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Habe Hunger! Brauche Blut!

20. Dezember 2010

Vampirfilme gibt es nun wirklich wie Sand am Meer. Und irgendwie ist mit der Zeit viel Mist über unsere Blutsauger-Freunde im Umlauf. Da klingt es doch mal ganz interessant, wenn sich zwei Brüder mit einer neuen Idee im Vampir-Genre versuchen.

Im Film „Daybreakers“ der Brüder Michael und Peter Spierig hat sich der Großteil der Weltbevölkerung in Vampire verwandelt. Einziger Hinweis, wie es zu dieser Katastrophe kam, sind vereinzelte Bemerkungen über irgendein Virus oder eine Seuche. Vampire beherrschen nun den Alltag, der Tagesrythmus wird einfach verschoben und wer doch am Tag unterwegs sein möchte, für den gibt es unterirdische Tunnel und Autos, mit verdeckten Scheiben und Kameras für die Außenansicht. Es ist fast ein normales Leben, wenn da nicht dieser Hunger nach Menschenblut wäre. Und so werden die letzten Menschen gejagt, an „Melkmaschinen“ angeschlossen und das Blut an die Bevölkerung verkauft. Leider schwindet die Zahl der Menschen, viele Vampire leiden unter Blutmangel und verwandeln sich dadurch langsam in unzurechnungsfähige Monster. Um dies zu verhindern, forscht der Vampir Edward Dalton (Ethan Hawke) an einem Blutersatz. Während sein Chef Charles Bromley (Sam Neill) und sein Bruder Frankie gegen Kunstblut und für echtes Menschenblut sind, verweigert Edward das Trinken von Blut vollkommen. Als er schließlich auf Audrey (Claudia Karvan), eine menschliche Überlebende trifft, schöpft er neue Hoffnung: Denn bei ihr ist Lionel (Willem Dafoe) – er war einmal ein Vampir und ist es jetzt nicht mehr…

„Daybreakers“ klingt interessant und fängt auch genauso an: Wir erleben Vampire, die sich wie eine ganz normale Gesellschaft verhalten. Sie gehen zur Arbeit, sie kaufen ein wenig Blut am Imbiss für den Weg nach Hause, sie leben in geschützten Häusern und fahren Autos. Sie sind eigentlich total normal – wenn da nicht diese blöde Gier nach Blut wäre. Die Brüder Spierig gelingt es anfangs noch sehr gut, diese neue Gesellschaft mit all ihren Problemen zu zeigen. Mit den so genannten Subsiders – den Vampiren, die durch Blutmangel zu Monstern werden – gibt es eine furchterregende Bedrohung in den eigenen Reihen: Vampire jagen Vampire. Die Vampire in „Daybreakers“ stecken in einer ernsthaften Krise und brauchen dringend eine Lösung. Diese Grundprämisse klingt äußerst viel versprechend, aber leider gelingt es den Spierig-Brüdern nicht, diese Versprechen auch einzulösen.

Irgendwie entwickelt sich „Daybreakers“ nach der ersten Begegnung zwischen Edward und Audrey ziemlich schnell. Reichlich lieblos werden Handlungsequenzen aneinander gerreiht und Figuren wie der Ex-Vampir Lionel, Edwards Kollege oder die noch menschliche Tochter von Edwards Boss bleiben blasse Nebenfiguren. Ethan Hawke tut sich nicht sonderlich schwer mit der Darstellung seines Edwards. Er behält einfach die ganze Zeit so einen leichten Dackelblick bei, der uns irgendwie signalisieren soll: Das hier ist kein richtiger Vampir, sondern ein Menschenfreund, ein Vampir mit starken Zweifeln an seiner Existenz. Anfangs wusste ich gar nicht, dass Willem Dafoe auch in diesem Film mitspielt und war dementsprechend hellauf begeistert, als er sich dann zeigt. Aber selbst der gute Dafoe kann sich in „Daybreakers“ nicht richtig austoben.

Dafür toben sich die Spierig-Brüder irgendwann richtig aus: Der Film bleibt lange Zeit relativ still. Edward reist mit den Menschen umher, wird dabei aber immer wieder von seinem Bruder und der Armee verfolgt. Während dieser Verfolgungsjagd entdeckt Edward, wie er wieder zum Mensch werden kann. Doch als er dieses Geheimnis an seinen Kollegen weiterreichen will, wird er betrogen, Audrey entführt und Edward muss sich seinen Gegnern stellen. Ab hier versinkt „Daybreakers“ für die letzten fünfzehn Minuten förmlich in Blut und Gewalt. Natürlich nicht ganz ohne Grund (ich will nicht spoilern, aber es gibt tatsächlich einen Grund für die Gewalt), trotzdem wirkt das Ganze im Vergleich zum relativ entspannenden Rest des Films ziemlich krass.

Ich muss gestehen, dass ich mir während des gesamten Films irgendwie gewünscht hätte, man hätte „Daybreakers“ mehr als Komödie aufgezogen. Vielleicht nicht als richtig trashige Komödie, aber zumindest mit dem ein oder anderen zynischen Witz. Aber „Daybreakers“ nimmt sich sehr ernst, bleibt aber trotz seiner guten Grundidee mittelmäßig und leider nur wenig spannend. Für einen Film, in dem es irgendwann um Verfolgungen geht, finden die Verfolger ihre Beute komischerweise immer ziemlich schnell. Richtig Action bekommen wir dann aber auch nicht, sondern werden nur schnell abgespeist, damit die Geschichte weiter gehen kann. Meiner Meinung nach, versuchen die Spierig-Brüder zu viel, bauen zu viel in ihr kleines Filmchen und vergessen dabei vor allem die Figuren.

„Daybreakers“ hat Ambitionen, erfüllt sie aber nicht. „Daybreakers“ möchte anspruchsvolle Unterhaltung sein, ist dafür aber nicht anspruchsvoll genug, sondern verliert sich in zu vielen Aktionen, die allesamt eher durchschnittlich sind.

Wertung: 5 von 10 Punkten (coole Idee – mühsam und langweilig umgesetzt, vielleicht kann ein Remake es reißen oder ein anderer Film mit ähnlicher Grundlage)

9 Kommentare leave one →
  1. 20. Dezember 2010 08:13

    Empfand ich ähnlich. Zu Beginn interessant und dann stark nachlassend. Aber ein paar ziemlich ziemlich schicke und cool gedrehte Szenen hat er, dass muss man ihm lassen.

    • donpozuelo permalink*
      20. Dezember 2010 13:12

      Das hast du Recht! Vom Look her sind viele Szene echt gut gemacht. Auch die blutgetränkten Szenen am Ende sind an und für sich gut, nur wirkten sie für „Daysbreakers“ fehl am Platze.

  2. 20. Dezember 2010 18:12

    Och, so schlecht fand ich ihn nicht, konnte ihn aber auch im Kino sehen (warum Du nicht?).
    Der Streifen war doch Top besetzt und hatte eine tolle sterile Stimmung. Na, vielleicht gucke ich ihn irgendwann ein zweites Mal und sehe, ob er mir dann noch immer so gut gefällt.

    • donpozuelo permalink*
      20. Dezember 2010 22:35

      Der Film ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Top besetzt ist der Film zwar schon, aber die Schauspieler kommen einfach nicht richtig in Fahrt. Ich meine, Sam Neill – ich mag den Typen – und in dieser fiesen Rolle hätte der echt mehr leisten können. Genauso wie Willem Dafoe.

      Die sterile Stimmung ist wirklich toll, sowohl optisch als auch von der Geschichte her, aber steril bleibt auch alles andere. Es kommt irgendwie keine richtige Spannung auf. Was echt schade ist.

  3. 20. Dezember 2010 19:39

    Fand ihn sogar noch schlechter, der ist durch und durch langweilig 😉

    • donpozuelo permalink*
      20. Dezember 2010 22:36

      Er ist wirklich langweilig, aber ich versuche ja immer positiv zu sein. von daher gab es allein für die grundidee einen kleinen sonderbonus 😉 – auch wenn da nichts draus gemacht wurde.

  4. 27. Dezember 2010 12:36

    Tja, was soll man sagen? Großartige Grundidee, welche im Laufe des Films aber völlig verloren geht. Spannung gen Null, wer nun stirbt und wer überlebt war auch ziemlich früh ersichtlich und wie du schon sagtest, bleiben die Figuren bestenfalls zweidimensional.

    Der Grund für das extrem blutige Ende war zwar eine interessante Lösung und ließ wieder die gute Grundidee vermuten, passte aber einfach bis dahin nicht mehr in den Film.

    • donpozuelo permalink*
      28. Dezember 2010 18:17

      Japp!!! Genauso sieht’s aus!!! Ich dachte anfangs auch, dass die Lösung interessant wird, aber irgendwie wurde sie blöd in die Handlung eingebunden. Was eine totale Verschwendung der eigentlichen Idee ist.

Trackbacks

  1. Ei oder Henne? | Going To The Movies

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