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Wo war Chuck Norris?

3. September 2010

Ja, wo war er denn? In einem Film, der damit wirbt, all die großen Old-School-Action-Helden längst vergangener Tage zu vereinen, hat mir dann doch irgendwie der Texas Ranger gefehlt. Aber auch nur für einen winzig kleinen Moment, denn schließlich hält Sylvester Stone, was er verspricht und sammelt einige alte Gesichter des Action-Genres vor der Kamera: Bruce Willis, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Arnold Schwarzenegger, Mickey Rourke (obwohl ich den nicht unbedingt zu den Action-Typen zählen würde), Jet Li, Jason Statham (gehört nicht zu den alten Hasen, aber neues Blut muss ja auch dabei sein) und natürlich Sly höchstpersönlich stehen in „The Expendables“ unter der Regie von Stallone vor der Kamera.

Er wollte mal wieder einen Old-School-Action-Film machen, in dem Männer noch Männer sind, hat Stallone in einem Interview gesagt und das ist ihm wohl irgendwie auch gelungen. Ein Söldnertrupp soll einen bösen Diktator (David Zayas, Angel  aus „Dexter“) um die Ecke bringen. Doch der entpuppt sich nur als Marionette für einen viel böseren Feind.

Mehr muss man zu der Story von „The Expendables“ nicht sagen. Vielmehr gesagt wird eh nicht, was auch gut ist. Dieser Film bleibt dem Motto „Hirn aus, Film ab“ nämlich mehr als nur treu: die Story ist allenfalls lachhaft, viel Tiefgang darf und sollte man nicht erwarten. Dafür werden hier Männer mit Muskeln und Herz präsentiert, die sich ganz klassisch für die hübsche Jungfrau von nebenan in den Krieg stürzen und dabei ordentlich Zeug in die Luft gehen lassen.

Die Action-Szenen sind herrlich: Viel Knall und viel Bumm. Es wird wild geschossen, wild in die Luft gejagt, wild gekämpft. Jeder aus Slys Söldnertruppe vergisst in sehenswerter Manier Kunstblut, bricht Knochen, tötet einfach ordentlich viele von den Bösen.

„The Expendables“ ist vielleicht wirklich Old-School, lässt aber den Charme der alten Action-Filme vermissen. Die geliebten Einzeiler, dumme Sprüche oder wenigstens ein bisschen Ironie wären ganz nett gewesen. Aber teilweise wirken die Dialoge (ja, es gibt welche!!!) doch etwas hölzern und schwer. Es scheint fast so, als hätte Sly alles an Bissigkeit in die eine einzige Szene gesteckt, in der er Arnold Schwarzenegger trifft, der im Film seinen Konkurrenten spielt: Treffen in einer Kirche, Arnie kommt wie ein Engel aus dem Licht, Zigarre im Mund, ernst und wissbegierig. Dazu der abschließende Kommentar von Sly, warum Arnie so verbissen wirkt: „Er will wohl Präsident werden!“ Herrlich schöne Szene, die heraussticht. Danach verlässt Sly dann aber wieder die Kreativität und es bleibt 08-15.

Aber 08-15 steht vielleicht genau für das, was Sly mit diesem Film (gewollt oder ungewollt) zeigt: expandable – entbehrlich, überflüssig: In zahlreichen neuen Actionfilmen ist Old-School schon längst überflüssig. Wichtiger sind Effekte, Effekte, Effekte. Den wahren Action-Helden gibt es nicht mehr. Alle Schauspieler, die in „The Expandables“ auftreten, haben ihre besten Zeiten auch schon hinter sich gebracht, stehen aber immer noch stellvertretend für Action. Denn: Wen kennt man heute als modernen Action-Helden wirklich? Und wie sehr ist Action-Film noch Action? Der Action-Film hat seine besten Tage vermutlich auch schon hinter sich: die Geschichten sind alle erzählt, wenn selbst moderne Filme wie „Salt“ wieder alte Rivalitäten wie Russland vs. USA aufgreifen . Eigentlich schade, denn Sly beweist doch recht eindrucksvoll, dass zumindest Old-School noch wunderbar funktioniert. Wir bräuchten nur mal wieder einen richtigen Bruce Willis oder Stallone (oder Chuck Norris ;)). Dazu wäre dann aber bitte eine etwas spannendere Geschichte toll.

Sly schafft es zwar zu locken: er hält mit seinem Ensemble-Film, was er verspricht – die alten Action-Helden vereint in einer netten Gewaltorgie à la fünf Leute gegen eine ganze Armee. Ein netter Abgesang auf den Action-Film der 80er, in dem die Slys und Arnies uns noch verzücken konnten. Aber für alle, die jetzt kommen, gilt: Etwas mehr müsste schon geboten werden. Obwohl ein Mickey Rourke so wie er hier auftaucht immer wieder gerne gesehen wird.

Wertung: 7 von 10 Punkten (es knallt ordentlich – laut genug, um alle Zweifel im Kopf zu übertönen)

16 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    3. September 2010 14:06

    Chuck Norris war da – aber wenn er nicht gesehen werden möchte, dann bekommt ihn niemand zu Gesicht!

    • donpozuelo permalink*
      3. September 2010 14:50

      Ach so ist das 😉 Naja, dann sollte ich mir den Film wohl noch einmal anschauen und ganz genau hingucken.

  2. 3. September 2010 16:38

    Also wenn wir schon mit Chuck Norris anfangen, wo war Jean-Claude van Damme und wo Steven Seagal? 😀

  3. donpozuelo permalink*
    3. September 2010 20:02

    Van Damme hatte, so weit ich weiß, sogar ein Angebot bekommen. Hat aber – aus unerfindlichen Gründen – abgelehnt. Steven Seagal fehlt auch, theoretisch fehlen noch eine ganze Menge… aber Ralf Möller???? Ich glaube ja nicht 😉 wann war der schon mal groß irgendwo zu sehen??? (Außer in Gladiator)

  4. CharlesDexterWard permalink
    3. September 2010 20:17

    :-)) stimmt Chuck fehlt.
    Ich schließe mich Dr.Borstel an, der steht nur im Gebüsch, getarnt von seiner enormen Aura!

    Gut, Du nun auch nicht so begeistert, dann schraube ich meine Erwartungen mal ganz runter.

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2010 10:41

      Ja, ich hatte mir etwas mehr… keine Ahnung, was, aber irgendwie hatte ich mehr erwartet. Einfach ein wenig mehr Witz. So eine Art „Shoot ‚Em Up“ mit etwas mehr Leuten. Aber naja… man kann ja nicht alles haben.

  5. luzifel permalink
    4. September 2010 14:10

    Hm.. Ich war doch sehr überrascht wie platt dieser Film war. So dass ich trotz dieses unsagbar geilen Casts deutlich enttäuscht wurde. Ich bin auch von deinen 7 von 10 sehr überrascht – ich hätte 5,5 bis maximal 6 gegeben weil einige Sprüche und Szenen sehr cool waren, etwa wenn die Figur von Jet Li aus ständig neuen Gründen mehr Geld verlangt oder eben die bereits erwähnte Szene mit Willis, Arni und Sly in der Kirche.
    Sehr gut fand ich übrigens die Rolle von Mickey Rourke – die hat mich tatsächlich bewegt..
    Aber über 6 von 10 und damit Actiondurchschnittskost kommt er nicht hinaus und das verschenkte Potential ist bedauerlich..

    Grüße, Luzifel..

    • luzifel permalink
      4. September 2010 14:14

      PS: Den neuen A-Team-Film fand ich hingegen ziemlich geil. War positiv überrascht davon und kann den auch nur weiterempfehlen. Dazu muss man dann aber eine Warnung aussprechen: BA ist nicht Mr.T! Das war auch schon der einzige Kritikpunkt.

      • donpozuelo permalink*
        4. September 2010 14:21

        Naja, ich bin halt mit recht schlichten Erwartungen an diesen Film herangegangen… von daher rechtfertige ich meine 7 von 10. 😉 Und ein paar Sachen waren ja schon ganz nett.

        Beim „A-Team“ bin ich mir immer noch etwas unschlüssig…

  6. 7. September 2010 21:54

    Schon oft gesagt, ich bin ein Kind der 90er, meine Actionhelden sind Smith (also Clive Owen aus Shoot’em Up) und natürlich Jason Bourne, (auch wenn die ernstgenommen auch nicht mehr 90er sind^^)

    • donpozuelo permalink*
      8. September 2010 07:34

      😉 ja, ich kenne die ganzen Leute auch eher aus der „Retrospektive“ 😉

      Aber man kennt sie halt irgendwie…

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