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Handgemacht!

17. Dezember 2010

Dieser Film ist ein Film mit Geschichte – einer Geschichte, die man irgendwie halbwegs kennen sollte, damit man den ganzen Film mit anderen Augen betrachtet und möglicherweise erkennt, warum er so hochgelobt wird.

„Monsters“ heißt dieser Film und ist das Debüt von Gareth Edwards. Der hat sich zusammen mit seinen zwei Hauptdarstellern, einem Ton-Menschen, einem Script-Schreiber, einem Dolmetscher und einem Fahrer in einen Mini-Bus gequetscht  und ist kreuz und quer durch Zentral-Amerika gefahren, um seinen Film zu drehen. Die meisten Nebendarsteller im Film wurden während des Drehs angesprochen, damit sie spontan mitspielten – wodurch Edwards eigentliche Dialog-Skripte spontan umgeändert werden mussten. Die anschließende Postproduktion übernahm Edwards selbst – in seinem Schlafzimmer am Rechner mit den handelsüblichen Programmen wie Adobe After Effects und Co. Alles an „Monsters“ ist reinste Handarbeit – Low-Budget-Arbeit vom Feinsten.

Fotograf Andrew (Scoot McNairy) befindet sich in Mexiko, als er den Auftrag bekommt, Sam (Withney Able), die Tochter seines Verlegers zurück in die USA zu bringen. Hört sich nach einer einfachen Aufgabe an, doch es gibt da ein klitzekleines Problem: Sechs Jahre zuvor stürzte über Nordmexiko eine NASA-Sonde ab, die außerirdisches Leben transportierte. Diese Lebensformen kamen beim Absturz frei und so wurde aus dem Gebiet die „Infizierte Zone“, die abgesperrt wurde, um die riesigen Monster daran zu hindern, die Welt zu erobern. Und durch genau diese Zone müssen Andrew und Sam (allerdings auch nur, weil er sich die Pässe hat klauen lassen).

Den Satz hat man über „Monsters“ schon tausendmal mittlerweile gelesen: Der Film fängt da an, wo andere Monsterfilme aufhören. Aber „Monsters“ als eine Art Prä-Monster-Ära-Film zu bezeichnen, wäre ein wenig vermessen. Eher ist es ein Road-Movie mit Liebesgeschichte in einem Katastrophen-Gebiet. Dementsprechend sieht man weniger Monsterviecher als man erwarten könnte (vielleicht lag es aber auch nur daran, dass die Viecher für Edwards zu schwer zu erschaffen waren, weswegen er nur wenige von ihnen zeigt 😉 ).

Scoot McNairy und Withney Able wirken als Andrew und Sam durchaus überzeugend. Er meint, er hätte schon alles gesehen, macht ein wenig auf Macho und muss nachher brav den Schwanz einknicken, als wegen ihm die Pässe verschwunden sind. Sie scheint mit fast träumerischer Naivität durch den Film zu schweben und ist immer erstaunlich gefasst, gekreischt wird bei ihr fast nie. In diesem Sinne wirken die Schauspieler zwar überzeugend, aber ihre Figuren nicht so richtig. Gerade was die Beziehung zwischen Sam und Andrew betrifft, hat die Story einige unerklärbare Hänger. Wie sich beispielsweise die Liebesgeschichte entwickelt, ist mir nach wie vor unerklärlich. Es gibt nur wenige Momente, die darauf hindeuten, dass sich da was anbahnen könnte – für eine plausible Liebesgeschichte passiert zu wenig zwischen den beiden. Als Road-Movie funktioniert „Monsters“ dann schon etwas besser: Sam und Andrew reisen mit dem Boot, mit dem Auto und irgendwann zu Fuß durch eine gefährliche Landschaft. Von Mexiko bis an die Grenze der USA – mitten hindurch durch die „Infizierte Zone“, die durch eine riesige Mauer vor den USA abgeschirmt wird (ob da etwaige Wunschträume Edwards mit hinein spielen???). Die beiden Reisenden treffen auf viele Menschen, einiges Chaos, einige Tote… aber Moment mal… wo bleiben denn eigentlich die Monster???

Für eine Reise durch die „Infizierte Zone“ begegnen wir sehr, sehr wenigen Viechern. Wenn sie dann aber mal auftauchen, dann sind die – für so einen Low-Budget-Film – zwar nicht originell (Kraken-Viecher, die leuchten), aber dafür immer ganz gut in Szene gesetzt. Man sieht nie wirklich viel, aber genug (nur am Ende lässt sich Edwards zu einer recht merkwürdigen Begegnung von zwei Monstern hinreißen, die dann aber schon wieder zu albern wirkt). Zwischendurch setzt Edwards seine Monster nur sehr vorsichtig, aber an gut plazierten Stellen ein. Es wird deutlich, es geht ihm weniger um die Viecher als um die beiden Menschen, die mit dieser Situation klarkommen müssen.

Man sollte nicht zu viel von „Monsters“ erwarten – es ist immerhin nur ein Low-Budget-Debüt-Film. Dafür ist er dann aber sehr gelungen. Beim Thema Aliens und Debüt-Film muss ich irgendwie immer an Peter Jacksons „Bad Taste“ denken. Und im Vergleich dazu ist „Monsters“ wirklich gut. Mir hat er an sich sogar besser gefallen als „District 9“: Edwards bleibt seiner Geschichte treu, erzählt die Handlung stringent und ohne viel Firlefanz. Die Effekte sind – den Umständen entsprechend – gut gelungen und wirkungsvoll genug eingesetzt. Nur das Ende, was eigentlich der Anfang des Films ist, Bei einem Budget von angeblich nur 15.000 Dollar schreit dieser Film doch förmlich: „Seht her! So einfach ist es einen Film mit Monstern zu machen. Lasst einfach die Monster weg!“

Wertung: 8 von 10 Punkten (als Debüt-Film großartig trotz einiger Story-hänger, als normaler Monsterfilm sind es einfach zu wenig Monster und als Liebesgeschichte funktioniert der Film gar nicht richtig – auch wenn die Hauptdarsteller danach geheiratet haben)

8 Kommentare leave one →
  1. 17. Dezember 2010 07:59

    Interessant. Ich lese überall was anderes. Auch wenn deine Review, wie das meistens der Fall ist, am vernünftigsten klingt.

    Würde ich in einer zivilisierten Region der Erde leben, hätte ich den vielleicht auch schon gesehen und könnte meinen Senf dazugeben.

    Jedenfalls habe ich schon auf vielen „Nicht-Film-Blogs“ Reviews dazu gelesen die allesamt vernichtend waren. Wobei ich aber immer das Gefühl hatte, das dem jeweiligen Autor das Hintergrundwissen fehlte um ihn fair zu bewerten.

    • donpozuelo permalink*
      17. Dezember 2010 11:25

      Natürlich kann man den Film vollkommen zerreißen, aber das wäre zu einfach. Immerhin reden wir tatsächlich von einem weitgehend von einer einzigen Person gedrehten Film. Edwards hat ja so gut wie alles gemacht. Und dafür ist der Film schon gut gemacht.

      Als Debüt und Low-Budget-Film hebt sich „Monsters“ doch deutlich von anderen Filmen ab. Da kann man einige Story-Schwächen durchaus verschmerzen.

  2. 20. Dezember 2010 18:08

    Für mich hat der Film ja nicht funktioniert. Das lag vielleicht auch an der Promotion und meinen Erwartungen. Klar, ganz toll mit so wenig Leuten und Geld einen Film zu drehen, aber Titel und Inhalt gehen einfach nicht zusammen. Was die beiden Protagonisten anging, fand ich es schon ganz schön unglaubwürdig sich in diesen Deppen zu verlieben, aber gut 😆
    Meine großzügige Punktevergabe war seinerzeit auch nur dem zugegeben sympathischen Regisseur und seinen Ausführungen geschuldet. Die Effekte waren doch ein Lacher, aber auch da stehe ich wohl ganz alleine ^.^
    Ich liebe Filme, die so polarisieren!

    • donpozuelo permalink*
      20. Dezember 2010 22:26

      Naja, die Liebesbeziehung ist tatsächlich etwas weit hergeholt, aber hey… wer weiß, was so passiert, wenn man mit einem Deppen vor Monstern fliehen muss. 😉

      So schlimm fand ich die Effekte jetzt auch nicht, aber gut, das liegt bei mir daran, dass ich sie mir schön rede. Immerhin hatte der gute Mann ja nicht so viele Mittel zur Verfügung.

      Ja, dieser Film polarisiert wirklich, aber so soll es ja auch sein. Man kann ja schließlich nicht immer einer Meinung sein. 🙂

  3. 20. Dezember 2010 19:47

    Nach dem Text hab ich irgendwie nicht mit 8/10 Punkten gerechnet irgendwie ^^

    ,,nur am Ende lässt sich Edwards zu einer recht merkwürdigen Begegnung von zwei Monstern hinreißen, die dann aber schon wieder zu albern wirkt“

    Keinesfalls, das war doch gerade eine sehr wichtige Szene! Quasi die erste Szene wo man die Monster wirklich sieht und dann ist das auch ein Liebespaar. Das zeigt doch gerade die Natur dieser Monster, dass sie eigentlich harmlos sind. Das Wort ,,Monster“ selbst ist halt negativ konnotiert, aber im Endeffekt ist es nur ein Wort, man legt darin Bedeutungen und dennoch kann es jeder sein, nicht nur Krakenwesen.

    Das mit der Liebesgeschichte find ich auch, dass sie nicht wirklich funktioniert. Deshalb hab ich ihm auch keine allzu hohe Wertung gegeben, obwohl ich es gern getan hätte. Da hätte mehr kommen müssen, um die beiden Figuren zu verstehen. Dennoch empfand ich die Zurschaustellung der beiden einfach wunderbar, das Ende ist wirklich auf seine Art schön, wenn auch mit zu wenig Hintergrund behaftet.

    Die Schauspieler haben danach geheiratet? Oha 😀

  4. donpozuelo permalink*
    20. Dezember 2010 22:31

    Naja, dass mit den Monstern wird ja auch schon früher ein bisschen relativiert: Eigentlich doch schon mit der Art und Weise, wie sie auf die Erde kommen. Notgedrungen! Und sie breiten sich ja auch nicht weiter aus. Sie bleiben immer in dieser einen Zone. Von daher habe ich die „Monster“ von anfang an nicht wirklich als Monster-Monster gesehen. Da fand ich diese Liebespaar-Szene tatsächlich etwas merkwürdig, auch wenn sie durchaus ihren Sinn hat – das gebe ich gern zu.

    Die Liebesgeschichte hat im Film nicht funktioniert, dafür aber im wahren Leben. Ist doch schön, dass es irgendwie gefunkt hat 😉 besser wäre es zwar gewesen, wenn es auch noch auf der Leinwand geklappt hätte. Aber man kann ja nicht alles haben 😉 (wahrscheinlich waren sie auch einfach ein wenig nervös… war ja scheinbar auch viel zu improvisieren)

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