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Vertrau deinem Muskelmagen

18. Oktober 2010

Auf sein Bauchgefühl hätte Zack Snyder vielleicht auch mal hören sollen, dann wäre dieser Film vielleicht etwas anderes geworden. Eigentlich kann Snyder doch viel besser mit Zombies („Dawn of the Dead“) oder wilden Spartanern („300“) oder mit abgehalfterten Superhelden („Watchmen“)… und was macht er danach??? Einen Film über Eulen! Eulen… das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: EIN… FILM… ÜBER… EULEN…

Ein Film über Eulen, der auf einer 15-teiligen Bücherreihe über Eulen basiert. Die Bücher von Kathryn Lasky erzählen die Geschichte von der jungen Eule Soren und von der „Legende der Wächter“ – noch viel tollere Eulen, die gegen böse Eulen kämpfen, um für eine friedlichere Welt zu sorgen. Nun hat sich also Zack Snyder folgendes gedacht: Seine Kids können seine eigentliche Filme nicht schauen, also versucht er es mit einem Kinderfilm und verfilmt die ersten drei Bücher der Serie. Dabei lernen wir also Soren und seinen Bruder kennen, die von den Reinsten entführt werden. Hier werden sie aufgeteilt – in die Soldaten und die Schwachen, die als Sklaven arbeiten müssen. Soren gelingt aber die Flucht, er kommt zu den Wächtern und beginnt einen Kampf gegen die Reinsten.

Was hier schon leicht bescheuert klingt, wird im Film nicht wirklich besser. Die Story ist flach, flach, flach. Jedes Kleinkind, das mehr als zwei Barbie-Filme gesehen hat, weiß, wie das Ganze ausgeht. Was man Snyder an dieser Story noch vorwerfen könnte, wäre das gleiche, was man ihm schon bei „300“ vorgeworfen hatte: seine Eulchen sind kleine Faschos. „Die Reinsten“ stehen dafür ein, die Schwachen zu unterdrücken. Nur die großartigen Übereulen sind es würdig, als Soldaten für ihre Sache einzutreten, alle anderen werden „mondwirr“ gemacht und dienen dann den über ihnen Stehenden. Gut, das mag man halten wie man will. Ein wenig gestört hat es mich schon, aber ob man jetzt Snyder oder doch eher Autorin Lasky die Schuld geben sollte, kann nur jemand beurteilen, der die Bücher kennt. In jedem Fall ist bei „Die Legende der Wächter“ sehr klar gezeichnet, wer gut und wer böse ist.

Leider hat sich Snyder nicht viel Mühe gemacht, etwas mehr Tiefe in seine Figuren einzubauen. Sie werden uns vorgestellt – fertig. Eine große Charakterentwicklung gibt es nicht, es ist eh schon von vornherein klar, wer siegen wird und wer nicht. Da hilft auch die peinliche Guter-Bruder-Schlechter-Bruder-Geschichte nicht viel weiter (außer, dass sie auf einen möglichen zweiten und dritten Teil hindeutet).

Vielleicht hätte „Die Legende der Wächter“ etwas interessanter sein können, wenn man darauf verzichtet hätte, einen Kinderfilm daraus zu machen. „300“ meets Eulen – und das Ding hätte schon wieder Spaß machen können. So fliegen hier nur Fetzen und Federn, statt das Blut fließt.

Was Snyder bei der Story aber verhaut, macht er bei der Optik wieder komplett richtig. In 3D haut der Film einem an vielen Stellen glatt die Schuhe von den Füßen. Allerdings merkt man auch hier wieder Snyders „300“-Affinität: hin und wieder flattern die Eulen in geilster Zeitlupe durch Bäume, durch Regen, gegen einander und so weiter… Aber ganz ehrlich: Das macht echt Laune. Die Welt der Wächter – dieser riesige Baum und die Welt der Reinsten, die leider gar nicht so rein ist sind in 3D echt super anzusehen. Es bleibt zwar für mich, dass „Avatar“ immer noch der bessere 3D-Film ist. Aber mit „Die Legende der Wächter“ kommt mal wieder ein guter 3D-Film in die Kinos. Leider, leider funktioniert hier halt nur die Story wieder nicht so ganz.

Aber, verfluchte Scheiße, es ist ein Film über Eulen. Ein Film über Eulen… allein das ist schon irgendwie kultig.

Wertung: 5 von 10 Punkten (optisch Top, die Story ein Flop)

10 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    18. Oktober 2010 10:44

    Das Review selbst klingt noch schlimmer als die Bewertung. Werde ich mir sparen. 😉

    • donpozuelo permalink*
      18. Oktober 2010 10:56

      Kann man sich wirklich sparen. Außer man ist natürlich ein großer Eulen-Fan 😉

      • Dr. Borstel permalink
        18. Oktober 2010 11:21

        Mit Ornithologie konnte ich noch nie viel anfangen. 😉

        • donpozuelo permalink*
          18. Oktober 2010 12:00

          😀 Dann wird’s vielleicht mal Zeit. Ich hatte zumindest vorher nie gewußt, wie viele verschiedene Arten von Eulen es so gibt. Jetzt weiß ich es: Reine und Wächter 😉

  2. CharlesDexterWard permalink
    18. Oktober 2010 20:40

    aha, ich hatte mich schon gefragt, wer in einen film mit und über EULEN geht :-))

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2010 09:27

      Hey… was soll das denn heißen? 😉 Bitte verurteile mich nicht, nur weil ich ein vielseitig interessierter Mensch bin 😛

      Aber du hast Recht. Allein schon die Tatsache, dass es ein Film fast nur mit Eulen ist (andere Tiere kommen kaum drin vor), sollte einen stutzig machen.

  3. 18. Oktober 2010 22:48

    Ich überlege morgen auch mal wieder einen 3D-Film zu sehen – den hier. Jetzt bin ich mir wieder unsicher… 😉

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2010 09:28

      Mmh… da kann ich dir auch nicht groß weiter helfen. (Lass es lieber 😉 )

  4. 30. April 2011 17:39

    So schlecht ist der Film nicht,

    Ich habe ihn gesehen und er ist gut auf eine Schiene mit z.B. „The Dark Crystal“ zu sehen. Nicht für ganz kleine Kinder geeignet bietet der Film doch ein Erlebnis für Fantasy Fans.
    Warum denn keine Eulen? Der Film muss als das gesehen werden, was er ist: Ein Fantasy Märchen mit dazu, besonders auf HD, absolut beeindruckender Grafik.

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  1. 2010 « Going To The Movies

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