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Gestöhne einer schwarzen Schlange

8. November 2010

Jetzt mal im Ernst, Sexsucht sollte niemand unterschätzen. Immerhin waren schon so „prominente“ Menschen wie Charlie Sheen oder David Duchovny wegen ihrer Krankheit in Therapie. Wenn ich sowas lese, stelle ich mir nur zwei Fragen: 1) Wie wirkt sich denn diese Sexsucht aus? Laufen die den ganzen lieben Tag mit einer Latte durch die Gegend und wollen alles vögeln, was da nur so herumläuft? Und 2) Wie genau sieht denn eigentlich so eine Therapie für Sexsüchtige aus?

Wie wäre es da zum Beispiel damit: Man nehme den oder die Süchtige, kette ihn oder sie an eine alte Heizung? Ob das bei Duchovny und Sheen auch so gemacht wurde, weiß ich nicht. Was ich aber sagen kann: Diese Methode hat Erfolg. Zumindest wenn Samuel L. Jackson sie an Christina Ricci in „Black Snake Moan“ ausprobiert. Hier spielt Jackson den Einsiedler Lazarus, der eines Tages die halbnackte und zusammengeschlagene Rae (Ricci) vor seiner Ausfahrt findet. Er nimmt sie auf und heilt sie, doch während Rae noch im Fiebertraum liegt, erfährt Lazarus mehr über sie: Rae ist so etwas wie die Dorfschlampe, die aufgrund ihrer Sexsucht so ziemlich jeden ranlässt. Für den streng gläubigen Lazarus, der selbst seine Frau an einen Nebenbuhler verloren hat, steht fest: Er muss Rae von ihren bösen Geistern befreien. Auf seine ganz eigene Weise: mit Eisenkette und Blues.

Regisseur Craig Brewer hat sich mit „Black Snake Moan“ eine sehr krasse Geschichte ausgedacht, die man sich am besten zweimal anschaut, bevor man sich wirklich ein Urteil bildet. Denn ich muss sagen, erst beim zweiten Mal kann man sich diesen Film erst so richtig anschauen. Beim ersten Mal wusste ich nicht, ob ich ausschalten oder weitergucken sollte. Die Story ist wirklich einfach abgedreht. Dazu kommt, dass es nicht unbedingt die beste Rolle von Christina Ricci ist. Bis auf die Tatsache, dass sie den ganzen Film über halbnackt durchs Bild läuft, bleibt nicht viel von ihrer sexsüchtigen Rae in Erinnerung. (Ähnlich unspektakulär ist auf die kurze Performance von Justin Timberlake.)

Was den Film aber tatsächlich sehenswert macht, sind zwei Dinge: Samuel L. Jackson und die Musik. Jackson lebt den leicht durchgeknallten Lazarus, der mit seinen eigenen Dämonen (Alkohol, den Betrug seiner Frau) zu kämpfen hat und sich gleichzeitig als Retter für Rae etablieren will. Es ist nicht so, dass Lazarus das für Rae tut, vielmehr tut er es für sich selbst. Mit der Therapie, die er sich für Rae ausdenkt, findet er auch einen Weg, sich selbst zu helfen. Samuel L. Jackson bringt das überzeugend rüber: diese Doppeldeutigkeit in den Handlungen von Lazarus – er ist zornig, wütend, traurig, angeschlagen, verzweifelt. Und so finden sich in „Black Snake Moan“ zwei geschlagene Seelen, die sich gegenseitig brauchen – auch wenn Rae das erst gar nicht einsehen will.

Aber schließlich gibt es neben Lazarus‘ zwingender Persönlichkeit auch noch den Zauber der Musik. Dieser Südstaaten-Blues-Soundtrack ist einfach göttlich, weil mit der Musik eine zweite Ebene in den Film kommt. Und die verdeutlicht viel stärker als jedes Bild, was in Lazarus vorgeht. Ganz nebenbei zeigt Samuel L. Jackson auch seine Gesangstalente, die sich durchaus hören lässt:

Also was sagen wir nun zu „Black Snake Moan“: Dieser Film ist ein verloren gegangenes Filmjuwel. Mag wohl daran liegen, dass die Filmplakate mit einer in Ketten gelegten Christina Ricci mehr an diese Folterfilmchen a la „Hostel“ und Co. erinnerten. Das wird „Black Snake Moan“ natürlich in keinster Weise gerecht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (dieser Film wird von Samuel L. Jackson und der Musik getragen – hört sich zwar nach wenig an, reicht in diesem Fall aber bestens aus. Jackson hat einfach den Blues!!!)

7 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    8. November 2010 17:45

    Die DVD liegt hier seit ungefähr einem halben Jahr rum. Maaaaaal schauen … 😉

    • donpozuelo permalink*
      8. November 2010 18:38

      Dann schnell ran an den Speck. Wenn dir der Film halbwegs gefällt, prophezeie ich, dass der Soundtrack auch bald bei dir landet. 😉

  2. 8. November 2010 22:03

    Hm, fand ich ja damals, als er ins Kino kam, nicht sehr interessant, aber wenn der hier doch so gut bewertet wird, sollte ich meine Augen mal aufhalten.

    • donpozuelo permalink*
      9. November 2010 12:49

      wie gesagt, beim ersten Mal war ich auch nicht vollkommen überzeugt von dem Film. Aber mit der Zeit lernt man dieses doch etwas skurrile Machwerk zu schätzen. 😉

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