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Braves Hündchen

15. November 2010

Martial Arts-Filme haben in den meisten Fällen immer ein Problem: Entweder die Story ist ziemlich mau oder die Fights sind es. Gerade so Handkanten-Spektakel wie „Revenge of the Warrior“ stehen zwar für großartige Action und Kampf-Szenen, aber die Story ist dann doch eher… naja… zu vernachlässigen. Hauptsache, es knallt ordentlich, es gibt viele gebrochene Knochen und üble Stunts.

Ein Film, der für mich zu den persönlichen Favoriten im Genre des Martial Art gehört, ist zweifelsohne Louis Leterriers „Unleashed“. Leterrier hat ja schon mit „Transporter“ und „Transporter 2“ bewiesen, dass er Action gekonnt und spannungsgeladen in Szene setzen kann. Aber auch hier ist die Story eher 08-15-Gedöhns, bei dem es eher um die Action als um irgendwas anderes geht. Was natürlich nicht unbedingt negativ zu bewerten ist – Statham rockt schon als Transporter. Aber im Fall „Unleashed“ holt sich Leterrier ein paar vielversprechende Namen an Bord: Luc Besson schrieb das Drehbuch, Jet Li spielt die Hauptrolle, Bob Hoskins (Englands Antwort auf Danny DeVito) den überaus bösen Bösewicht und Morgan Freeman spielt die „blinde“ Gerechtigkeit.

„Unleashed“ stellt den Beweis, dass Pawlow mit seinem Hundchen schon immer recht hatte: Langes und intensives Training sorgen für gute Erfolge. Und so hat sich Gangsterboss Bart (Hoskins) sich seinen eigenen Bluthund herangezüchtet: Danny (Jet Li). Sobald er ihm sein Halsband abnimmt, geht der ohne zu zögern, auf alle Gegner los, die sein „Herrchen“ ihm vorsetzt. Das Erfolgsrezept Danny funktioniert einwandfrei, bis zu dem Tag, an dem sich einige Opfer böse rächen. Bei einem Autounfall kann Danny fliehen und kommt bei dem blinden Klavierstimmer Sam (Morgen Freeman) und seiner Stieftochter Victoria (Kerry Condon) unter. Hier lernt Danny, ein eigenständiger Mensch zu werden… wenn da nicht Bart wäre, der das kleine Attentat überlebt hat und voller Sorge um sein Hündchen ist.

Leterrier gelingt mit „Unleashed“ der nicht unbedingt leichte Spagat zwischen Drama und Martial-Arts-Gekloppe. Das liegt vor allem an dem durchweg gut konstruierten Drehbuch von Besson: Erst werden Danny und seine Welt vorgestellt, irgendwann dann kommt er in diese fremde Welt, die voller Musik, Eiskrem und netten Menschen ist. Wie ein kleines Kind muss Danny lernen, sich normal zu benehmen. In dieser britisch-französischen Produktion braucht Jet Li eigentlich kaum groß etwas zu tun und es wirkt trotzdem authentisch: Er spricht kaum ein Wort, guckt immer mit dem gleichen treu-doofen Dackelblick (wie passend) in die Kamera und bewegt sich tapsig wie ein Hundewelpe durch dieses neue Leben. Endlich kann man Jet Li auch mal lachen sehen, was sonst in seinen Filmen ja eher seltener ist. Im Duett mit dem großartigen Morgan Freeman wird Jet Lis Schauspielkunst echt sehr, sehr überzeugend. Fast genauso überzeugend wie seine Kampfkunst. Und hier setzt dann auch wieder Bessons tolles Drehbuch einen Wendepunkt ein: zu viel Glück ist Danny dann doch nicht gewährt und irgendwann findet sein Herrchen ihn wieder – und Danny muss wieder kämpfen. Jetzt aber mit Widerwillen und dem dringenden Wunsch, zu seiner neuen Familie zurückzukehren.

Was nun folgt, ist erst einmal ein krasser Schnitt in der Story: Von Friede, Freude, Eierkuchen geht Leterrier wieder zu knallharten Fights über. Und hier kann Li wieder zeigen, wofür er wirklich berühmt ist: Unter den „Transporter“-geschulten Augen von Leterrier und seinem Team lässt Jet Li kampftechnisch die Sau raus. Fiese Gegner und vor allem zahlreiche Gegner treffen auf die kleine Kampfmaschine, der beweist, dass man sich selbst in der Enge eines Klos noch ganz gut verteidigen kann.

„Unleashed“ ist wirklich ein klasse Film: klasse Story, klasse Fights, klasse Jet Li, klasse Morgen Freeman. Oberklasse ist da nur noch Bob Hoskins als herrlich fieses Arschloch. Mit diesem Film bringt Leterrier aber auch gleich noch ein wunderbares Statement rüber: Es ist nicht das Tier, das gefährlich ist, sondern immer sein Herrchen. Oder war es: Ein in die Enge getriebenes Tier beißt immer doppelt so heftig zurück. Oder doch eher: Liebe und Musik besiegen alles. Mmmhh, keine Ahnung, welches davon passender ist. Müsst ihr dann doch selbst für euch entscheiden.

Wertung: 9 von 10 Punkten (großartiger Action-Kracher mit sanften Momenten und einem tatsächlich überzeugendem Jet Li)

13 Kommentare leave one →
  1. 15. November 2010 12:53

    Fand ich auch recht unterhaltsam. Hat in seinen besten Momenten an „Léon – Der Profi“ erinnert. Habe dem damals glaube ich 7 Punkte gegeben nach der Sneak.

    • donpozuelo permalink*
      15. November 2010 14:54

      Mmh… an „Leon – Der Profi“ habe ich gar nicht gedacht. Wäre dann ja aber ein umgedrehter „Leon“, ein „Noel“ 😉 – vom Killer zum Menschen, statt vom Menschen zum Killer.

      • 15. November 2010 15:28

        Léon wurde im Laufe des Films durch Mathilda auch erst richtig zum Menschen, insofern… 😉

        • donpozuelo permalink*
          15. November 2010 15:34

          Achso, ja so kann man es auch sehen. Ich habe es jetzt mehr aus der Sicht von Mathilda betrachtet…

  2. 16. November 2010 08:08

    Jo, gefiel mir auch sehr gut. Besonders Hoskins. War allerdings beim Lesen ein bisschen irritiert. Denn auf der DVD die ich damals hatte stand Danny the Dog. Was dann wohl der Original-Titel ist.

    • donpozuelo permalink*
      16. November 2010 11:15

      Willkommen. 🙂

      Es gibt wohl zwei Titel: Während „Danny The Dog“ mehr so eine Art Arbeitstitel war, hat sich „Unleashed“ als eigentlicher Titel jetzt mehr oder weniger durchgesetzt. Man findet aber beides immer wieder.

  3. 16. November 2010 22:41

    Hört sich ja gut an. Es gibt einfach viel zu viel Filme, da schlüpfen mir doch immer welche durch die Finger ;-D
    Bob Hoskins ist ganz großartig. Auch wenn er viele komödiantische Rollen hatte, würde ich ihn eher ins ernste Charakterfach einordnen und er ist so ganz anders als Danny DeVito, viel tougher.

    • donpozuelo permalink*
      16. November 2010 23:55

      Na klar, da gibt’s gar keine Widerrede. Ich finde die einzig gute DeVito-Rolle war sein Pinguin in Batman. Alles andere ist mir entgangen. Hoskins hat da vielmehr Charakter.

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