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Schlauer Fuchs

20. Oktober 2010

Ich habe mich vor Ewigkeiten mal mit einem Stop-Motion-Filmchen probiert und ich kann sagen, dass es ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen hat, auf nur mickrige 2 Minütchen zu kommen: Figur ein kleines wenig bewegen, Foto machen, Figur wieder ein kleines bisschen bewegen und so weiter. Ist echt ein anstrengendes, aber auch sehr lohnendes Unterfangen. Immerhin hat der Urvater der Filmtricktechnik Georges Méliès schon 1896 die Stop-Motion-Technik angewandt.

Aber heutzutage ist Stop-Motion ja nur noch was für Exzentriker. Wozu jahrelang arbeiten, wenn es der Computer mittlerweile tausendmal besser und auch noch tausendmal schneller macht? Wozu? Schaut euch einfach Wes Andersons „Der Fantastische Mr. Fox“ an und ihr wisst, wozu lange Arbeit gut sein kann.

Wes Anderson hat sich nach „The Royal Tenenbaums“, „Die Tiefseetaucher“ und „Darjeeling Limited“ wieder einer interessanten Familiengeschichte gewidmet und zwar der, der Familie Fox. Mr. Fox hat dem Hühnerstellen eigentlich abgeschworen, doch er kann einfach nicht gegen seine Natur ankämpfen, als er in die Nachbarschaft von drei Bauernhöfen zieht. Hier gibt es reichlich zu holen, was Mr. Fox auch tut. Dabei zieht er aber den Zorn der Bauern auf, die sich daraufhin zusammenschließen, um Mr. Fox und seiner Familie ein Ende zu setzen.

„Der Fantastische Mr. Fox“ ist – in Zeiten von 3D und modernster Technik – ein richtig, richtiger schöner Old-School-Stop-Motion-Film. Mit viel, viel Liebe zum Detail schafft Anderson eine traumhafte Welt voller witziger Elemente, die so nur durch Stop-Motion entstehen können. Man erkennt einfach an jeder einzelnen Einstellung, wie viel Mühe darin steckt und schätzt den Film dadurch irgendwie gleich noch mehr.Es ist irgendwie super angenehm, nach all dem CGI-Super-Geballer, das einem in fast jedem Film aufgetafelt wird, einen Film zu sehen, bei dem noch echt alles handgemacht ist. Es macht Spaß zu sehen, mit wie viel Fantasie Anderson und sein Team die Welt von Mr. Fox und seinen tierischen Freunden erschafft haben – und vor allem, was alles so verwendet werden kann, um bestimmte Sachen darzustellen: Besonders witzig sehen dabei die Rauchwolken einer Explosion aus – schöne, graue Watte 😉

Aber natürlich sollte man neben der grandiosen „alten“ Technik nicht die Wirkkraft der Geschichte unterschätzen. Wes Anderson adaptiert hier eine Geschichte von Roald Dahl und schafft weit mehr als ein einfaches Kindermärchen. Eher genau das Gegenteil ist der Fall: „Der Fantastisch Mr. Fox“ ist neben seiner Raub-und-Belagerungsgeschichte auch wieder mal eine klassischer Wes Anderson, in dem eine Familie erst durch die äußeren Schwierigkeiten die innere Ruhe findet. Dabei gibt es die Konflikte zwischen Mr. und Mrs. Fox, ein Vater-Sohn-Konflikt und das Zusammenwachsen einer ganzen Gemeinschaft von Tieren.

Was Andersons Tierchen aber den letzten Schliff gibt, sind die Sprecher (dazu muss ich sagen, dass ich den Film nur im Original gesehen habe). Allen voran George Clooney, der Mr. Fox spricht und mit dem Anderson den absoluten Glücksgriff gemacht hat. Es hätte keinen Besseren für die Rolle des charmanten Gentleman-Schlitzohr geben können als George Clooney. Ich weiß auch nicht, wie ich es besser beschreiben soll, aber es gibt etwas in der Stimme von Clooney, dass einfach super zu Mr. Fox passt. Dazu finden sich dann noch Meryl Streep als Mrs. Fox, Bill Murray als Dachs oder Willem Dafoe als fiese Ratte.

Alles in allem ist „Der Fantastische Mr. Fox“ ein großartiger Film mit liebenswerten Figuren, tollen Effekten und einer Geschichte, die sowohl die Großen als auch die Kleinen glücklich machen wird. Obwohl vor allem die Großen ihren Spaß an der Ironie von Mr. Fox haben.

Wertung: 10 von 10 Punkten (echt geniale Handarbeit, bei der einfach alles stimmt – großartiges, kleines Filmjuwel)

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10 Kommentare leave one →
  1. 20. Oktober 2010 21:47

    Oh ja ich liebe diesen Film auch sooo sehr 😀
    Und stimmt, es ist absolut ein Anderson, denn die Originalgeschichte ist ja nicht nur wesentlich knapper, sondern auch ziemlich anders. Aber egal ich mag Buch und Film.
    Ich will übrigens auch ein geräumiges Mehrzimmer Baumhaus mit schöner Aussicht!

    • donpozuelo permalink*
      20. Oktober 2010 21:59

      Das Buch kenn ich gar nicht.

      Und ja, son ein Mehrzimmer-Baumhaus wäre schon eine ziemliche coole Angelegenheit. Obwohl so ein geräumiger Supermarkt ja auch nicht zu verachten ist 😉

      • 20. Oktober 2010 22:01

        Aha, ich sehe, Du denkst da praktischer ;D

        • donpozuelo permalink*
          20. Oktober 2010 22:03

          Klar, bei der Nachbarschaft nützt selbst der schönste Baum nichts. Obwohl der Baum wirklich ziemlich abgefahren war.

  2. 21. Oktober 2010 14:48

    Auf den Film habe ich mich tierisch (blöder Wortwitz) gefreut und dann mangels englischer Originalversion doch nicht ins Kino geschafft. Die Review macht mich jetzt wieder richtig heiß darauf, denn spätestens seit „Coraline“ gefällt mir Stop-Motion richtig gut!

    • donpozuelo permalink*
      21. Oktober 2010 16:25

      😀 Guter Witz… hätte ich eigentlich eher als Überschrift wählen sollen 😉

      Ja, auf jeden Fall gucken. Für alle Stop-Motion-Fans ein absolutes Muss. Ein toller, toller Film.

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