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Ein „echter“ Junge

1. September 2010

Man kann von Steven Spielberg halten was man will, aber der Mann macht einfach aus jedem Film einen guten Film. Bis jetzt gibt es nur einen einzigen Spielberg-Film, der mir wirklich nicht gefallen hat und das war der vierte Teil von „Indiana Jones“. Aber alles andere hat sich bis jetzt eigentlich immer gelohnt.

So auch „A.I. – Artificial Intelligence“, in dem Spielberg Pinocchio in die Zukunft verfrachtet. In einer Welt voller Roboter erschafft ein Wissenschaftler (William Hurt) das Roboter-Kind David (Haley Joel Osment), dem Gefühle eingeprägt werden – die Liebe zu seiner Mutter Monica (Frances O’Connor). Problematisch wird die Beziehung zwischen David und seiner „Mutter“ erst, als die ihn abschiebt, weil ihr echtes Kind aus dem Koma aufwacht. David reist nun durchs Land auf der Suche nach der Blauen Fee, die ihn in einen echten Jungen verwandeln soll, damit seine Mutter ihn wirklich liebt. Auf dieser Suche begegnet er dem Roboter-Gigolo Joe (Jude Law) und den Tücken des Lebens außerhalb der behüteten Wände seines Zuhauses: denn nicht alle Menschen lieben die Roboter.

Mit „A.I.“ schafft Spielberg einen wirklich bezaubernden Film mit einem großartigen Haley Joel Osment als kleinem Roboter-Jungen. „A.I.“ zeigt Spielberg von seiner besten „Märchen-Onkel“-Seite: eine fantastische Zukunft, tolle Kulissen, eine abenteuerliche Reise, liebevolle Nebenfiguren – mein persönlicher Favorit ist da immer noch der kleine Teddy, Davids ständiger Wegbegleiter.

Spielbergs Zukunftsvision ist ein Wechselbad der Gefühle: alles ist dabei – Action, Spannung, Dramatik, Komik und zum Ende hin ein herrlich tränenreiches Happy-End (bei dem ich mich immer frage, was wohl der arme Teddy ganz alleine so macht – wäre vielleicht ein Spin-Off wert: Die Abenteuer von Teddy, nachdem seine Reise mit David beendet ist).

Aber egal, wie oft ich mir „A.I.“ anschaue, eines bleibt mir immer im Hinterkopf: Eigentlich ist „A.I“ ja Stanley Kubricks Baby. Der hatte das aber zu Lebzeiten nicht mehr gemacht (ihm war die Technik noch nicht weit genug – denn er wollte einen komplett animierten David) und das Projekt später an seinen Freund Spielberg abgegeben. Was mich am meisten interessieren würde: Wie hätte „A.I.“ wohl ausgesehen, wenn Kubrick Regie geführt hätte?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir eine Mischung aus „2001 – Odyssee im Weltall“ und „Clockwork Orange“ bekommen hätten. Auf jeden Fall wäre es kein seichtes Märchen geworden. Wahrscheinlich wäre allein Gigolo Joe etwas härter gezeichnet worden. Ich meine, man merkt der Geschichte den Kubrick-Faktor schon ein bisschen an: das Roboter-Massaker im Stadion, bei dem vor tosendem Publikum Roboter zerhackt und zerteilt werden oder Rouge City, ein verruchtes Sin City der Zukunft, in dem Sex die Geschäfte dominiert. Kubricks Variante wäre sicherlich etwas härter, gewaltsamer und tiefgründiger bzw. ernster als Spielberg es macht. Aber auch die Spielberg-Variante hat seine ernsten Momente, die aber zum Ende leicht „verwässert“ werden.

Dennoch hätte es wohl keinen besseren treffen können, Kubricks letztes Science-Fiction-Baby auf die große Leinwand zu bringen, denn Spielberg bringt das Know-How für Blockbuster-Märchen mit, die sowohl Popcorn- als auch anspruchsvolles Kino sind.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Pinocchio goes to the future!!!)

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