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Signor Fafalla

27. September 2010

Jetz mal im Ernst: Wie ernst kann man einen Mann nehmen, der zwischen seinen Schulterblättern einen Schmetterling als Tattoo trägt? Nicht wirklich, oder? (Vielleicht erinnern sich Fans von „How I Met Your Mother“ an die Episode mit dem Schmetterlingstattoo!) Ich habe laut gelacht, als ich diesen Schmetterling dann auch noch auf dem Rücken von sexy George Clooney sah. Clooney mit Schmetterling??? Vollkommen uncool. Genauso wie sein neuer Film „The American“.

Überall liest man, dass es um einen Auftragskiller geht, was so aber gar nicht richtig stimmt. Zumindest wird es nie im Film erwähnt, dass Jack (Clooney) Leute für Geld umbringt. Vielmehr beobachten wir, wie er den halben Film an einer Attentatswaffe bastelt. Aber von vorne: Jack flieht nach einem Triple-Mord aus Schweden und versteckt sich in einem beschaulichen Dörfchen in Italien. Hier erhält er den Auftrag, eine Waffe zu bauen. Zwischendurch geht er beim örtlichen Pfaffen essen und besucht die Prostituierte Clara (Violante Placido), in der er sich verliebt. Doch bevor die Liebe aufblühen kann, muss Jack seinen Auftrag erledigen und auch unliebsame Mitbringsel aus Schweden.

„The American“ – ein Amerikaner in Italien. Klang für mich anfangs ein bisschen wie Jim Jarmuschs „The Limits of Control“, schnell war hier aber klar: Regisseur Anton Corbijn schafft es nicht, an Jarmusch’sche Lethargie heranzukommen. Der Film bleibt zwar auch überwiegend still und wird mehr über seine Bilder getragen, die Geschichte bleibt aber die ganze Zeit über zäh und ohne Spannung. Außerdem fällt es schwer, überhaupt so etwas wie eine schlüssige Story zu erkennen – zu keinem einzigen Zeitpunkt erschlossen sich mir irgendwelche Motive des Protagonisten noch der Erzählung selbst. Clooney schleicht von Bild zu Bild, von Szene zu Szene – er ist omnipräsent, aber doch irgendwie nicht da. Corbijn verlässt sich ein wenig zu sehr auf die sonst hervorragende Leinwandpräsenz des Gentlemans Clooney. In „The American“ hätte das funktionieren können, wenn man Clooney wenigstens eine sinnvollere Aufgabe gegeben hätte außer „Du bist in jeder Szene zu sehen, mach was draus!“

Man merkt es Corbijns Film sehr stark an, dass der Niederländer ursprünglich aus dem Bereich der Fotografie kommt: In grandiosen Bildern mit interessanten Perspektiven und Bildausschnitten fängt er die Schönheit des italienischen Dörfchens ein. Nebel, der träge über der Stadt wabert. Straßen, die sich lang und breit durch die Landschaft schlängeln. Verzwickte kleine Gassen, Treppen und Gänge in der Stadt. In manchen Bildern verliert man sich förmlich und findet erst nach einigem Suchen den Protagonisten der Geschichte wieder. Das ist zwar ästhetisch sehr schön, kann auch hin und wieder für den Film ganz schön sein, am Ende geht aber das Erzählerische in Corbijns bildlicher Perfektion unter.

Bei Jarmusch hat es bestens funktioniert: ein fast stiller Film mit einem enigmatischen Auftragskiller. Bei Corbijn ist der ganze Film so enigmatisch, dass man schon nicht mehr weiß, was das Ganze jetzt eigentlich soll. Wenn er dann nach gut anderthalb Stunden vorbei ist, bekommt man ein nicht zufriedenstellendes, äußerst merkwürdiges Ende und geht mit einem Haufen Fragen nach Hause, die wohl für immer unbeantwortet bleiben.

Vielleicht sollte man am Rande noch erwähnen (für die, die es interessiert), dass die Musik von Herbert Grönemeyer (nein, er singt nicht, er hat nur die Musik geschrieben) perfekt zu Corbijns Bildern passt. Somit hätten wir das geklärt: tolle Bilder und tolle Musik ergeben selbst mit einem unterforderten George Clooney einen Film, den man so eigentlich nicht weiter empfehlen kann. Armer Clooney, armer Zuschauer: beide sind gelangweilt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (langatmiger, stiller Film mit einem stillgelegten Clooney)

7 Kommentare leave one →
  1. 27. September 2010 14:33

    Nachdem die Mitteldeutsche Zeitung den Film total heruntergeputzt hatte, dachte ich eigentlich, dass mir der Film gefallen müsste. Auch die Tatsache, dass der Redakteur schon das Ende verraten hatte, änderte nichts daran. Inzwischen habe ich aber zu viele negative Kritiken gehört. Also höchstens ein DVD-Ausleih-Kandidat.

    • donpozuelo permalink*
      27. September 2010 14:44

      Ich weiß nicht so recht, ob da nicht selbst der Verleih zu viel ist.

      Clooney kommt nicht in Fahrt, der Film kommt nicht in Fahrt, und wenn ich nicht Geld fürs Kino ausgegeben, sondern den Film auf DVD gesehen hätte, hätte ich wahrscheinlich nach einer halben Stunde ausgemacht.

  2. 27. September 2010 19:47

    Hm, ich will für den Film auf keinen Fall ein Kinoticket lösen, aber für die Bilder lohnt sich der Blick von einer Leih-DVD dann doch…

    • donpozuelo permalink*
      28. September 2010 10:19

      Jaja… hört nur alle nicht auf mich. Später werdet ihr an mich denken 😉

      • luzifel permalink
        28. September 2010 13:50

        Filme bei denen deine Meinung und die der FAZ nahezu identisch sind, gucke ich mir nicht an.. Nichtmal auf DVD.. Der Regisseur hätte wohl besser weiter Landschaften mit Menschen drin fotografiert als die Zeit von allen die den Film gesehen haben wie auch der Schauspieler verschwendet..

        Grüße, Luzifel der den Film von der Liste nimmt obwohl das Thema eigentlich recht interessant ist..

        • donpozuelo permalink*
          28. September 2010 14:43

          😀 Vielleicht sollte ich mich mal bei der FAZ bewerben, dann bräuchtest du nicht alles doppelt lesen 😉

          Aber du hast echt Recht. Dieser Film beweist einmal mehr, dass ein guter Fotograf noch lange kein guter Regisseur sein muss.

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  1. 2010 « Going To The Movies

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