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La Meute

18. August 2010

Dieses Mal bin ich in der Wahl meiner Überschrift mal etwas unkreativ und wähle einfach den Originaltitel des Films: „La Meute“ war der Auftaktfilm fürs diesjährige Fantasy Filmfest und auch mein erstes Mal auf diesem Fest.

Warum ich so gänzlich unkreativ bin, liegt daran, dass ich nach dem Film noch schwer daran zu knabbern hatte. Was nicht unbedingt daran lag, dass der Film schlecht war, sondern daran, dass ich ihn einfach nicht verstanden habe.

Inhaltlich darf man über das Regiedebüt des Franzosen Franck Richard eigentlich auch nicht viel sagen, ohne zu viel zu verraten: Eine junge Frau nimmt einen Anhalter mit. Mit dem fährt sie in eine kleine Raststätte mitten im Nirgendwo – der Typ geht aufs Klo und kommt nicht wieder. Als Charlotte – so der Name der jungen Frau – nach ihm sucht, will keiner ihn gesehen haben. Neugierig wie sie aber ist, forscht sie weiter und findet sich bald darauf in einem netten kleinen Käfig wieder – während die Besitzerin der Raststätte und der ominöse Anhalter sie mit ekligem Zeug füttern.

„La Meute“ – „Die Meute“ fängt an, wie die uns schon bekannten rape-and-revenge-Filme. Man möchte fast laut aufschreien und rufen: „Das haben wir alles schon gesehen!“ Aber zugegeben, auch wenn es alles vertraut aussieht, wirft der Film (gewollt) mehr als nur eine Frage auf: Warum das Ganze? Was macht der kleine Japaner im Käfig nebenan? Und warum ruft er ständig nach John Wayne (der ihm übrigens nicht zur Hilfe kommt)? Warum wird unsere junge Protagonisten gebrandmarkt und wozu halten die beiden französischen Außensiedler sich mehrere Menschen in Käfigen?

Die Auflösung zu all diesen Fragen überrascht dann doch schon ordentlich. Denn was wie ein klassischer Entführungsthriller anfängt, wird dann doch noch ein ordentlicher Horrorfilm mit Splatter, Blut und herausgerissenen Herzen. Dieser Dreh in der Geschichte ist ganz nett, zumal er die Spannung noch einmal ein wenig anhebt. Nur leider sorgen das Ende für weitere Fragezeichen, die dann leider nicht mehr beantwortet werden – oder für die Teil 2 schon in Arbeit ist (was ich nicht hoffen will!!!)

Im Großen und Ganzen lebt „La Meute“ von seinen Schauspielern. Émilie Dequenne gibt eine junge, wilde Dame ab, die sich gerne mal mit Rockern anlegt, Rockmusik hört und eigentlich relativ schlagfertig ist. Dass sie am Ende auch nur das traurige Dasein eines Opfers verbüssen muss, schmerzt dann schon etwas. Benjamin Biolay spielt den Anhalter und Floterknecht mit erstaunlicher Ruhe – selbst im Angesicht des Todes bleibt der lakonische Langhaarige ruhig und gelassen: Frei nach dem Motto, wozu noch was tun, wenn eh alles entschieden ist! Den Vogel abgeschossen haben aber die alten Hasen in diesem Film: Yolande Moreau hätte Kathy Bates für „Misery“ sicherlich noch einige Tipps geben können, die psychopathische alte Dame noch besser zu spielen und Eric Godon als Möchtegern-Sheriff mit dem wohl skurrilsten T-Shirt aller Zeiten sorgt für ein paar herrliche Lacher.

„La Meute“ erinnert in Teilen an die alten Filme von Sam Raimi, wenn sich absurde Situationskomik mit Blut und Gewalt vermischen. Die Wendung der Geschichte vom Entführungsthriller hin zum reinen Horrorfilm funktioniert dann auch noch ganz gut, allein die Auflösung und der Schluss vermiesen einem die vorherige, recht gute Unterhaltung.

Alles in allem hatte ich mich zwar von einem Eröffnungsfilm auf dem FFF etwas mehr erwartet, aber es geht wohl eher darum, die richtige Stimmung aufkommen zu lassen, für die Filme, die da noch folgen mögen.

Wertung. 6 von 10 Punkten (die Blutspiele sind eröffnet – ich hoffe, ich schaffe es noch zu ein paar anderen, etwas besseren Filmen des Festivals)

6 Kommentare leave one →
  1. CharlesDexterWard permalink
    18. August 2010 10:22

    Zu gerne hätte ich gestern die letzten 10 Minuten noch mal zurückgespult; ja, ich war ziemlich enttäuscht, denn mit der „Auflösung“ oder dem „Sinn“ des Ganzen kamen bei mir auch Fragen auf, was zum Beispiel das Brandmarken sollte. Aber ich möchte hier nicht spoilern, insgesamt fand ich „La Meute“ sehr schwach und teils schon laienhaft inszeniert, da halfen auch nicht die zugegebenermaßen guten Darsteller. Eigentlich wäre ich an manchen Stellen sogar gerne rausgegangen, weil es so peinlich war.
    Nee, damit konnte ich nix anfangen.

    • donpozuelo permalink*
      18. August 2010 15:42

      Ja, da geb ich dir Recht. Die letzten Minuten waren wirklich mehr als nur fragwürdig.

      Weswegen ich aber eher rausgegangen wäre, war die leicht angetrunkene Frau, die in einiger Entfernung auf den Treppen saß und jede Szene lauthals kommentieren musste. 😉 Zum Ende hin war sie aber sogar interessanter als der Film 😀

      • CharlesDexterWard permalink
        19. August 2010 10:28

        Echt? Habe ich gar nicht mitbekommen, aber ich sitze auch immer recht weit vorne 😀

        • donpozuelo permalink*
          19. August 2010 11:13

          Hmm… bei Filmen mit Untertiteln sitze ich lieber etwas weiter hinten.

          Ich hoffe, die gute Frau ist heute nicht wieder da. Da will ich meine Ruhe haben 😀

  2. 18. August 2010 11:43

    Bei mir in der Nähe startet das FFF erst in einer Woche. Da ich auch noch die da war, will ich mal reinschnuppern. Also, schau dir noch ein paar Filme an, damit ich weiß, was sich lohnen könnte 😉

    • donpozuelo permalink*
      18. August 2010 12:40

      😀
      Das habe ich vor. Morgen wollte ich eigentlich gleich zum nächsten Film laufen. Wer weiß, ob man die Filme, die hier laufen, jemals wieder im Kino sehen kann. Den meisten bleibt ja der Weg ins Kino verwehrt und sie kommen gleich auf DVD raus.

      Schade eigentlich… aber die Trailer, die ich bis jetzt so gesehen habe, sehen sehr gut aus.

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