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Roadtrip

6. Dezember 2010

Wer einen Horror-Film macht, hat meiner Meinung nach nur zwei Möglichkeiten: Entweder wenig Story und viel Blut (quasi Horror auf der Leinwand) oder mehr Story und weniger Blut (also Horror im Kopf). Jede Möglichkeit hat ihre Vor- und Nachteile und es gibt in jeder Kategorie würdige Vertreter.

Wer einen Endzeit-Thriller dreht, hat auch nur wenige Möglichkeiten: Im Endeffekt geht es doch immer darum, eine Gruppe Menschen in einer ziemlich zerrütteten Welt zu zeigen.

Die spanische Brüder Alex und David Pastor haben sich 2009 nun gedacht: Vermischen wir mal beides miteinander und kreieren einen Endzeit-Horror-Thriller namens „Carriers“. Zumindest hatte ich gedacht, es wäre eine Endzeit-Horror-Thriller. Aber es ist kein Endzeit-Horror-Thriller. Es fehlen sowohl Endzeit als auch Horror. Und Thrill will schon mal so gar nicht aufkommen. Dabei bietet die Geschichte einige Möglichkeiten:

Wir befinden uns in einem fast menschenleeren Amerika, dessen Bevölkerung durch ein tötliches Virus getötet worden ist. Und bevor ihr fragt: Nein, die Toten stehen nicht wieder auf – sie verwesen und das war’s dann. Horror ist damit theoretisch schon mal vom Tisch. In diesem einsamen Amerika treffen wir auf die zwei Brüder Brian und Danny, die zusammen mit Brians Freundin Bobby und deren Freundin Kate auf dem Weg an die Westküste sind, weil die Brüder da ja so eine schöne Kindheit hatten. Auf dem Weg nach Westen handeln die vier nach ihren eigens aufgestellten Regeln, um sich vor der Infektion zu schützen.

„Carriers“ ist das Geld nicht wert mit dem er gemacht worden ist, denn der Film kann sich einfach nicht entscheiden, was er denn nun sein möchte. Fiese Zombies fallen weg, knallharter Überlebenskampf nach „The Book of Eli“ oder „The Road“ fallen auch weg, selbst mögliche romantische Endzeit-Geschichten (wir reden schließlich von zwei Frauen und zwei Männern) fallen weg. Alles, was bleibt, ist der verzweifelte Versuch der Pastor-Brüder eine Art Psycho-Mainstream-Arthouse-Film aus „Carriers“ zu machen. Und das obwohl sich Mainstream und Arthouse ja schon von vornherein eigentlich ausschließen sollten.

Mainstream bleibt die Geschichte allein schon wegen der Konstellation: vier halbwegs hübsche Menschen kämpfen um ihr Überleben. Mit dabei sind der neue Kirk Chris Pine und Coyote Ugly-Bardame Piper Perabo. Aber ob nun bekannt oder eher weniger bekannt, die Schauspieler schaffen es durch die Reihe weg nicht, in diesem Film wirklich zu überzeugen. Was aber auch daran liegen mag, dass man diesem Film seine Endzeit-Situation nicht abnimmt: Die Vier fahren bei schönstem Wetter über meist leere Landstraßen und kommen nur hin und wieder durch eine leere Stadt. Wenn man es nicht besser wüßte, würde man sich denken: Naja gut, es ist ein Roadtrip gen Westen. Nicht mehr und nicht weniger. Dem Film fehlt das Gefühl von Endzeit, irgendwas, was den Zuschauer spüren lässt, es geht mit allem zu Ende. Aber weder optisch (wie bei den schon genannten beiden Beispielen) noch von der Geschichte wird das Endzeit-Szenario richtig getragen. Die Suche nach Benzin ist das einzige, was hin und wieder auf die Seele der vier Reisenden drückt. Aber an Essen und Trinken scheint es nie zu mangeln, und die Bedrohung von irgendwelchen plündernden Gangs gibt es auch kaum – genau genommen nur einmal: dann versucht der Film in einem dunklen alten Hotel auch ein wenig Horror-Spannung aufkommen zu lassen, scheitert aber kläglich.

Schlimmer wird es dann wirklich nur noch (ja, es geht noch schlimmer) bei den Pseudo-Arthouse-Szenen. Dann geht es nämlich plötzlich um Themen der Menschlichkeit. Die große Debatte des Films ist dann immer: Nehmen wir einen Infizierten mit oder nicht? Die Regeln sagen ganz klar: „Nein!“. Die Tatsache, dass jeder Infizierte sowieso bald tot ist und eine Gefahr für andere ist, spricht auch eine klare Sprache. Aber wenn es dann um ein kleines Mädchen oder die eigene Geliebte handelt, wird das natürlich schon schwierig, eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Aber weil schon alles andere in diesem Film nicht richtig funktioniert, funktionieren diese moralischen Fragen noch weniger. Sie wirken aufgesetzt – wie ein verzweifelter Versuch, Dramatik in ein undramatisches Stück Film zu bringen, der von Anfang nicht zu fesseln weiß.

Wertung: 2 von 10 Punkten (hier passiert rein gar nichts, Langeweile zur Endzeit – da würde ich lieber mit einem Infizierten kuscheln als diesen Film noch einmal zu sehen)

9 Kommentare leave one →
  1. 6. Dezember 2010 08:24

    Ich fand ihn optisch ziemlich cool. Gerade weil er immer so schönwetterisch ist. Eine willkommene Abwechslung zu all den andere filterüberladenen, grauen oder sepiafarbenen Endzeit-Dingern.

    Ansonsten passiert in der Tat nicht viel.

    Aber Piper Perabo finde ich hawt as hell. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      6. Dezember 2010 13:53

      Echt? Ich fand ihn auch optisch nicht so herausragend. Anfangs dachte ich zwar noch, es wäre eine nette, innovative Idee, dass alles irgendwie doch nicht nach Weltuntergang aussieht… aber dann diese Pseudo-Moral-Geschichten dazwischen und sonst nur Langeweile haben das alles sehr schnell kaputt gemacht…

  2. luzifel permalink
    6. Dezember 2010 09:54

    Hab grad was gefunden:
    http://de.wikipedia.org/wiki/The_Walking_Dead_%28Fernsehserie%29

    Bei der Serie The Walking Dead ist das Wetter auch toll, aber dafür stimmt die Zombie-Survival-Horror-Stimmung mit den kleinen menschlichen Fragen, die sich stellen bestens.. Kann ich nur empfehlen ^^ (ich guck natürlich im OTon und nicht auf Vox)

    Grüße, Luzifel..

    • donpozuelo permalink*
      6. Dezember 2010 13:55

      Fox, nicht Vox! Oder läuft die Serie schon im Free-TV??? Was ich aber nicht glaube.

      Ja, „The Walking Dead“ steht bei mir schon auf dem Programm, seit der gute Dr. Borstel es mal vorgestellt hat. Da bin ich auch schon richtig heiß drauf… ganz im Gegensatz zu „Carriers“, die ja aber auch nichts mit Zombies zu tun haben (was ich anfangs ja noch dachte).

      • luzifel permalink
        6. Dezember 2010 16:40

        irre.. tatsächlich.. es gibt in Deutschland einen FOX-Channel.. Ne, dann doch kein Free-TV in Deutschland ^^

        • donpozuelo permalink*
          6. Dezember 2010 19:31

          Na siehste… haben wir doch noch wieder was gelernt heute 😉

  3. 6. Dezember 2010 21:28

    :-)) fandest ihn noch schlechter als ich! Einer der schwächsten Eröffnungsfilme des FFF, hat mich auch durchweg enttäuscht.

    • donpozuelo permalink*
      7. Dezember 2010 10:59

      Wie bitte??? Das war ein Eröffnungsfilm fürs FFF??? Da hätte ich ja Angst bekommen, in weitere Filme zu gehen. So ein schwacher Film als Eröffnung lässt auf nicht viel gutes hoffen. (Ist gruseliger als der Film an sich 😉 )

  4. 7. Dezember 2010 20:27

    Stimmt, war aber so. Sogar erst 2009 😀

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