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Sündige Stadt

6. Oktober 2010

Ich bin immer wieder vom „Fan-atismus“ anderer Leute beeindruckt. Ich liebe Filme, klar. Und ich schätze auch den ein oder anderen Schauspieler (oder auch Schauspielerin 😉 ), aber ich würde nie so weit gehen, und wegen meiner „Liebe“ zu einem Schauspieler einen Film nicht schauen, in dem dieser Schauspieler ganz und gar gegen seine üblichen Rollen spielt. Aber ich habe da eine Freundin – nennen wir sie mal Frau S.: Frau S. ist ein großer Fantasy-Liebhaber (dazu gehören unter anderem Potter, Frodo und Co.). Nun, besagte Frau S. liebt Elijah Wood in der Rolle des Ring tragenden und Haare an den Füßen tragenden Hobbits Frodo. Viele Schauspieler sind gequält davon, dass sie immer auf eine Rolle festgelegt werden. Eine Tatsache, die Frau S. im Falle von Elijah Wood gerne tut. Zum großen Übel von Frau S. hat sich Frodo… Verzeihung, Elijah irgendwann mal gedacht: „Mensch, alle sehen mich nur noch als Frodo, dabei kann ich auch noch ganz andere Sachen.“ Und so entschied er sich dazu, in dem Meisterwerk „Sin City“ von Robert Rodriguez mitzuspielen. Das wäre ja vielleicht für Frau S. noch nicht so schlimm gewesen, wenn Elijah nicht die Rolle eines ganz, ganz üblen Burschen angenommen hätte: Elijah spielt einen Nutten tötenden und Menschenfleisch fressenden Psychopathen, der rein gar nichts mehr gemein hat mit dem Frodo aus „Herr der Ringe“. Und deswegen hat sich Frau S. – trotz all meiner Bemühen – nicht mit „Sin City“ anfreunden können.

Und was habe ich bemüht… bei einem Film, der mühelos als beste Comic-Verfilmung aller Zeiten beschrieben werden kann. Mit „Sin City“ schafft Rodriguez es, gleich drei von Frank Millers Antihelden in einem Film unterzubringen. Da wäre der Schläger Marv (Mickey Rourke), der einen Kleinkrieg wegen einer getöteten Prostituierten anzettelt. Anschließend kommt der Killer Dwight (Clive Owen), der gleich wegen eines ganzen Stadtteils voller Prostituierten einen Kleinkrieg anfängt. Und schließlich wäre da noch Hartigan (Bruce Willis), der… nein, nicht wegen einer Prostituierten einen Krieg beginnt – seine Dame der Begierde tanzt nur aufreizend in einer Bar.

Frank Millers „Helden“ sind allesamt miese Typen. Miese Typen, die aber nichts destotrotz das Herz am rechten Fleck haben. Sie sind das Beispiel, dass selbst in einer schlimmen Stadt, die voller „Monster“ ist, einige Monster Gefühle haben und sich auch für andere einsetzen. Dass das in allen drei Fällen wunderschöne Frauen sind, tut Miller nicht weh, Rodriguez auch nicht und uns (männlichen) Zuschauern noch viel weniger: Britanny Murphy, Jessica Alba, Rosario Dawson und Devon Aoki sind nur einige der netten Damen, die wir sehen dürfen.

Da hat sich Rodriguez viel Mühe gegeben, Millers großartige Comics umzusetzen. Obwohl… eigentlich hat er sie ja „nur“ kopiert. Die Einstellung sind wie die Bildkästen im Comic, die Dialoge und Monologe sind ungeändert, alles ist fast ausschließlich in Schwarz-Weiß. Rodriguez‘ „Sin City“ ist eine einmalige Verbeugung vor den Comics und schafft gleichzeitig eine einzigartige Filmwelt, die so stylisch und brutal ist wie die Comics selbst. Durch das „Kopieren“ bleibt der Episodencharakter bestehen, aber selbst die Schnitte zwischen einzelnen Szenen sind teilweise ziemlich hart – „Sin City“ ist halt ein Comic in Filmformat.

Aber irgendwie möchte Frau S. das alles nicht wahrhaben. Und das alles nur wegen Elijah Wood, der doch nur kurz zu sehen ist und dann durch Marv einen recht unrühmlichen Tod findet. Wenn Frau S. nur über ihre Liebe zu Frodo hinwegsehen könnte, würde sie einen Klasse-Film erwarten. Mickey Rourke zeigt schon vor „The Wrestler“ seinen Mut zur „Hässlichkeit“ und liefert für mich den besten Auftritt im ganzen Film. Mickey Rourke ist Marv durch und durch – was ihm vielleicht auch geholfen hat, den „Wrestler“ bei Aronofsky so überzeugend zu spielen.

Und Elijah Wood? Naja, der fällt in diesem Film voller großer Namen am wenigsten auf: stumm und schnell taucht er auf und verschwindet auch wieder. Das kratzt eigentlich nicht zu sehr am Frodo-Image.

Wer weiß, vielleicht kommt der Tag an dem Frau S. sich diesen Film auch noch anschaut. Ich könnt ihn immer wieder sehen. Irgendwie muss man sich ja das lange, lange Warten auf Teil 2 vertreiben.

Wertung: 9 von 10 Punkten (fiese Typen, geile Weiber, klasse Optik – Millers „Sin City“ lebt und zeigt sich von seiner „besten“ Seite)

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18 Kommentare leave one →
  1. 6. Oktober 2010 08:33

    Mag den Film auch. Doch ganz so begeistert, wie du, bin ich dann doch nicht davon. Insgesamt haben mich die Figuren durch ihre Überzeichnung wohl zu kalt gelassen. Dennoch ein großer Spaß!

    • donpozuelo permalink*
      6. Oktober 2010 10:44

      Ich fand, dass gerade die Überzeichnung der Figuren so einiges ausmacht. Ich meine, was anderes bleibt ja nicht.
      Die Figuren stehen im Vordergrund, alles was „dahinter“ passiert, interessiert ja nicht.

  2. Dr. Borstel permalink
    6. Oktober 2010 17:09

    Und was habe ich bemüht… bei einem Film, der mühelos als beste Comic-Verfilmung aller Zeiten beschrieben werden kann.

    Nein. Nicht mehr seit „The Dark Knight“. 😉 Aber ich weiß ja, dass du da eh anderer Meinung bist, und ansonsten kann ich dir eh zustimmen, auch was die Bewertung angeht. Ich hätte Wood übrigens nie im Leben erkannt, wenn ich nicht gewusst hätte, dass er mitspielt.

    • donpozuelo permalink*
      7. Oktober 2010 10:08

      Ja, Elijah Wood habe ich auch erst beim zweiten Mal erst richtig wahrgenommen. Durch diese glänzende Brille erkennt man ihn aber auch wirklich schwer.

  3. Doña Pozole permalink
    7. Oktober 2010 17:43

    gibts da neben „geile weiber“ auch „steile hengste“ im film? (bruce und elijah sind ja nicht sooooo die knaller) und würd ich mir das nochmal überlegen …

    😛

    p.s. du hast gilmore-rory vergessen, die soll da ja auch da SO GAR NICHT STARS HOLLOW sein 😉

    • donpozuelo permalink*
      8. Oktober 2010 07:33

      Wie steil die Hengste sind, kann ich nicht so genau beurteilen. Aber ich glaube nicht unbedingt, dass z.B. Mickey Rourke hier noch als das Sex-Symbol bezeichnet werden kann, das er vielleicht früher einmal war. Dafür müssen die „geilen Weiber“ das wieder rausholen 😉

      Ja, die Alexis Bledel spielt hier eine hinterhältige Prostituierte, die sich leider nur um sich selber kümmert, weswegen sie dafür später die Rechnung bekommt.

  4. 8. Oktober 2010 22:10

    Freu mich schon auf Teil 2 mit Johnny Depp *freu*

  5. CharlesDexterWard permalink
    9. Oktober 2010 22:41

    Genau, ein ganz großartiger Film. Und Wood ist hier doch total klasse. Kleine aber feine Rolle, der Psycho ist ihm auf den Leib geschrieben.
    Ich persönlich finde es ganz wichtig, dass sich ein Schauspieler nicht so auf einen Typ festnageln lässt, genau das macht seine darstellerische Kunst aus.

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2010 18:26

      Genau mein Reden!

      Man ist zwar immer ein bisschen auf diese eine Rolle fixiert, aber es ist immer gut, wenn sie mal was anderes ausprobieren.

      Am krassesten fand ich das bei David Duchovny: erst FBI-Agent, dann notgeiler Schriftsteller. Hätte ich nie gedacht, dass das klappt, aber „Californication“ ist genial.

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