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Ein (Alb)Traum in Pink

20. August 2010

Klassische Teenie-Filme erzählen von Prom-Night, vom ersten Mal, von Alkohol und Drogen. In diesem Sinne wäre „The Loved Ones“ durchaus als Teenie-Film zu bezeichnen. Da gibt es Lola, die verliebt in Brent ist. Und da gibt es Holly, mit der Brent eigentlich zusammen ist, was Lola natürlich gar nicht gefällt.

Zum Glück für uns ist das aber jetzt kein normaler Teenie-Film, sonst würde er wohl nicht auf dem Fantasy Filmfest laufen. Und so wird aus der eifersüchtigen Lola die wohl krasseste Psycho-Bitch, die mir jemals auf der Leinwand begegnet ist. Dass Brent mit seiner Absage zu einem Date mit Lola sein eigenes Todesurteil unterschreibt, muss er (und wir als Zuschauer) sehr, sehr, sehr schnell lernen: Er wird von Lolas Daddy entführt und findet sich plötzlich in der abartigsten Prom-Night wieder, die das Kino gesehen hat: denn Lola ist Daddys kleiner Liebling und für die tut Daddy alles.

Der australische Filmemacher Sean Byrne bietet Teenie-Film vermischt mit… ja mit was eigentlich??? Absurde Familie wie in „Texas Chainsaw Massacre“, Folterszenen, die ähnlich wie bei „Hostel“ nicht vor dem Bohrer halt machen und Brent als auch den Zuschauer förmlich am Boden festnageln. Dabei wird Byrne nie ganz zum Voyeur: auf der einen Seite zeigt er genug, um einem den Atem stocken zu lassen, auf der anderen Seite erkennt er ganz genau den Moment, wann es ausreicht.

Im Kinosaal herrschte deswegen auch eine echt angespannte Stimmung, die wie eine Luftblase platzte, als Brent das erste Mal dazu kommt, sich richtig an seinen Peiniger rächen zu können: Plötzliches lautes Klatschen und Lachen erfüllten den Kinosaal und man war in richtiger euphorischer Stimmung. Am liebsten hätte ich Brent zugerufen: „Jawoll, jetzt gib’s Lola und ihrem Daddy!“

Endlich mal wieder ein Film, der es ordentlich in sich hat. Zum einen verdankt man das diesem herrlichen schrägen Drehbuch von Sean Byrne, der schön unkonventionell mit jedem Date-Movie abrechnet und jeden Folterhorrorfilm in den Schatten stellt. Denn während die sich alle superernst nehmen, ist „The Loved Ones“ einfach nur zum Schreien… komisch und gruselig zu gleich. Die Auflösung von Lolas Geschichte, ihrem Verhältnis zu ihrem Vater und zu ihren „vorherigen Freunden“ schockt ordentlich, bietet aber auch genügend Rechtfertigung, für das was Brent anschließend mit Lola und Daddy veranstaltet.

Dieser Film geht echt an die Grenzen, benutzt aber einen einfachen Trick, um den Zuschauer immer wieder etwas zu beruhigen: Neben Brents sehr unschönem Abend gibt es da nämlich noch die Geschichte von seinem besten Freund. Der hat – wie Brent – den Abend seines Lebens, aber in sehr, sehr positiver Art und Weise. Das hat zwar nichts mit der Geschichte an sich zu tun, funktioniert aber wunderbar, um etwas zu beruhigen. Ansonsten wäre „The Loved Ones“ selbst für mich eine Nummer zu hart gewesen.

„The Loved Ones“ ist großartiges Kino von Down Under für die ganz Harten. Robin McLeavy spielt als Lola die Rolle ihres Lebens. Einen besseren zuckersüß-bösen Blick und einen größeren Albtraum in Pink habe ich bis jetzt noch nicht im Kino gesehen. Und es ist auch McLeavy zu verdanken, dass man sich „The Loved Ones“ gerne anschaut – die Frau spielt einfach unglaublich. Dabei geht Xavier Samuel als Brent zwar etwas unter, aber egal, der Mann spielt seine Opfer-Rolle wunderbar und gibt McLeavy genügend Anlass einfach nur herrlich fies zu sein.

Wertung: 9 von 10 Punkten („was Lola will, das kriegt sie auch“ – so heißt es im Trailer. Und Lola will mehr Zuschauer. Dieser Film gehört für mich jetzt schon in die gut sortierte DVD-Sammlung ;))

P.S.: Tut euch bitte selbst einen Gefallen und schaut euch nicht den Trailer an: Da wird einfach zu viel verraten!!!

3 Kommentare leave one →
  1. 12. Mai 2011 14:45

    Okay, jetz werde ich ihn mir definitiv ansehen, auch wenn ich den Trailer schon gesehen habe.

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2011 14:48

      Mach das!!! Das ist wirklich ein grandioser Film.

Trackbacks

  1. 2010 « Going To The Movies

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