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Die Axt, dein bester Freund

22. September 2010

Es tut richtig gut, wenn man sich in Zeiten von „Twilight“ und Co. mal wieder einen Vampir-Streifen anguckt, bei dem die Vampire nichts erotisches, nichts geheimnisvolles und nichts menschliches haben. Stattdessen dürfen sie einfach nur bluthungrige Tiere sein, die Menschen nur als Nahrungsmittel sehen – und sonst nichts weiter.

„30 Days of Night“ hat mich – als er damals in die Kinos kam – echt überrascht. Anfangs war ich ja eher skeptisch, vor allem weil Josh Hartnett die Hauptrolle spielte. Aber es war die Geschichte, die mich dann doch irgendwie ins Kino lockte:

In einem kleinen Städtchen Barrow irgendwo im Nirgendwo in Alaska wird der Winter 30 Tage lang von Dunkelheit beherrscht. In dieser Zeit bleiben wirklich nur die ganz Harten in Barrow – unter ihnen auch Sheriff Eben (Josh Hartnett). Dieses Mal wird es aber selbst für die Harten in Barrow richtig „kompliziert“: der einzige hubschrauber wird zerstört, Stromversorgung und Kommunikation wird lahm gelegt – Barrow ist nun komplett abgeschottet. Und dann wird angerichtet: Nämlich für die Gruppe von Vampiren, die in Barrow einfallen und die Kleinstadt um noch ein paar mehr Bewohner ärmer machen. Für Sheriff Eben und ein kleines Grüppchen Überlebender heißt es nun, irgendwie 30 Tage zu überleben.

Es gibt zwei Dinge an „30 Days of Night“, die mich wirklich umgehauen haben: Das wäre zum einen Josh Hartnett selbst und die Gewalt im Film.

Josh Hartnett war für mich bis zu diesem Film auch eher ein Sunny-Boy, der sich mit seichteren Filmen über Wasser hielt und dabei doch recht erfolgreich war. In einem Horrorfilm hätte ich ihn mir vorher nie vorstellen können. Aber… Hartnett fügt sich perfekt in die Rolle des Sheriffs ein: mit dem Bartwuchs und zahlreichen toten Freunden wird der Bick des Sheriffs zunehmend leerer und emotionsloser. Irgendwann scheint er schon selbst fast kein Mensch mehr zu sein – und das zeigt Hartnett auch recht eindrucksvolle Weise.

Damit einher geht natürlich die Tatsache, dass bei so viel Kunstblut, abgetrennten Körperteilen und eingefrorenen Leichen es nicht sonderlich schwer fallen sollte, einen schockierten Blick drauf zu haben. Die Vampire in „30 Days of Night“ sind wirklich erbarmungslos. Allein die erste Szene ihres Überfalls wird mir beim Gedanken an diesen Film immer in Erinnerung bleiben: gefühlte 10 Minuten (wahrscheinlich sind es aber eher 2-3 Minuten) schwebt die Kamera wie ein Vogel über Barrow und betrachtet – aus sicherer Entfernung – wie sich unten die Straßen mit Leichen füllen und der Schnee sich rot färbt. Schonungslos fallen die Vampire über alles her, was sich bewegt. Im Laufe des Films verlassen wir aber die Sicherheit des Himmels und befinden uns mitten drin:

In einer Art Straßenkampf versuchen die Überlebenden Sicherheit zu finden: Immer wieder müssen sie sich herauswagen, um einen anderen Ort zu erreichen. Gefahr ist dabei ihr ständiger Begleiter – und Gefahr geht auch von Freunden aus, die mal eben als lebender Köder durch die Straße getrieben werden.

Ich habe den Comic von Steve Niles und Ben Templesmith leider nicht gelesen, aber kann mir gut vorstellen, dass Regisseur David Slade in seinem Film nur die „harmlosesten“ Darstellung präsentiert. Abgesehen von der krassen Blutrünstigkeit, die sich irgendwann von den Vampiren auch auf die Überlebenden überträgt (hier wird die Axt der beste Freund des Menschen), ist „30 Days of Night“ ein wirklich geiler und vor allem spannender Film. Slade nutzt die Kulisse – die Eiseskälte Alaskas und die Dunkelheit perfekt aus, um die Stimmung zu beschreiben. Dann sind da immer wieder diese verzweifelten Versuche, sich heimlich auf den Straßen zu bewegen – das ist Survival Horror vom Feinsten. Leider, leider geht zum Ende hin irgendwie ein bisschen die Luft raus. Die Spannung des Films wird mit einem merkwürdigen „Bosskampf“ zerstört – hier zieht sich Slade etwas zu einfach aus seiner Story zurück, was dem Film etwas schadet.

Insgesamt ist „30 Days of Night“ aber ein Fest für alle, die endlich mal wieder richtig schön blutrünstige Vampire erleben wollen. Dass die scheinbar selbst für Slade zu krass waren, zeigt sein weiterer Werdegang im Vampir-Film-Genre: Nach „30 Days of Night“ drehte David Slade einen neuen Vampir-Film mit Namen „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“. Ich gehe mal davon aus, dass die Vampire etwas handzahmer sind als in Barrow.

Wertung: 8 von 10 Punkten (herrliche fiese Vampire, Survival Horror und ein etwas plattes Ende – trotzdem ein geiler Film)

9 Kommentare leave one →
  1. 22. September 2010 07:10

    Ja, ich fand den auch ganz gut. Zwar war ich nicht ganz so begeistert, wie du, doch habe ich ihm immerhin auch 7 Punkte gegeben – und ja, das Ende war tatsächlich etwas doof.

    • donpozuelo permalink*
      22. September 2010 09:54

      Ich habe jetzt erst erfahren, dass ein zweiter Teil im Oktober direkt auf DVD erscheint. Was das wohl wird???

  2. 22. September 2010 19:17

    Kenne ich noch nicht, da ich im Horror-Bereich ohnehin vieles nachzuholen habe (ist eigentlich nicht mein Genre).
    Eine Fortsetzung auf DVD ist ja meistens eher weniger gut, aber den ersten Teil werde ich mir mal anschauen.

    • donpozuelo permalink*
      23. September 2010 11:22

      Der Film kann sich durchaus sehen lassen. Im Horror-Genre der neueren Film würde ich den zu den sehr guten zählen, die wenigsten noch eine spannende Geschichte erzählen und nicht einfach nur Kunstblut über die Kamera schütten. (obwohl es hier natürlich auch ordentlich zur Sache geht ;))

  3. 23. September 2010 18:09

    War ich auch schon immer mal dran interessiert und es hat mich ehrlich verwundert, dass jemandem wie Slade der Regiestuhl von Eclipse angeboten wurde. Soweit ich gehört habe, soll er ja auch einige gute Actioinszenen inszeniert haben, welche die Fanatiker sauer aufstoßen lässt. Mich freut das natürlich.

    Kurzum: ich werde mir diesen Film wohl doch noch zu Gemüte führen. Mit „Hard Candy“ hat Slade bewiesen, was er drauf hat.

    • donpozuelo permalink*
      24. September 2010 07:49

      Tja, vielleicht wollten sie dem „Eclipse“-Kram etwas mehr Härte verleihen. (Geht das überhaupt??? 😉 )

      Auf jeden Fall viel Spaß beim Gucken. Ist wirklich gut.

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