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Good Cop vs. Bad Cop

20. September 2010

Sylvester Stallone – das ist doch eigentlich der Al Pacino der 80er-Jahre-Action-Filme. Zusammen mit Schwarzenegger, der dann wohl das De Niro Pendant dazu ist, regierte Stallone das große Action-Reich Hollywoods. „Rocky“, „Rambo“ und Co. – Muskelmann Sly musste sich hinter Musekl-Österreicher Schwarzenegger nicht verstecken. Sie hatten beide ihren Platz und ihre festen Rollen. Umso faszinierender ist es dann, wenn man Sly mal in einer ganz anderen Rolle sieht, die beim ersten Hingucken gar nicht so recht zu ihm passen will. Beim zweiten Blick dann aber wie für ihn geschaffen scheint.

In James Mangolds „Cop Land“ kehrt der Zuschauer im beschaulichen (und fiktiven) Städtchen Garrison ein – nett gelegen am Hudson River, direkt gegenüber vom Gestank und Lärm des Big Apple. Hier in Garson wohnt eine Vielzahl von Beamten des NYPD. „Cop Land“ ist quasi das Disneyland für Polizisten: ruhig und nett und viel Platz für (illegale) Spiele. Freddy (Stallone) ist Sheriff in „Cop Land“ Garrison. Aufgrund seiner Taubheit auf einem Ohr hat er es selber leider nie zum Cop geschafft, also darf er jetzt die anderen Cops bewachen, die ihm aber mehr auf der Nase herumtanzen. Aber irgendwann beschließt Freddy, mit dem Wegsehen aufzuhören und beginnt, sein gemütliches Städtchen vom „Schmutz“ zu befreien.

Anfangs möchte man meinen, Sly spiele nur eine kleine Nebenrolle – schließlich steht er neben großen Namen wie Harvey Keitel, Ray Liotta und Robert De Niro. Zusammen bilden sie die Parteien in Mangolds großem Polizeidrama, dass allerdings nicht so recht weiß, ob es nun Thriller oder Melodrama sein möchte. Die Grundidee – eine Stadt voller korrupter Bullen fern ab des Gesetzes wird aufgemischt – klingt eigentlich ziemlich gut und bietet viel Potenzial. Aber Mangold lässt sich Zeit, vielleicht etwas zu viel Zeit. Erst nach und nach offenbaren sich Freddy die Machenschaften der Polizisten. In dieser Zeit verkommt Sly in seiner Rolle zum dummen Dorfdeppen, der still zuschaut anstatt zu reagieren. Sly mit leichtem Ansatz eines Bierbauches wirkt anfangs sehr deplatziert in diesem Film. Aber auf seine Art – schweigsam, leichter Hundeblick – füllt er die Figur des Freddy perfekt aus. Was man vom Rest der Besetzung nicht unbedingt sagen kann.

Harvey Keitel wird gar nicht erst von der Leine gelassen. Den fiesen Obermotz der korrupten Polizisten kauft man ihm nur stellenweise ab. Schlimmer erwischt hat es da nur noch Robert De Niro. Der geht mit seiner Mini-Rolle als Leiter der Untersuchungen interner Angelegenheiten ganz und gar unter. Er darf ja auch nur ein, zwei Mal sein Gesicht in die Kamera halten und das war’s. Ray Liotta kann es da von den „namenhaften“ Schauspielern noch am ehesten herausreißen – was aber möglicherweise daran liegen könnte, dass er die einzige Rolle im Film hat, die tatsächlich zwielichtig und opportunistisch angelegt ist. Liotta ist Good Cop-Bad Cop in einer Person, während alle anderen einer klaren Gruppe zugeordnet sind.

Den Rest muss in „Cop Land“ irgendwie Sly besorgen – vielleicht als Hommage an seine Ein-Mann-Armee Rambo geht er irgendwann schwer bewaffnet gegen seine Kollegen und Freunde los. Wem die Geschichte eines einsamen Sheriffs in einer korrupten Stadt schon etwas an Western erinnert, der wird am Ende des Films mit der vollen Ladung Western-Klischees versehen: besonders, wenn Sly sich aufmacht, seinen Gefangenen abzutransportieren, wartet man nur darauf, dass er seinen Cowboy-Hut aufsetzt und los reitet. Was dann folgt, ist dann das Action-Highlight des Films: in schneller Abfolge (und in bester Lone-Gunmen-Manier) erledigt Sly die bösen Jungs und darf dann am Ende der große Held sein. Er reitet zwar nicht in den Sonnenuntergang, fährt aber mit seinem Auto zügig davon.

Ein „Al Pacino“-Konkurrent wird Sly mit seiner ernsthafteren Rolle nicht und das obwohl Sly noch das überzeugenste an „Cop Land“ ist. „Cop Land“ ist schon irgendwie ein Phänomen für sich: streckenweise viel zu langatmig und trotzdem bleiben die meisten Figuren oberflächlich. Mangold nutzt weder seine großen Stars noch das Potential der Story voll aus.

Vielleicht wäre bei „Cop Land“ weniger mehr gewesen. Vielleicht wäre ja auch ein Remake das richtige – beispielsweise könnte ich mir gut „Cop Land“ als Martin Scorcese-Film vorstellen. Mit Leo als Slys Nachfolger 😉

Wertung: 5 von 10 Punkten (Stallone überzeugt, der Rest leider nicht)

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6 Kommentare leave one →
  1. christiansfoyer permalink
    20. September 2010 15:00

    Den will ich mir die Tage auch nochmal ansehen, hab den auf jeden Fall besser in Erinnerung, als du ihn bewertest. Mal schau’n…
    Schauspielerisch gehört der Film so oder so zu Stallones besten Sachen (gegen sehr viel ernsthafte Konkurrenz tritt er da ja auch nicht an ;))

    • donpozuelo permalink*
      20. September 2010 17:18

      Auf ernsthaftere Konkurrenz trifft er schon, aber diese Konkurrenz wird einfach nicht gefordert. Wenn De Niro und Keitel hier richtig Raum hätten, wäre Sly komplett untergegangen.

      Interessanterweise habe ich gelesen, dass Sly nach diesem Film echt Schwierigkeiten hatte, Rollen zu bekommen. Die Rolle hat er zwar sehr gut gemacht, aber ernst wollte ihn scheinbar keiner.

      • christiansfoyer permalink
        20. September 2010 19:23

        Ich meinte gar nicht die schauspielerische Konkurrenz innerhalb dieses einen Films, ich meinte die Konkurrenz innerhalb Stallones eigener Filmographie. Da ist’s für ihn nicht schwer, mit einer ordentlichen Leistung gleich seinen mimischen Karrierehöhepunkt hingelegt zu haben

        • donpozuelo permalink*
          20. September 2010 22:06

          Achso…

          Ja, da hast du wohl Recht. Nur leider ist danach nicht mehr viel in die Richtung gekommen. Aber gut, vielleicht hat der Misserfolg des Films ihn in die Schranken gewiesen.

  2. 20. September 2010 19:08

    Ich meide alles, was irgendwie mit Sly zu tun hat – ich kann den Typen einfach nichts ausstehen.

    • donpozuelo permalink*
      20. September 2010 22:08

      Ach komm, so schlimm ist der Gute nun auch wieder nicht. Versuch’s mal mit „Rambo“ (aber bitte nur Teil 1 – schau mal bei christiansfoyer nach 😉 ) oder „Lock Up“ – so ein Knastfilm, den fand ich eigentlich auch immer ziemlich gut.

      Klar hat Sly sich nicht mit Ruhm bekleckert, ihn aber ganz außer Acht lassen würde ich aber auch nicht. Immerhin hat er sich auch verewigt in der Welt des Films (siehe Rambo und Rocky :D)

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