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Hexenjagd

1. Oktober 2010

Deutschland bietet sich wunderbar für Filmemacher an, nicht umsonst werden immer mehr Filme zum Teil oder ganz in Deutschland gedreht. Von „Aeon Flux“, über „V wie Vendetta“, „Inglorious Basterds“ bis hin zu „Der Vorleser“, „Walküre“ oder „Speed Racer“ – zahlreiche große Produktionen finden in Deutschland Geldgeber und gute Locations. Wir haben den Flair und die Geschichte, um genügend Hintergrund für spannende Geschichten zu geben.

Ein weiterer Film in der langen Liste deutscher Ko-Produktionen ist der Film „Black Death“ des Briten Christopher Smith, der in Sachsen-Anhalt und Brandenburg gedreht wurde und dabei doch im mittelalterlichen England spielt.

Man könnte jetzt wie bei den „Asterix“-Comics anfangen: Wir schreiben das Jahr 1348. Ganz Britannien ist von der Pest befallen. Ganz Britannien? Nein, denn ein kleines Örtchen zeigt sich unbeeindruckt vom „Schwarzen Tod“. Grund genug für den Bischof hier mal genauer hinzuschauen, wird doch Schwarze Magie vermutet. Der Ritter Ulrich (Sean Bean) und seine Ritter begeben sich im Auftrag des Bischofs auf die Suche nach dem Dorf. Geführt werden sie dabei von dem jungen Mönch Osmund (Eddie Redmayne). Als sie schließlich in dem Dorf ankommen, scheint da tatsächlich etwas merkwürdiges vor sich zu gehen – denn hier scheint alles friedlich unter der Führung der schönen Langiva (Carice van Houten).

Der Film lief ja bereits beim diesjährigen Fantasy Filmfestival, weswegen ich mit etwas anderen Erwartungen in diesen Film gegangen bin. Beim FFF denke ich eher an so Horror-Streifen, „Black Death“ ist aber weit entfernt davon, ein richtiger Horrorstreifen zu sein. Tatsächlich gelingt es Smith, einen realistischen Blick auf die Gottesfürchtigkeit der Menschen zu werfen. Sean Bean muss seine Mannen durch eine ungemütliche Zeit führen, Tod und Angst sind überall. Alle, auf die sie treffen, suchen die Schuld bei irgendjemand anderem. Für die einen scheint Gott weit entfernt, für die anderen ist die Pest eine Strafe Gottes. Die Ritter rund um Ulric sind vielleicht nicht die Sonnenscheine (es sind auch Mörder unter ihnen), aber sie glauben an Ulric, der sich zwar von Gott berufen fühlt, aber nicht dumm ist. Es gibt eine sehr schöne Szene, die das deutlich macht: Der Mönch Osmund rettet eine hilflose Frau vor dem Scheiterhaufen einer wütenden „Hexe“ schreienden Menge, aber bevor die sich wirklich freuen kann, nimmt Ulric sie beiseite und sticht sie ab. Kommentar von ihm: „Sie wäre so oder so tot gewesen. Ich habe ihr nur Schmerzen erspart.“ Im ersten Augenblick wirkt die Szene befremdlich, dann aber wieder sehr verständlich.

„Black Death“ lebt von unserer schönen Heimat – man darf es ruhig sagen. Seien es Wälder, Felder oder Moore im Nebel: Die Landschaft verhilft dem Film zu mehr Glaubwürdigkeit, hier sieht wirklich noch alles irgendwie unberührt aus. Was vielleicht daran liegen mag, dass hier wirklich kaum jemand im realen Leben rumstolpert. Das würde zumindest den vermehrten Einsatz von Handkameras erklären, die dem Film einige Wackelbilder beifügen. Im Großen und Ganzen ist das aber weniger schlimm als man es sonst erwartet.

Regisseur Smith hält sich für einen angeblichen Fantasyfilm ziemlich bedeckt, wenn es darum geht, Hexerei oder Magie zu zugestehen. Stattdessen schickt er seine Mannen auf eine Art Selbstfindungstrip, der vor allem den Mönch Osmund in eine tiefe Krise stürzt. Und damit zeigt der Film sehr schön, wie schnell Unwissenheit dazu führt, falsche Entscheidungen zu treffen. Obwohl es nicht unbedingt Unwissenheit, sondern vielmehr blindes Vertrauen in eine Sache ist. Somit sind sowohl Ulrics Männer als auch die Anhänger der Hexe „blind“. Ulric erkennt nicht, was es mit dem Dorf wirklich auf sich hat, und Osmund, der es erkennt, will es nicht glauben. Magie ist dann das, woran sie alle glauben – und so geht das ewige Schlachten immer weiter.

„Black Death“ ist somit… ja, was eigentlich??? Ein Lehrfilm, um toleranter zu sein? Ein alter Blick auf alte Geschichte, die zeigt, dass zu viel Gottglaube auch nichts Gutes bringt? Oder ist es am Ende einfach nur ein gut gemachter Ritterfilm, der erstaunlich „ruhig“ daher kommt? Egal, wie man es sieht, „Black Death“ ist sehenswert. Vielleicht hätte ich mir ein wenig mehr Action gewünscht und ein bisschen weniger Geschichte. Aber das krasse Ende entschädigt für einiges.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Hexenjagd mal etwas anders – aber nicht weniger spannend)

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