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Dreist gewinnt!

13. September 2010

Hollywood – die Traum und Alptraum-Fabrik. Hier werden Filme am Laufband produziert (ok, eigentlich steht Hollywood nicht an erster Stelle der Filmproduktionen, aber egal), Stars werden geboren, Stars gehen unter. Drehbücher werden geschrieben – manche eher schlecht als recht. Aber bevor aus einem Drehbuch ein Film wird, muss vieles geschehen.

So viel weiß Produzent Bowfinger (Steve Martin) auch. Nur leider steht er noch vor viel größeren Problemen: er hat keinen Erfolg und eigentlich keine Aussichten darauf, seinen neuesten Film „Chubby Rain“ überhaupt auf die Leinwand bringen zu können. Aber Bowfinger hat Ambitionen und Ehrgeiz. Frei nach dem Motto „Mit einem Messer im Rücken gehen wir noch lange nicht nach Hause“ macht sich Bowfinger daran, seinen Film zu realisieren. Befreundete Schauspieler werden engagiert, Technik wird bei einem Studio „entliehen“ und mexikanische Einwanderer an der Grenze als Mitarbeiter „engagiert“. Mit Daisy (Heather Graham) ist der weibliche Star vorhanden, fehlt nur noch ein großer Name für die Hauptrolle. Für Bowfinger kommt da nur Kit Ramsey (Eddie Murphy) in Frage – einzige Schwierigkeit: Ramsey will nichts von Bowfingers Film wissen. Und so wird der Film ohne Ramseys Wissen trotzdem mit ihm gedreht: Bowfingers Schauspieler lauern dem Star einfach überall auf und drehen mit versteckter Kamera.

„Bowfingers große Nummer“ von Frank Oz nach einem Drehbuch von Steve Martin macht eigentlich alles richtig, was eine Komödie über die Traumfabrik Hollywood nur richtig machen kann. Mit wunderbarer Leichtigkeit wird hier der Traum vom großen Ruhm porträtiert – mit all seinen Klischees:

  1. Da wäre zum einen Daisy: ein Landei mit der Hoffnung ein Star zu werden. Hübsch, blond, naiv. Naiv? Vielleicht nicht ganz: Immerhin schaltet Daisy schnell und springt von Person zu Person. Je nach Macht und Kontrolle über ihre eigenen Szenen sucht sie sich denjenigen, der sie besser im Film aussehen lassen kann. Dabei bricht sie zwar der halben Crew das Herz, aber sie geht ihren Weg.
  2. Kit Ramsey ist das Symbol schlechthin für ein abstrusen Hollywood-Star. Ramsey ist fest davon überzeugt, Opfer einer Verschwörung zu sein, die verhindert, dass er als schwarzer Schauspieler ernsthaft anerkannt wird. Was an Ramseys Figur aber eigentlich das Beste ist, ist seine Paranoia vor Außerirdischen. Da passt es gut, dass Bowfingers Film von Außerirdischen handelt und Ramsey so immer wieder mit den Film-Aliens konfrontiert wird.
  3. Bei all den Schauspielern, die sich in Hollywood der großen, herrlichen Sekte… oh, Verzeihung… Kirche Scientology anschließen, darf ein kleiner, aber feiner Verweis auf die Sekte… upps, schon wieder… Kirche natürlich nicht fehlen. „MindHeads“ heißen die hier und haben Ramsey mehr unter Kontrolle als irgendeiner seiner Agenten oder Produzenten.

Ich bin ja eigentlich kein sonderlicher Steve Martin-Fan, aber „Bowfingers große Nummer“ ist ihm wirklich gelungen. Das richtige Tempo, die richtige Besetzung und eine Geschichte, die immer zwischen Realität und Fiktion hin und her pendelt. Mit Realität ist natürlich auch nur die Realität gemeint, die wir glauben zu kennen. Und inwieweit die der Wirklichkeit entspricht, kann keiner sagen. Aber das Haibecken Hollywood wird trotzdem sehr schön auf die Schippe genommen: Eddie Murphy bietet hier eine grandiose Darstellung als von MindHead ferngesteuerter, paranoider Star UND als dämlicher Bruder des Stars, der irgendwann genommen wird, um absurde Action-Szenen drehen zu können. Heather Graham liefert eine liebenswerte Performance und Steve Martin ist der Kleber, der einfach alles zusammenhält – mehr oder weniger.

Timing ist bei einer Komödie alles. Und gutes Timing beweisen Frank Oz und Steve Martin auf jeden Fall. „Bowfingers große Nummer“ wird nicht langweilig, ist immer herrlich bissig und schafft es trotz aller Kritik am System Hollywood den Traum von Hollywood nicht zu zerstören: Im Gegenteil – dreist gewinnt und wer nur an sich glaubt, der kommt auch irgendwie zu Erfolg.

Somit gibt es eine der besten Hollywood-Satiren überhaupt, die am Ende sogar noch jeden bestärkt, der was erreichen will. Es muss ja nicht immer in Hollywood sein 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (Filme machen ist schwer, aber nicht unmöglich. Das gleiche gilt für Erfolg!)

3 Kommentare leave one →
  1. 13. September 2010 11:23

    Lief der nicht letzens gerade im Fernsehen?

    • donpozuelo permalink*
      13. September 2010 11:55

      Jap, deswegen ja jetzt auch der Bericht!!! 😉

  2. 13. September 2010 11:57

    Macht Sinn. 😀

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