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Ab in die Hölle!

25. Oktober 2010

Was ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten??? Klassischerweise müsste man ja jetzt sagen: Eine gerade Linie. Damit wäre jeder Mathe-Lehrer mehr als nur zufrieden. Aber ist das wirklich zufriedenstellend genug? Es soll ja schließlich um die kürzeste Verbindung gehen. Hätte ich mal vorher schon was von „Event Horizon“ (oder wenigstens von Stephen Hawking), dann hätte ich eine bessere Antwort für die Lehrer gehabt: Warum falten wir nicht einfach den Raum, so dass die Entfernung zwischen den Punkten quasi Null wird?

Im Jahr 2047 ist das möglich, dank einer Erfindung des Doktors William Weir (Sam Neill). Der hat ein Raumschiff entwickelt, dass den Raum biegen kann. Die Event Horizon hat dazu einen Antrieb, durch den ein schwarzes Loch gebildet wird, um so schneller von Punkt zu Punkt zu kommen. Doch irgendwann verschwindet die Event Horizon und taucht erst nach sieben Jahren wieder auf. Dr. Weir soll mit einer Crew rund um Captain Miller (Laurence Fishburne) die Crew der Event Horizon retten. Doch was sie finden, ist nicht ganz das, was sie erwartet hatten.

Bevor Paul W. Anderson Zombies und Alice in „Resident Evil“ auf uns losjagte, schickte er uns ins Weltall. Als wenn die bedrückende Enge und die Labyrinthe von Gängen in einem dunklen Raumschiff nicht schon schlimm genug wären, stellt sich hier noch die Frage, wo zur Hölle die Event Horizon sieben Jahre lang war? Und das mit der Hölle darf man das fast schon wörtlich nehmen…

„Event Horizon“ hat mich als Film schon immer fasziniert und geschockt. Was vor allem daran liegt, dass Anderson mehr auf Kopfkino als auf Effekthascherei setzt. Obwohl… ganz so kann man das auch nicht sagen, denn wenn Anderson Effekte einsetzt, dann ordentlich. Mmh… das klingt jetzt auch irgendwie merkwürdig: Also versuchen wir es so: auf der einen Seite ist „Event Horizon“ ein klassischer Weltall-Horrorfilm, der die Einsamkeit des Alls und die Enge des Raumschiffs perfekt nutzt. Dazu ein kleines Trüppchen, die sich – wie in jedem klassischen Sci-Fi – irgendwann nicht mehr gegenseitig vertrauen können. Auf der anderen Seite wird „Event Horizon“ aber auch ein ziemlich ekliger Horrorfetzen, doch Anderson beschränkt sich bei einer Länge von anderthalb Stunden auf gerade mal 2 Minuten absoluter Ekel-Momente. In einem Video-Logbuch der alten Crew und in einigen Rückblenden wird uns in kürzester Zeit und in wahnsinnig schneller Schnittfolge gezeigt, was der Crew der Event Horizon passiert ist: Und das ist wirklich nicht besonders nett anzuschauen.

„Event Horizon“ ist von der Story her vielleicht nicht unbedingt gut ausformuliert – die verzweifelten Erklärungsversuche des guten Doktor Weirs helfen oft auch nicht viel weiter. Es bleibt einzig und allein die eigene Fantasie, zu überlegen, was wohl alles passieren könnte, wenn man durch ein schwarzes Loch reist. Aber Scheiß drauf: was der Geschichte vielleicht an Plausibilität fehlt (kann man bei einem Sci-Fi überhaupt von so etwas sprechen???), macht sie durch die Atmosphäre wieder wett. Es wird ordentlich gruselig… Anderson vermeidet (bis auf die bereits erwähnten kurzen Ekelmomente) offensichtliches Splatter-Kino, sondern verlässt sich ganz auf seine Location und die Angst seiner Protagonisten. Von daher reicht schon mal ein unheimliches Donnern hinter einer geschlossenen Tür, um es stimmig werden zu lassen.

Wenn man „Event Horizon“ also schaut, dann weiß man zumindest, dass wir später etwas warten sollten, bevor wir auf Hawking hören. Schwarze Löcher sind faszinierend – aber aus der Entfernung betrachtet. Die Verbindung zwischen zwei Punkten sollte immer noch die gerade Linie sein.

Wertung: 8 von 10 Punkten (atmosphärisch dichter Mix aus Horror und Sci-Fi – ganz ohne Aliens und trotzdem wirksam 😉 )

11 Kommentare leave one →
  1. 25. Oktober 2010 08:35

    Mir gefällt der Film trotz seiner Schwächen auch immer wieder sehr gut. Hat eine tolle Atmosphäre und zudem gibt es sowieso zu wenige Space-Horror-Filme.

    • donpozuelo permalink*
      25. Oktober 2010 13:23

      Da hast du vollkommen Recht.

      Ich frage mich aber auch, woran das liegt. Ich meine, die Location stimmt fast immer gut auf Horror ein, warum fehlt es dann nur an guten Space-Horror-Filmen. Bin ja mal gespannt, wann daran gearbeitet wird, das Game „Dead Space“ ins Kino zu bringen.

  2. 28. Oktober 2010 22:39

    Einer meiner Top 100 Filme.
    Ja Raumfaltung ist eines meiner Lieblingsthemen 😀
    Sicher, einerseits schade, dass es so wenig Space Horror gibt, andererseits aber auch gut, dass das Genre nicht so abgenuddelt wird. Dadurch wird jeder einigermaßen gute Film dankbar (von mir und sicher auch allen andren) aufgenommen.

    • donpozuelo permalink*
      29. Oktober 2010 06:33

      Echt, Raumfaltung? Meines war schon immer eher die Gefahr von Reisen durch künstliche Wurmlöcher. Man weiß ja nie, wie da so herumgewerkelt wird. 😀

      Mit den wenigen Space-Horror-Filmen hast du natürlich Recht. Ist tatsächlich ganz in Ordnung, dass es so wenige gibt.

  3. 29. Oktober 2010 14:22

    Ich finde den Film einfach nur genial. Mehr braucht man nicht sagen. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      29. Oktober 2010 14:23

      Hast Recht. Mehr brauch eigentlich nicht gesagt werden. Würde nur irgendwie komisch aussehen, wenn ich nur „GENIAL“ unter den Filmtitel schreiben würde. Heißt ja bloggen, nicht twittern 😉 Aber trotzdem hast du Recht. RECHT!!! 😀

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