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Die Welt ist ein Dorf

23. August 2010

Jeder kennt jeden, jeder weiß über jeden Bescheid. Man kann alles überall einkaufen, angucken, hochladen, runterladen, kommentieren, schreiben, etc. pp. Klar, es geht ums Internet – Social Network ist der Begriff, der Web 2.0 zum großen Kassenschlager macht. Im Internet scheint alles grenzenlos – alles frei nach John Lennons „Imagine“:

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace

Ein Leben in Frieden, das verspricht auch die virtuelle Welt „OZ“ im Film „Summer Wars“ von Mamoru Hosoda. Was „Second Life“ in Wirklichkeit sein wollte, das ist „OZ“ im Film: praktisch jeder fliegt hier virtuell durch die wunderbar farbenprächtige Welt, die ein wenig an einen verrückten LSD-Trip im Anime-Stil erinnert. Hier ist alles möglich, alles kaufbar, jeder ansprechbar. „Second Life“ – nur wesentlich besser. Und mit John und Yoko (ich weiß, was ihr jetzt denkt, aber es stimmt ;)) gibt es hier zwei riesige Wale, die als Wächter des Friedens durch OZ schwimmen.

In dieser Welt und in der realen Welt treffen wir auf Kenji, ein schüchterner Computer-Nerd, der von seiner Schulfreundin Natsuki zum Geburtstag ihrer Oma eingeladen wird. Kenji nimmt an, nichts ahnend, dass Natsuki ihn als ihren Verlobten vorstellen wird. Im Haus der großen Familie Natsukis kämpft Kenji nun mit den Problemen der realen Welt und ist umso glücklicher als er eines Abends einen Code zugeschickt bekommt, der geknackt werden möchte. Wunderkind das er ist, knackt Kenji den Code und ist schon am nächsten Tag für den Zusammenbruch von OZ verantwortlich – denn der Code erlaubt der künstlichen Intelligenz „Love Machine“ den Zugang zu OZ und damit zu allen Avataren darin.

Was anfängt wie „Selbst ist die Braut“ entwickelt sich ziemlich schnell zu einem Cyber-Armageddon, in der „Love Machine“ versucht, das Internet – und damit auch die Welt – zu zerstören. Aber es gibt Hoffnung – denn Networking funktioniert nicht nur virtuell, sondern Gott sei Dank auch immer noch in der Realität. Und so beginnt Netzwerk Familie den Krieg gegen Netzwerk Internet. Die herrlich skurille Familie Natsukis hält zusammen, besorgt Superrechner, Strom und Antennen, um den Kampf gegen „Love Machine“ zu beginnen.

Was in Filmen wie „Gamer“ und Co. bis jetzt nur bedingt funktioniert hat, klappt in „Summer Wars“ ausgezeichnet – der Übergang von Internet und Realität. Mag wohl auch daran liegen, dass „Summer Wars“ als Anime mit den Gesetzen des Trickfilms besser die virtuelle mit der realen Welt vermischen kann. Und so erleben wir immer wieder eine kreischbunte und die triste Real-Welt.

Die echten Menschen steuern ihre virtuellen Quietsch-Figuren gegen den immer mächtiger werdenden Feind „Love Machine“ und erleben am Ende eine große Überraschung. Es sei nur so viel verraten: Networking funktioniert auch in schlechten Zeiten.

„Summer Wars“ ist eigentlich durchweg ein komischer Film. Zwar soll der virtuelle Krieg ernst gemeint sein, aber irgendwie kann man das Ganze nicht wirklich ernst nehmen. Kleine lustige Viecher kämpfen fröhlich gegeneinander. Das unterhält ausgezeichnet, Spannung kommt aber trotzdem eher selten auf – dafür ist der Film dann doch ein wenig zu vorhersehbar. Trotzdem hat „Summer Wars“ ein sehr anziehende Wirkung – es ist der ständige Wechsel zwischen Hier und Dort und der Beweis, dass Familie in den schlimmsten Fällen immer dicht zusammenrückt und so auch den Weltuntergang verhindern kann. Oh… und natürlich sind wieder die Amis Schuld an allem.

Insgesamt ist „Summer Wars“ wirklich sehenswerte, leichte Unterhaltung – ein bisschen quietschbunt, kreisch-laut und komisch. Halt gute Nippon-Unterhaltung 😀

Wertung: 8 von 10 Punkten (für jeden Anime-Fan ein Muss und für jeden Second Life-Erneuerer sowieso – immerhin hat hier selbst der US-Präsident ein Avatar bei OZ)

15 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    23. August 2010 11:17

    Schau an, hätte ich nach dem eher durchwachsenen Trailer gar nicht mal gedacht. Wobei man nach „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ ja durchaus einiges erwarten durfte.

    P.S. Yoko ist ein Zwietrachtsäher, kein Friedenswächter! 😀

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2010 11:45

      Ich habe den Trailer vorher gar nicht gesehen, sondern wurde einfach so zu dem Film überredet.

      Dass Yoko eigentlich ein Zwietrachtsäer ist, ist klar. Aber in „Summer Wars“ bildet sie das perfekte Ying zu Johns Yang. Ohne John und Yoko würde die Welt von OZ nicht gerettet werden 😉

    • Dr. Borstel permalink
      23. August 2010 13:11

      Ey, jetzt fang mal bloß nicht an zu spoilern. 😉

      • donpozuelo permalink*
        23. August 2010 13:20

        Hey, ist doch offensichtlich: Wie im realen Leben sorgt Yoko für Liebe und Frieden 😛

  2. luzifel permalink
    23. August 2010 22:57

    Auf Summer Wars bin ich durch eine Rezension in der FAZ aufmerksam geworden und will den dringend noch gucken.. Ich bin hoch erfreut, dass er so gut bei dir ankam, dann ist ja auch schon klar, dass ich ihn geil finden werde ^^

    • donpozuelo permalink*
      24. August 2010 10:15

      😀
      Ich fühle mich geehrt, dass du so denkst 🙂

      Na dann schnell gucken. Ist wirklich witzig.

  3. luzifel permalink
    24. August 2010 17:36

    indeed.. geiler Film ^^ 8 von 10 war durchaus angemessen..

  4. 23. März 2014 17:08

    Einer meiner liebsten Animefilme. Schöner Artikel! Also die Bedrohung fand ich schon ganz schön real und gar nicht so abwegig, wenn man mal daran denkt wie penetrant Facebook nach Daten grabscht. Am mitreißensten fand ich diesen Zusammenhalt – dass zum Schluss alle feste mitmachen … frage mich an der Stelle immer was passieren muss, damit meine Familie mal nen Game Controller in die Hand nimmt. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      24. März 2014 09:12

      Ja…. mittlerweile wird der Film immer aktueller und aktueller. Fast schon ein bisschen gruselig. Trotzdem ein grandioser Film.

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