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Das Weihnachtswunder vom Nakatomi Plaza

8. Dezember 2010

Wer sagt eigentlich, dass Weihnachtsfilme immer ruhig und besinnlich sein müssen? Wäre es nicht eigentlich der ultimative Clou einen richtigen, krassen Weihnachtsfilm zu machen, bei dem die Leute irgendwann vergessen, dass es sich eigentlich um Weihnachten handelt? Ich finde schon… und wenn wir uns genau erinnern, gibt es einen harten Weihnachtsengel, der mit einem liebevollen „Yippee-ki-yay, motherfucker!“ weihnachtliche Freude verbreitet. Zugegeben, die deutsche Übersetzung von „Motherfucker“ in „Schweinebacke“ lässt das Ganze etwas freundlicher klingen, bleibt aber dem Kernpunkt der Aussage treu.

Und somit wären – wie jedes Jahr – beim Thema „Mein Weihnachtsfilm des Jahres“ angekommen. Im letzten Jahr habe ich es sehr besinnlich gemacht und den alten Klassiker „It’s a wonderful life“ rausgekramt. Ich gucke den immer noch gerne, aber mit „Stirb Langsam“ haben wir doch einen Film, der – wie jeder andere Weihnachtsfilm – auf die besinnliche Weihnachtszeit einstimmt.

Auch wenn sich jetzt beim Lesen wahrscheinlich bei einigen die Stirn runzeln wird, finde ich „Stirb Langsam“ sowohl als Action- als auch als Weihnachtsfilm mehr als nur gelungen.

Warum „Stirb Langsam“ als Action-Film so gut funktioniert, muss ich ja wohl keinem mehr erzählen: Bruce Willis ist der geborene Einzelkämpfer gegen das Böse – glaubhaft, verletzlich und irgendwie stinknormal. Dazu ordentliches Kugelgewitter und ein paar Explosionen – perfekt. Dazu zwei witzige Sidekicks – fertig ist der klassische Action-Film.

Warum „Stirb Langsam“ aber auch als Weihnachtsfilm einfach erste Sahne ist, ist einem vielleicht nicht sofort bewusst. Daher kommt hier mein bescheidener Versuch der Aufklärung ;):

John McClane gibt selbstlos!

John McClane fliegt trotz Flugangst nach L.A., um seine Frau zu besuchen. John McClane begibt sich ohne zu zögern in Gefahr, um andere zu retten. John McClane läuft sogar ohne zu zögern, barfuss über Glasscherben. Dieser Mann ist selbstlos wie sonst niemand und würde wohl auch noch sein Unterhemd für einen Bedürftigen Opfern.

John McClane bringt Frieden und Geborgenheit!

Ein Mann gegen zahlreiche Terroristen. In bester Charles Bronson-Manier killt sich John McClane durch die Reihen westdeutscher Terroristen (in der deutschen Synchronisation werden es Terroristen aus Europa – was da wohl schief gelaufen ist???) und steht am Ende als Sieger da. Es herrscht also schnell wieder Frieden im Nakatomi Plaza. (Somit wäre hier theoretisch auch gleich noch ein kleines Wunder vollbracht: immerhin kämpft ein kleiner Cop gegen zähe Terroristen.)

John McClane steht für Familie und Freundschaft!

John McClane ist ein Familienmensch. Auch wenn seine Frau das nicht ganz einsehen will, ist John für die Familie da. Er will, dass sie zu Weihnachten zusammen sind, also bekommt er es hin, dass sie zu Weihnachten zusammen sind. Auch wenn dafür erst ein paar Menschen sterben müssen. Und: John McClane weiß auch, dass Freundschaft wichtig ist. Die Richtigen dazu hat er dann auch schnell in Form seines Fahrers Argyle und des Polizisten Powell gefunden. Beide stehen dann auch wieder für das Christliche an Weihnachten: Selbstlos anderen zur Seite stehen. Argyle bietet John eine Bleibe an, während Powell John in jeder schwierigen Lage zur Seite steht.

Wie man sehen kann, steht „Stirb Langsam“ trotz seines Actiongehalts für alle weihnachtlichen Werte ein: es geht um Liebe und Vergebung, Friede und Freude. Alle, die sich daran nicht halten – also der böse Hans Gruber und seine Ganoven – erleben ihr blaues Wunder. „Stirb langsam“ bietet uns all das – und zwar ohne dabei auf die Tränendrüse zu drücken. Im Gegenteil, „Stirb Langsam“ ist – teils gewollt, teils ungewollt – auch sehr komisch. Gewollt in Bezug auf diesen herrlich ironischen Bruce Willis und seine Einzeiler, ungewollt in Bezug auf die ach so deutschen Terroristen, die im Original nicht viel mehr außer „Mach schnell!“ und irgendwelches Kauderwelsch von sich geben.

Bei all der Freude, die man beim Gucken von „Stirb Langsam“ hat, möchte man gar nicht daran denken, dass Schauspieler wie Richard Gere (zu fein für die Rolle), Arnold Schwarzenegger (zu Arnie für die Rolle) oder gar Mel Gibson (zu Mel Gibson für die Rolle) Bruce Willis (perfekt für die Rolle) vorgezogen wurden. Am Ende war Bruce Willis aber doch John McClane – eine gute Entscheidung. Der Mann bringt es immerhin fertig, auch in einem Unterhemd noch einen verdammt guten Weihnachtsfrieden-Verteidiger zu geben.

Fassen wir also zusammen:

„Stirb Langsam“ ist Weihnachten pur. Regisseur John McTiernan hat den perfekten Weihnachtsfilm für Männer geschaffen. John McClane ist ein verschrobener Weihnachtsengel, der Kippen raucht und böse Buben zurechtweist: „Yippee-ki-yay, motherfucker! It’s Christmas!“ In diesem Sinne: Frohes Fest!!!

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein Klassiker des Action-Kinos und ein „besinnlicher“ Weihnachtsfilm – was will man mehr?)

 

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40 Kommentare leave one →
  1. 8. Dezember 2010 08:21

    Yippie kay ey, Schweinebacke! 😀

  2. 8. Dezember 2010 09:08

    Sehr cool. Netter Beitrag. 🙂

    Mit Weihnachts-Action assoziiere ich aber eher „The Long Kiss Goodnight“. Auch immer wieder eine willkommene Abwechslung zu den Kacki-Weihnachtsfilmen im Fernseher.

    • 8. Dezember 2010 09:51

      @Damian: Oder eben John Frankenheimers „Reindeer Games“, der eine ähnliche Stimmung aufweist, wie „The Long Kiss Goodnight“.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2010 11:22

      @ damian: Ja schon, aber „The Long Kiss Goodnight“ ist so offensichtlich Weihnachtsaction – allein schon der deutsche Titel „Tödliche Weihnachten“ sagt ja viel. „Die Hard“ hat da seine weihnachtliche Geschichte weniger offensichtlich 😉

      @bullion: „Reindeer Games“ kenn ich gar nicht, schreckt mich aber durch Ben Affleck schon ein wenig ab.

  3. 8. Dezember 2010 18:10

    Ich habe John McClane nie als Weihnachtsfrieden-Bringer gesehen, aber deine Argumentation ist ziemlich überzeugend. 🙂
    Heilig Abend werde ich die DVD wieder einlegen und mit einem der coolsten Bösewichtdarstellern und dem besten Unterhemdträger der Welt mir selbst ein Geschenk machen;-)

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2010 19:25

      Ob John McClane nun einer für die ganze Familie ist, kann ich nicht sagen 😉 also vielleicht lieber warten, bis alle anderen im Bett sind oder auf meinen Artikel verweisen, damit die Argumentation für „Stirb Langsam“ als Weihnachtsfilm funktioniert 😉

  4. Dr. Borstel permalink
    8. Dezember 2010 20:02

    Sehr schön! Mein Weihnachtsfilm schlechthin ist und bleibt aber „In Bruges“. 😀

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2010 21:18

      Danke, danke, aber Moment – *am kopf kratz* – „In bruges“ als weihnachtsfilm? Ich habe den doch gerade erst geguckt. Sollte mir Weihnachten in „Brügge“ entgangen sein???

  5. 9. Dezember 2010 10:38

    Wenn man es so betrachtet – stimmt, „Stirb langsam“ ist wirklich der ultimative Weihnachtsfilm!=)

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2010 17:05

      Naja, ob es DER ultimative Weihnachtsfilm ist… er gehört auf jeden Fall zu den TOP-Weihnachtsfilmen.

  6. 12. Dezember 2010 22:05

    Ganz genau, mit Die Hard ist man stimmungsmäßig immer auf der richtigen Seite 😀
    Außerdem läuft im Film einer der besten Weihnachtssongs aller Zeiten: Run DMCs „Christmas in Hollis“ !

    • donpozuelo permalink*
      13. Dezember 2010 07:23

      Stimmt, das fehlt bei mir noch: der kultige Christmas-Soundtrack. 😀

  7. 4. Dezember 2011 20:43

    Okay, okay, das hast du schon sehr schlüssig hergeleitet. Dagegen lässt sich kaum argumentieren 😉 Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als „Stirb langsam“ von nun an als Weihnachtsfilm anzusehen. Apropos ansehen: Der könnte langsam mal wieder im Fernsehen kommen. Oder ich wünsche mir die DVD zu Weihnachten, würde doch passen.

    • donpozuelo permalink*
      5. Dezember 2011 08:57

      Der kommt eigentlich fast jedes Jahr immer um die Festtage. Aber die DVD im Schrank ist natürlich nie verkehrt.

  8. 2. Dezember 2012 22:30

    Auch wenn ich an Weihnachten arbeiten muss, bringe ich diesen Film irgendwie schon noch rein. Das muss einfach sein!

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2012 06:59

      😀 Aber sowas von!!! Einfach einer der besten Filme überhaupt!

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