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Etain und die sieben Römer

26. November 2010

Die Zeit der Römer-Filmchen ist wieder einmal vorbei. Erlebten wir mit „Gladiator“ das Wiedererwachen, so ging es danach doch relativ schnell wieder bergab. Ob „Troja“ oder „Alexander“ – irgendwie konnten diese Filme nicht so sehr fesseln wie noch „Gladiator“ Sowohl „Troja“ als auch „Alexander“ waren für meinen Geschmack etwas zu episch angelegt und konnte die Größe ihrer Geschichte bzw. Hauptfigur nicht halten.

Und in diesem schon fast wieder toten Genre versucht sich nun auch „The Descent“-Regisseur Neil Marshall. Statt Monster und dunkle Höllen gibt es jetzt als Römer gegen Pikten und die weiten Schottlands. Mit „Centurio“ verarbeitet Marshall das nie aufgeklärte Schicksal der neunten Legion, die irgendwann gegen Ende des 1. Jahrhunderts untergegangen ist.

Unter der Führung von General Titus Flavius Virilus (Dominic West) zieht die neunte Legion in den Kampf, um die Stämme der Pikten zu unterjochen. Um diese Naturvölker zu finden, verlässt sich Flavius auf die Überläuferin Etain („Bond“-Girl Olga Kurylenko). Bevor die neunte Legion die Pikten erreicht, passieren zwei Dinge: der Zenturio Quintus Dias (Michael Fassbender), der der Gefangenschaft der Pikten entfliehen konnte, stößt auf die Legion. Kurz danach gerät die aber in einen Hinterhalt – dank der guten Etain. Aus 3000 Männern werden ziemlich schnell nur noch sieben Überlebende, die sich aufmachen, den gefangengenommen General zu befreien. Und als das nicht gelingt, werden die sieben brutal von Etain und ihrem Gefolge gejagt.

Nach der Monsterjagd kommt nun also die Römerjagd – was mich von Anfang eher skeptisch gestimmt hat. Wie kann jemand, der sich auf guten Horror spezialisiert hat, plötzlich Geschichtslehrer werden??? Aber gut, Marshall wird weniger zum Lehrer als zum Geschichtenerzähler: Faktisch gab es zwar die Neunte Legion, was mit ihr passierte, ist aber unklar. Und da setzt Marshall an und denkt sich seinen eigenen Teil zum Schicksal der römischen Soldaten. Was also ein fiktives Historien-Action-Spektakel werden sollte, wurde weder Historie noch Spektakel. Bleibt also nur noch die Action übrig. Und selbst die ist so naja… Aber gehen wir alles in Ruhe durch:

Historie: Wie schon gesagt, es beruht auf ein wenig Wahrheit und viel Fantasie. Aber die ist mit Marshall irgendwie durchgegangen. 3000 Männer werden innerhalb von ein paar Minuten von einer kleinen Gruppe Pikten erst in einen Hinterhalt gelockt und anschließend abgeschlachtet. Klingt ein wenig übertrieben, aber gut… sowas soll ja hin und wieder mal vorkommen. Ansonsten erinnert nur noch die Errichtung des Hadrianswall, der befestigten Grenze zwischen Schottland und England, kurz zum Schluss noch mal daran, dass wir hier ja Märchen mit einem Schuss Wahrheit sehen.

Spektakel: Ein Spektakel ist „Centurio“ schon mal gar nicht. Der Film ist weniger episch als seine Vorgänger, was ich anfangs nicht unbedingt als negativen Punkt betrachtet habe. Marshall will das knallharte Soldatenleben zeigen und das ist nun einmal nichts Schönes. Aber trotzdem geht dem ganzen Film ziemlich schnell die Puste aus. Wir reden hier schließlich von einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen der herrlich fiesen Etain und den kleinen Römern. Aber Spannung will einfach nicht aufkommen und irgendwann fragt man sich nur: Wenn diese Etain so toll ist, wie sie dargestellt wird, warum braucht sie dann so lange, um die sieben Soldaten zu finden und zu töten? Das einzig Spektakuläre an diesem Film ist die Kulisse – das kalte, eisige Schottland. Aber tolle Naturbilder allein tragen keinen Film.

Action: Was Marshall gut kann, das kann er dann auch zeigen: Wo Marshall an Story und Charaktertiefe spart, spart er doch nicht an blutigen Szenen. Und so wird ordentlich Kunstblut vergossen. Die Kampfszenen von „Centurio“ sind knallhart und ohne Gnade – weder für die Kämpfenden noch für uns Zuschauer. Aber das war’s dann auch schon wieder mit der Action.

Was „Centurio“ einfach nicht schafft, ist die Entwicklung von Spannung.  Die Figuren sind unausgereift und flach. Michael Fassbender gibt sich zwar die aller größte Mühe, schafft es aber nicht als Hauptfigur zu glänzen. Am ehesten gelingt das noch Olga Kurylenko, die als stumme Jägerin eine perfekte Femme fatal abgibt.

Insgesamt gesehen hätte „Centurio“ ein durchaus guter Film werden können, wenn man sich etwas mehr auf die Geschichte konzentriert hätte. Aber was geschichtsbasierte Verfolgungsjagden angeht, bleibe ich dann doch lieber bei Mel Gibsons „Apocalypto“. Da hat das Ganze wenigstens funktioniert.

Wertung: 4 von 10 Punkten (morituri te salutant, centurio – und mit Totgeweihten sind in diesem Fall die Zuschauer gemeint, die sich zu Tode langweilen werden, bei einem Film, der hätte besser sein können)

14 Kommentare leave one →
  1. 26. November 2010 09:48

    Oha, klingt nicht so gut. Dabei wollte ich mir den auch noch zulegen, zumal mir Marshalls vorhergehende Werke, insbesondere „The Descent“, ziemlich gut gefallen haben.

    • donpozuelo permalink*
      26. November 2010 10:14

      Nur wegen „The Descent“ habe ich diesem Film eine Chance gegeben. Ich war ja eigentlich von Anfang eher skeptisch, und leider hat sich diese Skepsis für mich bewahrheitet.

  2. 26. November 2010 19:12

    Also die Splatter-Szenen fand ich super. Und die Landschaften wahnsinnig schön. Aber ansonsten kann man den Film eigentlich schnell wieder vergessen. Aber prinzipiell mag ich es ja, wenn Regisseure solch ‚krasse‘ Genre-Sprünge machen, wie dies Marshall tut.

    • donpozuelo permalink*
      26. November 2010 21:31

      Ja, Splatter war schon in Ordnung und Schottland an sich ist ein wunderschönes Land und ich befürworte ja auch immer wieder die Experimentierfreudigkeit von Regisseuren. Nur dann muss sie auch funktionieren. Bei manchen klappt’s, bei anderen nicht… Marshall gehört zur zweiten Gruppe. Kann man nur hoffen, dass er sich wieder „The Descent“-ähnlichen Sachen widmet.

  3. 28. November 2010 15:32

    Gott, war der Film schlecht. Die Figuren waren einem sowas von egal, die Sprüche einfach nur peinlich und überhaupt der größte Historien-Fantasy-Stuss seit Jahren. Ich habe ja kein Problem damit, wenn sich ein Film auf die Action beschränkt, aber nicht mal das bekommt er hin. Die Niederlage der 9ten Legion ist eine einzige Aneinanderreihung von Kopf-ab-Szenen und wirkt einfach nur abartig, krank und surreal. Die Römer waren vieles, aber keine Zombies: ein einfacher Körpertreffer reicht auch schon zum Ausschalten.

    Was ich am peinlichsten fand, waren die Bluteffekte da Videospiele aus den 90ern realistischere hatten. Vollkommen inkorrekt spritzendes Blut, welches heller als Ketchup ist, kann man heutzutage einfach nicht mehr bringen.

    • donpozuelo permalink*
      28. November 2010 20:36

      Stimmt, jetzt wo du es sagst, fällt es mir wieder ein: Das Blut sah wirklich absolut unecht aus. Aber irgendwann war es sooft da, dass es mich schon nicht mehr gestört hat.

      „Centurio“ können wir wohl unter lausig verbuchen – und als Beweis dafür, dass ein Film sich nicht durch „Kopf-Ab“-Szenen hält.

  4. 30. November 2010 13:21

    Japp, Centurio hat mich ebenfalls enttäuscht. Ich hatte mich auf einen netten King Arthur-Klon vor schöner Kulisse gefreut, aber irgendwie liefs dann doch wieder nur auf 08/15-Story und -Figuren und stupides Gemetzel hinaus. Ach, und auf pathetische Sprüche. Aber die gehören wohl spätestens seit 300 zu jedem antiken Schlachtfest 😉

    • donpozuelo permalink*
      30. November 2010 17:31

      Willkommen 🙂

      Naja, „King Arthur“ fand ich jetzt auch nicht so berauschend, aber immer noch sehr viel besser als „Centurio“. Aber dann… irgendwo ist alles ein bisschen besser als dieses Römer-Spektakel.

  5. 3. Dezember 2010 22:07

    Mir hatte er gefallen, allerdings konnte ich ihn auch im Kino sehen. Auf DVD fand ich, dass er ganz schön verloren hat, aber das ist ja ein bekanntes Phänomen.
    Von den historischen Blödsinnigkeiten abgesehen (da stimmte ja praktisch nichts so wirklich), kam er doch ganz authentisch rüber, sofern man es einer weiblichen Schauspielerin zumuten kann ohne Mascara auszukommen ;D
    Das Blut sah nicht unechter aus als in 300 und liegt doch an der Sättigung der Farben im Film. Aber das sehen wir wohl unterschiedlich ^.^
    Und – Etain hat Quintus Dias doch immer recht schnell gefunden, mit GPS und Peilsender ginge das heute auch nicht flotter :-))
    Insgesamt war das für eine Fußverfolgung schon ziemlich realistisch. Menschen können nicht ewig rennen, aber Apocalypto habe ich auch nicht gesehen (werde ich wahrscheinlich auch nie).

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2010 22:19

      Warum nur diese Abneigung gegen Apocalypto??? Ist es etwa wegen Mel Gibson??? 😉 (Der Film ist wirklich nicht schlecht.)

      Was die Geschichte mit dem Blut und den Vergleich zu „300“ angeht, kann ich dir nicht ganz folgen: „300“ hat doch von vornherein diesen Comic-Look gehabt, da fand ich die Bluteffekte ganz in Ordnung. „Centurio“ wollte realistisch sein, dreckig und hart… da hat künstlich nachbearbeitetes Blut irgendwie nicht so gut ausgesehen.

      • 3. Dezember 2010 22:27

        Ne fand ich nicht, dass der realistisch aussehen sollte. Die Kostüme waren sehr authentisch das Bild war aber: Farbe raus und Sättigung hoch. Somit bekam der Film einen ganz kühlen Look.
        Und, stimmt, ich kann Mel Gibson nicht ausstehen und seine religiöse Verdrehtheit auch nicht. Aber vielleicht läuft mir der Film ja mal in der Bücherei über den Weg – ich bin ja nicht so ;D

        • donpozuelo permalink*
          3. Dezember 2010 22:46

          Ich bin ja nach Gibsons ganzen Ausrastern auch kein großer fan mehr. Und nach „Passion Christi“ war ja sowieso eigentlich alles vorbei. Aber „Apocalypto“ fand ich echt nicht schlecht.

          Der Look von „Centurio“ war schon echt gut der kalten, grauen Umgebung angepasst… aber wie heißt es so schön: Es muss alles irgendwie zusammen passen. Hat bei mir halt einfach nicht gefunkt 😉

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