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Der Unsterbliche

3. Dezember 2010

Wenn jemand nach 22 Kugeln noch am Leben ist, denn darf man wohl ruhig als unsterblich bezeichnen. Wenn er dann auch noch alle weiteren Versuche, ihn umzubringen, überlebt, dann festigt er diesen Ruf. Wenn er sich schließlich auch noch auf einen Rachefeldzug begibt, dann kann man den „Unsterblichen“ sehr gut verstehen. Wenn der „Unsterbliche“ von Jean Reno gespielt wird, klingt das Ganze nach einem brauchbaren Gangsterfilm.

Charly Mattei hat eigentlich schon lange mit seinem Leben als Mafia-Pate von Marseille abgeschlossen. Aber wie so oft in diesem „Beruf“ hat die Vergangenheit noch lange nicht mit ihm abgeschlossen – und so wird Charly in einem Parkhaus von den titelgebenden 22 Kugeln getroffen. Aber Charly überlebt, findet raus, wer Schuld an dieser Tat ist und nimmt Rache.

Aber Jean Reno wäre nicht Jean Reno, wenn es sich bei „22 Bullets“ um den üblichen Rache-Thriller handeln würde. Der Film von Richard Berry fängt krass an, nimmt sich dann aber die Zeit seine Hauptfigur genauer auszuleuchten. Nach 22 Kugeln darf es erlaubt sein, sein Leben Revüe passieren zu lassen. Das hilft dem Zuschauer, die Figur besser kennen zu lernen, und es hilft der Figur, die Übeltäter zu finden.

Es tut gut, Jean Reno nach seinen zig Komödien und üblen Ausrutschern wie „Pink Panther“ mal wieder in einer richtigen Rolle zu sehen. Eine Rolle, die Reno auch voll auszufüllen weiß: Er ist nicht einfach nur Ex-Mafiosi und eiskalter Killer (immer eine Kugel in den Kopf und eine ins Herz), sondern er ist auch ein Mann der Ehre und der Familie. Jean Reno ist der Gangster, dem man vertrauen kann. Aber wie so vielen „ehrenhaften“ Bösewichtern gibt es die in seinem näheren Umfeld, die einfach noch ein bisschen böser sein wollen. Einer von ihnen ist Charlys langjähriger Freund Zacchia, der von Kad Merad gespielt wird. Und wer den Film „Willkommen bei den Sch’tis“ kennt, denn mag es anfangs etwas verwundern, den französischen Komiker in einer ernsten und fiesen Rolle zu sehen. Aber trotz seiner komischen Vorgeschichte gibt Merad einen herrlich fiesen Gegenspieler zu Reno. Schnell wird klar, dass die zwei unterschiedlicher nicht sein können. Reno spielt ruhig und gefasst, seine Miene verzieht sich kaum – alles, was ihm wichtig ist, will er beschützen. Merad dagegen hat mehr schauspielerischen Raum, um sich etwas auszutoben: Mal cholerisch, mal sehr liebenswert, dann wieder der gnadenlose Todbringer und seine Untergebenen. Merad spielt all das mit einer Leichtigkeit, als hätte er es schon seit Ewigkeiten getan.

Mit diesem doch eher ungleichen Paar stehen sich zwei Gegensätze in „22 Bullets“ gegenüber, die sich einfach nur bekriegen müssen, die aber auch wunderbar auf der Leinwand funktionieren.

„22 Bullets“ ist vorhersehbar, aber sehbar! Ist aber eigentlich auch verständlich – immerhin kann man beim Rache-Thriller nicht viel neu machen. Erst langsam kommt der Film in Fahrt – nach dem Schockmoment des Attentats wird der Rachefeldzug langsam, aber sicher vorbereitet. Aber „22 Bullets“ zeigt auch ganz klar, dass Rache ein zweischneidiges Schwert ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen des Genres bekommt Charly jede seiner Taten auch fast sofort wieder zurück – und so gibt es auf beiden Seiten Opfer, Verletzte und Tote.

Der Film ist eine gelungene Mischung aus Mafia- und Rache-Film, die aber vielleicht nicht jeden Geschmack treffen wird. Den Film beherrscht hin und wieder eine Trägheit, die für einen Rachefilm eher ungewöhnlich ist. Auch nimmt sich Regisseur Berry zwar viel Zeit für den Zwist zwischen Reno und Merad, alle anderen Nebenfiguren bleiben aber grau und äußerst oberflächlich. In einer Geschichte, die dann auch nur recht dürftig ist, hängt damit dann alles von Merad und Reno ab. Aber wie schon gesagt, Reno macht seine Rolle gut.

„22 Bullets“ hat seine Höhen und Tiefen, vielleicht ein paar zu viele Tiefen, aber die umschifft Berry dank Reno ganz gut. In jedem Fall ist der gewillte Jean Reno-Fan hier bestens aufgehoben, alle anderen sollten dann doch lieber bei „Leon – Der Profi“ bleiben… zu dem nach diesem Film dann aber auch alle Fans wieder übergehen werden.

Wertung: 5 von 10 Punkten (guter Reno in mieser Story rettet zwar einiges, aber nicht alles und macht auch noch lange keinen ausragenden Film)

10 Kommentare leave one →
  1. 3. Dezember 2010 08:22

    Klingt gut. Wird gelugt.

  2. Dr. Borstel permalink
    3. Dezember 2010 21:13

    Frau Flinkwert hatte dafür eine 10/10 übrig. Ich denke, ich werde den wohl eher ignorieren. Zumindest bis DVD-Release.

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2010 22:21

      Eine 10 von 10??? Wow, wie verschieden doch die Meinungen sein können. Also volle Punktzahl hat der Film meiner Meinung nach nicht verdient. Da wäre ein bisschen mehr Originalität Pflicht gewesen…

  3. 3. Dezember 2010 22:19

    Meine Wertung kennst Du ja, obwohl ich da noch ein Pünktchen mehr rausgedrückt hatte.
    Mir war die Story auch zu schwach und zu unlogisch, aber Jean Reno – hach 🙂

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2010 22:22

      😀 Wieso schmachten nur alle diesem alten Mann nach??? Ich hoffe, wenn ich so alt bin wie er kann ich das von mir auch sagen 😉

      Aber die Story schwächelt tatsächlich an vielen Stellen. Aber gut, es ist der gute Jean… und dem verzeihen wir das gern.

      • 3. Dezember 2010 22:29

        Na schmachten ist zu viel gesagt, ich sehe ihn einfach unheimlich gerne, weil er wirklich ein guter Schauspieler ist. Er hat mir sogar in Godzilla gefallen :))

        • donpozuelo permalink*
          3. Dezember 2010 22:43

          Ja, in Godzilla fand ich ihn auch gut.

  4. 3. Dezember 2010 23:47

    Hab ich nur nebenbei von gehört, ist das ein Sleeperhit? ^^
    oder ein unbekanntest Juwel? Naja, auch wenn es anscheinend anständige Wertungen erhalten hat, Jean Reno ist nicht gerade ein Grund mir den Film direkt anschauen zu wollen 😀

    • donpozuelo permalink*
      4. Dezember 2010 19:16

      Was ist denn ein Sleeperhit??? Ein unbekanntes Juwel ist der Film auf jeden Fall nicht unbedingt, aber wenn es ihn auf DVD gibt, kann man ihn sich ruhig anschauen. Fürs Kino war es eindeutig nicht so richtig gut…

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