Zum Inhalt springen

Hit Girl Rules!!!

24. September 2010

Ich habe mich dem Hype hingegeben, trotz Skepsis. Aber von allen Seiten bekam ich immer wieder zu hören: „Schau dir unbedingt mal ‚Kick Ass‘ an. Das ist ein geiler Film!“ Und da ich mir ja gerne mal Filme vorschlagen lasse, habe ich „Kick Ass“ geguckt – wenn auch mit viel Skepsis, was wohl daran lag, dass der Trailer einen in die vollkommen falsche Richtung lenkt (was übrigens auch der Film die erste Stunde macht).

Denn der Film fängt eher unspektakulär an: Comic-Nerd Dave (Aaron Johnson) hat scheinbar genug davon, von allen nicht beachtet zu werden, erotische Fantasien über seine Lehrerin zu haben und ständig nur Comics zu lesen. Die hat er so intensiv gelesen, dass er sich entschließt, selber einen auf Superheld zu machen – schnell wird übers Internet ein Outfit bestellt, Dave verkleidet sich und los geht’s. Aber gleich bei seinem ersten Einsatz wird er ordentlich vermöbelt – dadurch aber wird er tatsächlich ein wenig „super“: er bekommt wie Wolverine Metall-Implantate in seine Knochen gesetzt und ist weniger schmerzempfindlich. So ausgestattet schafft er es dann auch endlich in die Schlagzeilen: der Superheld „Kick Ass“ ist geboren.

Während der ersten Hälfte von „Kick Ass“ habe ich mich schon ein wenig gefragt, warum mir denn nur alle diesen Film empfohlen haben. Es fängt wie jeder andere „Nerd-erkennt-seine-Stärken-und-wächst-über-sich-hinaus-Film“ an. Auch ein Seitenhieb auf Superhelden-Filme kann man nur bedingt in der ersten Hälfte erkennen – und wenn überhaupt, dann scheint man sich hierbei auch mehr an „Spider-Man“ orientiert zu haben. Aber so richtig zünden will „Kick Ass“ einfach nicht – und so war ich schon drauf und dran, dem Geplänkel ein Ende zu bereiten, als SIE plötzlich auftauchte: ein merkwürdiger Traum aus „Sailor Moon“, „Aoen Flux“ und Trinity – Hit Girl. Klein, schnell und brutal – eine Heldin, die (im Gegensatz zu Kick Ass) tatsächlich etwas kann.

Mit dem Auftauchen von Hit Girl nimmt der Film eine merkwürdige Wendung: Plötzlich sind Mafiosi hinter Kick Ass her, weil sie glauben, er hätte ihnen ihre Deals kaputt gemacht. In Wirklichkeit waren das aber Big Daddy (Nic Cage) und Hit Girl (Chloe Moretz), die ebenfalls eine Rechnung mit Mafioso Frank (Mark Strong) zu begleichen haben. Hier endet eigentlich der Film „Kick Ass“. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund wird Kick Ass zu einer Nebenfigur in seinem eigenen Film. Er hat uns nichts mehr zu bieten, ist abgestaubt – Hit Girl und Big Daddy bieten da viel mehr Potenzial.

Endlich zeigt auch Nic Cage mal wieder, was in ihm steckt. Der Mann, der selbst nach Superhelden verrückt ist (sein Sohn heißt ja schließlich auch Ka ‚El), spielt hier einen schrägen Superhelden, der seine kleine Tochter zu einer kaltblütigen Killerin ausbildet. Klingt ein wenig wie „Leon, der Profi“, ist es fast auch. Nur halt mit mehr Gewalt und in engen Strampelanzügen. Die Kampfszenen sind genial – vor allem Hit Girls Aktion am Ende im Haus der Mafiosi. Schön choreografiert, exzellent in Szene gesetzt, witzig und abartig zu gleich. Hit Girl ist der eigentliche Star von „Kick Ass“.

So wirklich kann ich nach dem Film den Hype um selbigen nicht verstehen, wirkt mir der ganze Film doch etwas zu unüberlegt in seiner Ausführung: Der Anfang möchte Superhelden auf den Arm nehmen, schafft es aber nicht als Komödie. Der Schluss möchte sich dann aber als Superhelden-Film verstehen, wirkt aber teilweise recht albern. Die Nerds dazwischen stören dann komplett. Vielleicht wäre es sinniger gewesen, den Fokus der Geschichte auf Hit Girl und Big Daddy zu richten – mit ein wenig mehr Tiefe hätte daraus ein genialer „Leon“-Abklatsch werden können.

Alles in allem kann ich mich also nicht dem Hype ergeben: Die erste Hälfte hat mich gelangweilt, die zweite geärgert, weil ich so den ganzen Film gesehen hätte. Dafür überzeugt Chloe Moretz als süße Killermaschine und Nic Cage als ihr Daddy und Ausbilder.

Wertung: 5 von 10 Punkten (mehr von Hit Girl und weniger Nerds wäre besser gewesen)

20 Kommentare leave one →
  1. Doña Pozole permalink
    24. September 2010 08:53

    Jajaja, Doñito Pozuelo – da musst du deinen analytischen Verstand halt mal ausschalten und nicht vergleichen, sondern einfach mal GENIEßEN 🙂 Vom Nerdy-American-Pie-Film zum Tarantino´schen – du nennst es unüberlegt in der Ausführung – ich sage: Ein Brecht´scher Bruch im Film 😉 … okayokay – das ist zuviel des Guten, ich nenne es dann: Abwechslung 😉 Und ich glaub, ich bin einfach nur begeistert von dem Film, weil ich a) kein Geld dafür ausgeben musste um ihn zu sehen und b) Hit Girl einfach TOTAL GENIAL ist 🙂
    Bestes!
    la Doña
    P.s. Und im Vergleich zu Leon, der Profi find dich die Grundstimmung in Kick Ass einfach „entspannter“, bzw. sich-selbst-veräppelnd-komisch 🙂 Ich steh halt gerad auf positiv-gestimmte Filme 😉
    P.p.s Gestern hab ich „the hunting party“!!! Den musste auch UNBEDINGT mal sehen!!!!!!!

    • donpozuelo permalink*
      24. September 2010 09:32

      Gegen Hit Girl sag ich ja nichts. Das merkt man ja schon an der Überschrift, aber die ganze Geschichte mit Dave ist dann ein bisschen zu sehr Nerdy-Amercian-Pie, wenn ich dich da zitieren darf.

      Es ist ja trotzdem ein unterhaltsamer Film, allerdings hat er mich erst so richtig in der zweiten Hälfte unterhalten.

      „Hunting Party“ ist vorgemerkt und notiert 😉

  2. Dr. Borstel permalink
    25. September 2010 16:40

    Aus etwas anderen Gründen komme ich zu der gleichen Bewertung. Overhyped, kann man sich sparen.

    • donpozuelo permalink*
      25. September 2010 19:08

      Ich weiß. Ich kann mich an deine Rezension noch erinnern.

      aber ich muss echt sagen, mich würde nach dem Film wirklich mal der Comic dazu interessieren.

  3. 25. September 2010 19:44

    Ach, ich finde den Film immer noch super. Spiderman war ja auch nur cool, weil ein Nerd auf einmal Kräfte entdeckt, was Dave in etwa auch macht – und diese Lernphase ist eigentlich immer das Beste an Superheldenfilmen.
    Eigentlich, denn Nic Cage und Chloe Moretz haben ein Feuerwerk abgefeuert – das bleibt doch im Gedächtnis, oder nicht?

    • donpozuelo permalink*
      25. September 2010 21:08

      Cage und Moretz bleiben definitiv in Erinnerung. Das war einfach nur glorreich… so gut, dass es sogar ausreichen würde, um mir den Film noch einmal anzuschauen 😉

      Aber alles andere war ein wenig… naja… siehe oben 😀

  4. 26. September 2010 18:14

    Mark Strong fand ich aber auch genial (fies).

    • donpozuelo permalink*
      27. September 2010 07:25

      Wohl wahr, wohl wahr. Deswegen sage ich ja: er als Erzfeind und Hit Girl als Heldin hätten dem Film vollkommen ausgereicht.

Trackbacks

  1. Mutant und stolz « Going To The Movies
  2. Der Zauberlehrling « Going To The Movies
  3. Geburtsstunde einer Legende « Going To The Movies
  4. Der Stoff, aus dem Träume sind « Going To The Movies
  5. Gott, hab‘ Erbarmen!!! « Going To The Movies
  6. Was würdest du tun? « Going To The Movies
  7. Jäger des gefallenen Sterns « Going To The Movies
  8. Shut up, crime! « Going To The Movies
  9. Hit-Girl Rules Again! | Going To The Movies
  10. Die Flüstermenschen | Going To The Movies
  11. Die lieben Silberstreifen | Going To The Movies
  12. Manners maketh man | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: