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Die Frau fürs Leben

3. November 2010

Die liebe Liebe und die ewige Suche nach ihr. Was wäre unser Leben einfach und eintönig zu gleich, wenn es mit der Liebe immer sofort klappen würde? Das ewige Suchen treibt den Liebenden voran – immer in der Hoffnung irgendwann die traute Zweisamkeit genießen zu können.

Traute Zweisamkeit scheint sich auch Lars (Ryan Gosling) zu wünschen – und dafür geht der Einsiedler, der in der Garage seines Bruders wohnt, einen heute nicht mehr allzu ungewöhnlichen Weg: Er wendet sich ans Internet und sucht hier nach der Frau fürs Leben. Und wie es so schön in Filmen funktioniert, findet er sich auch: Bianca ist Missionarin, hat brasilianische und dänische Wurzeln und spricht leider kaum ein Wort Englisch und ist an einen Rollstuhl gefesselt. Für Lars alles kein Problem, für seinen Bruder und den Rest der Stadt aber irgendwie schon. Nicht das Bianca eine Internetbekanntschaft ist, nein, das ginge noch. Viel schwerwiegender ist das winzig-kleine Problemchen, dass Bianca zu hundert Prozent aus Gummi besteht und eigentlich gar kein Mensch, sondern nur eine anatomisch korrekte und lebensechte Sexpuppe ist. Die Hausärztin Dagmar (Patricia Clarkson), die irgendwann mal auch was mit Psychologie zu tun hatte, erklärt, dass Lars an einer Wahnvorstellung leidet. Die ganze Stadt ist nun verpflichtet mit zu spielen und Bianca als echte Person anzuerkennen, denn nur so könne Lars bestimmte Dinge aus seiner Vergangenheit aufarbeiten.

Das Ganze hört sich im ersten Augenblick nach einer ziemlich abgefahrenen Geschichte an, und ich war mich auch nicht ganz so sicher, wie man einen Film über die Beziehung zu einer Gummipuppe machen kann. Vor allem ohne dabei alberne Witze unterhalb der Gürtellinie zu machen. Dazu sollte man vielleicht sagen, dass Bianca zwar eine Sexpuppe ist, Lars sie aber nie als solche betrachtet. Immerhin ist sie Missionarin. Die Beziehung zwischen Lars und Bianca bewegt sich holperig, aber dennoch bringt Bianca Lars in Kontakt mit anderen Menschen.

Auch wenn die Menschen der kleinen Stadt anfangs nicht wirklich etwas mit Lars und Bianca anfangen können, nehmen sie ihre Sache ernst und behandeln Bianca wie eine echte Person: sie gehen mit ihr aus, sie machen sie zur Märchentante im Kindergarten (Kassettenrekordern sei Dank) und sie kümmern sich um Kleidung oder Frisur.

„Lars und die Frauen“ macht alles richtig, wo viel hätte falsch laufen können. Es ist liebenswürdiger Film, der sowohl seine komischen als auch seine tragischen Momente hat. Man vergisst fast, dass Bianca gar keine echte Frau ist, wird sie doch in den Augen von Lars und unter der Anteilnahme der Kleinstädter zu einem richtigen Mitglied der Gesellschaft. Man kann lachen und weinen bei diesem Film und vieles davon verdankt der Film Ryan Gosling, der den schüchternen, verwirrten Lars perfekt spielt. Lars ist so herzergreifend unschuldig, dass man es ihm abnimmt, wenn er Bianca für echt hält. Gleichzeitig leidet man aber auch mit ihm. Es gibt so viel um ihn herum, dass er gar nicht richtig wahrnimmt – vor allem die realen Menschen, die sich um ihn sorgen und ihn lieben. Dafür wird dann auch die Ordnung des kleinbürgerlichen Lebens gerne auf den Kopf gestellt.

Mit „Lars und die Frauen“ hat Craig Gillespie eine sehr sanfte, liebevolle Außenseiter-Komödie in sehr, sehr ruhigen Bildern gedreht. Lars’ Odyssee durch die Wirren dieser Welt ist eine Odyssee, die sowohl Lars als auch seinen Mitmenschen weiterhilft. Und am Ende sitzen auch wir als Zuschauer vor dem Fernseher und freuen uns, dass Gillespie hier einen Film über wahre Liebe gedreht hat – und die muss nicht immer nur von der Frau fürs Leben kommen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein Film mit einer Gummi-Puppe und trotzdem bleibt alles höchst anständig – man möchte es fast nicht glauben, aber dieser Film ist wirklich großartig: lustig, traurig und bewegend zugleich)

6 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    3. November 2010 14:42

    Habe ich schon hier, steht aber noch aus. Man hört ja viel Gutes, auch wenn mich die Story nicht so reizt. Trotzdem, werde den mal nachholen.

    • donpozuelo permalink*
      3. November 2010 15:47

      Ich muss zugeben, der stand auch schon länger bei mir rum und irgendwie habe ich mich auch nicht dran getraut.

      Wenn man so über die DVD-Rückseite liest, könnte man halt echt eine ziemlich schlechte Geschichte erwarten. Dafür wird man dann aber umso mehr überrascht – positiv natürlich. 🙂

  2. 3. November 2010 17:08

    Der Trailer hat ja auch eher eine Komödie vermuten lassen, dabei gibt es nicht viel zu lachen während der Laufzeit. Dass der Film so ernst bleibt und nicht ein einziges Mal unfreiwillig komisch wirkt, ist schon eine riesige Leistung. Werde demnächst auch meine (ausführliche) Meinung dazu schreiben.

    • donpozuelo permalink*
      4. November 2010 11:01

      Naja, ich finde der Film wird erst zum Ende hin ernst, vor allem dann, wenn Lars mitbekommt, dass Bianca mehr mit anderen Sachen beschäftigt ist als mit ihm.

      Aber davor gibt es schon genug Momente, die den Titel Komödie rechtfertigen. Muss ja nicht immer heißen, dass es von Anfang bis Ende super komisch ist. Man soll ja auch was dabei lernen 😉

  3. 3. November 2010 21:43

    Lustig, der liegt auch schon geraume Zeit bei mir auf Halde. Hatte schon einmal überlegt ihn einzulegen, dann aber doch was anderes geguckt. Muss ich wohl mal nachholen 😀

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