Obwohl ich mich frage, wie episch ein Film mit Vin Diesel werden kann… lange Fassung hin oder her 🙂

  6. luzifel permalink
    2. Januar 2011 11:05

    Hab den Film jetzt nochmal geguckt und muss sagen, dass ich ihn eher geiler fand als im Kino damals. Die ganzen Kulissen wie abgefuckten Straßen mit den Märkten auf denen alles gehandelt wurde, der merkwürdige Club mit dem wirren Käfigkämpfer der dem Mädchen helfen wollte, das U-Boot und dann das goldene Amerika mit den Glasfassaden, der ganzen BlingBling-Werbung und einer Religionsgemeinschaft, deren Ziel die Selbstvermarktung ist..

    Das war ein wunderbares Setting in der Dark Future oder auch Cyberpunk.. Sicher ist das Ende ein klein bisschen verkorkst aber wenigstens hatte man den Anstand auf irgendein blödes Happyend zu verzichten ^^

    Ich würde 7 geben. Weniger nicht, da ich den Film in Optik und Story einfach zu geil fand. Mehr aber auch nicht, da das Ende dafür ein bisschen zu konfus war..

    Grüße

    • donpozuelo permalink*
      3. Januar 2011 07:12

      😀 Habe ich mir ja fast gedacht. 😉 Aber ich finde, du hast Recht – „Babylon A.D.“ hat schon so seinen gewissen Charme. Aber das Ende macht doch wahnsinnig viel kaputt.

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