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ONE PIECE und ich

11. August 2010

Ich gebe es offen zu: Meine Beziehung zu „One Piece“ ist noch eine recht junge. Früher hatte mich die Serie immer etwas abgeschreckt, weil ich sie nur für eine weitere Endlos-Anime-Serie hielt, die das Nachmittagsprogramm von RTL II bereichern und in der es fünf Folgen dauert, bis überhaupt mal ein Kampf entschieden ist.

Als ich dann meine Magisterarbeit schrieb und zur Entspannung nachmittags joggen ging (ja, ja, so was gab es mal ;)), lief nach meiner Lauf-Tour immer ONE PIECE. Und weil zu dem Zeitpunkt nichts besseres lief, bin ich dabei geblieben. Und habe so die Serie lieben gelernt.

Dann fehlte nur noch ein freundlicher Hinweis eines guten Freundes, wo man denn alle Folgen im Original mit Untertitel sehen kann, und schon war ich gefesselt.

Nach den ersten 330 Folgen entschließe ich mich nun ein Fazit zu ziehen – wohl eher ein Zwischenfazit, denn man kann so ziemlich davon ausgehen, dass es noch einmal 330 Folgen sein werden, bevor vielleicht ein Ende in Sicht sein könnte.

Die Story zu ONE PIECE ist eigentlich relativ schnell erzählt: Wir begleiten die Strohhut-Bande auf dem Weg zum größten Schatz der Welt – dem One Piece. Diese Welt ist eine Welt voller Piraten und Abenteuer, in der Kapitän Ruffy (oder auch Luffy im Original) König der Piraten werden will. Im Laufe der Zeit sammelt Ruffy eine interessante Mannschaft um sich, die bis Folge 330 wie folgt aussieht: da wären der Koch Sanji, Navigatorin Nami, Kämpfer Zoro, Scharfschütze Lysopp (oder Usopp), Archäologin Nico Robin, Doktor Chopper und Cyborg/ Schiffbauer Franky. Dazu sollte man vielleicht erwähnen (für alle, die es nicht wissen): Ruffy, Nico Robin und Chopper haben von einer Teufelsfrucht gegessen: Damit wird Ruffy zum Gummi-Mann, Nico Robin zur Frau mit tausend Armen und Chopper ein Rentier mit menschlichem Charakter.

Teufelsfrucht-Esser gibt es in der Welt von ONE PIECE unzählige, von daher ist die Vielfalt der Gegner gegeben. Dazu kommt noch die Marine, die Weltregierung und noch zig andere feindselige und weniger feindselige Gesellen, die dafür sorgen, dass es eigentlich nicht langweilig werden kann in der Welt der Piraten.

Aber wie kann es eigentlich sein, dass es nach 330 Folgen noch nicht langweilig geworden ist? Ich kann da nur von mir sprechen:

Obwohl ONE PIECE mit momentan 460 Folgen (und kein Ende in Sicht) ganz klar in die Kategorie „Endlos-Serie“ gehört, ist sie einfach nur genial gemacht. Warum es nicht langweilig wird, liegt wohl unter anderem daran, dass wir uns in einer riesigen Welt befinden. Die Grand Line bietet zahlreiche Inseln (selbst Inseln in den Wolken), auf denen unsere Crew die merkwürdigsten Menschen kennenlernt. Dazu gibt es dann immer eine gute Ladung Landesgeschichte und hier und da ein weiterführendes Geheimnis, wie die merkwürdigen Ponyglyphen, nach denen Nico Robin forscht.

Aber natürlich geht es nicht wirklich um die Welt von ONE PIECE, sondern um die Strohhut-Bande. Und die ist echt jeden Lacher wert: Vor allem der Frauenversteher Sanji, der leicht bescheuerte Usopp, der ängstliche Chopper und Kapitän-Kindskopf Ruffy sorgen mit ihren Eigenarten für so manche witzige Situation. Hier alles aufzuzählen, wäre sinnlos. Wichtig ist nur, dass die Macher der Serie eine grandiose Bande geschaffen haben, die sich mit ihrem Ehr- und Gemeinschaftsgefühl durch Dick und Dünn bewegen und es mit jedem Gegner aufnehmen. Solange es für die Gruppe ist.

Und hier kommen wir zu dem vielleicht schwierigsten Punkt von ONE PIECE: die Kämpfe. Die können sich manchmal echt in die Länge ziehen und mehrere Folgen füllen. Dabei bleibt die Serie aber immer zuverlässig: Egal wie schlimm es wird, am Ende gewinnen die Strohhüte trotzdem. Sie stecken zwar immer ordentlich ein, teilen aber ebenso gut aus. Die Art und Weise, wie gekämpft wird, unterscheidet sich nicht großartig von anderen Serien. Jeder Move hat seinen Namen und wird vorher lautstark herausgebrüllt. Kann manchmal etwas nervig sein, aber ich sehe darüber hinweg.

Zum Glück besteht die Strohhutband aus mehreren Personen. Also trennt man die Gruppe einfach, konzentriert sich pro Folge nur auf ein bestimmtes Grüppchen und mit der richtigen Mischung und den perfekten Cliffhangern fällt es dann gar nicht mehr auf, dass sich seit 10 Folgen Piraten mit ihren Gegnern kloppen.

Der Wechsel der einzelnen Geschichten passt also. Insgesamt schaffen es die Macher dann auch meist, den Punkt zu treffen, wo sie aufhören müssen. Danach gibt’s ne Ruhepause und auf geht’s zum nächsten Abenteuer.

Dass ONE PIECE sich dabei ziemlich gewalttätig präsentiert, scheint klar. Was mich aber echt erstaunt hat, wie brutal das Original wirklich ist. Während die TV-Variante versucht kindgerecht zu sein, spritzt im Original das Blut in Fontänen. Da werden Menschen durchbohrt und durchlöchert, da brechen die Knochen, da fließt das Blut. Wenn das japanische Kinderunterhaltung ist… auweia.

Aber egal, neben viel Gewalt gibt’s auch immer viel Gefühl. Wir leiden mit, wir fiebern mit. Wir sind eins mit der Strohhutbande. Einer für alle und alle für einen – das könnte auch das Motto von ONE PIECE sein. Und so sitze ich am Ende echt traurig da, als das erste Schiff der Piraten – die Flying Lamb (Going Merry) – nach langer Reise seinen Geist aufgibt und in Flammen aufgeht. Ok, das neue Schiff ist dann auch tausendmal cooler, aber trotzdem…

ONE PIECE… das ich dieser Serie mal so verfalle, hätte ich auch nicht für möglich gehalten, aber es ist wahr. Das einzige, was ich mir tatsächlich wünsche, ist, dass ich das Ende der Serie zu meinen Lebzeiten noch erleben darf 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (kultig ohne Ende im wahrsten Sinne des Wortes)

25 Kommentare leave one →
  1. 11. August 2010 12:09

    „Wenn das japanische Kinderunterhaltung ist… auweia.“
    So weit ich weiß, sind Mangas und Animes in Japan ja ohnehin weit mehr als nur Kinderunterhaltung, sondern hoch angesehene Kultur. Bei uns verkommen Comics, Cartoons, etc. eben zur Kinderunterhaltung.

    Vor Jahren habe ich die Serie bei RTL II verfolgt, habe aber irgendwann das Interesse daran verloren (wie an allen anderen Animes).

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2010 16:46

      Naja, ich finde ja alle RTL II-Serien irgendwie nicht sehr toll. Keine Ahung, ob’s am Sender liegt oder an den Serien. Aber lange durchgehalten habe ich die nie. 😉

  2. Dr. Borstel permalink
    11. August 2010 13:22

    In der Tat werden Manga und Anime in Japan von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen konsumiert, trotzdem richtet sich One Piece eher an ein jüngeres Publikum. Als Kenner (und Fan) des Mangas kann ich bestätigen, dass es durchaus mal blutig zur Sache geht, und es kommt auch durchaus mal vor (wenn auch nicht oft), dass einer der Strohhüte mal einen Kampf verliert. Die Gegner wie auch die Storylines sind schräg und abwechslungsreich genug, dass die Geschichte eigentlich nie langweilig wird, obgleich der Manga mittlerweile bei Band 55 angekommen ist. Zumal die Kämpfe immer epischer werden, auch mal ehemalige Feinde zu Verbündeten werden und trotz des Endlos-Charakters die Story immer in eine gewisse Richtung steuert. Außerdem wird die Geschichte auch nicht allein von den Kämpfen getragen, wie das zB. bei „Dragon Ball Z“ der Fall war; ein bisschen mehr steckt schon dahinter. Meiner Meinung nach wird die Geschichte immer besser und macht einfach einen höllischen Spaß. Prädikat Lieblingsmanga. =D

    Zur Serie: Ja, die habe ich früher auch regelmäßig gesehen, bis zur Himmelsinsel, glaube ich. Ich sage mal, sie schafft es, 90% des Charmes des Originals zu übernehmen. Ein wenig besser ist die Vorlage schon; das mag aber daran liegen, dass ich Manga generell lieber mag als Anime. Trotzdem macht die Serie großen Spaß.

    Dann fehlte nur noch ein freundlicher Hinweis eines guten Freundes, wo man denn alle Folgen im Original mit Untertitel sehen kann – Das würde mich nun aber auch interessieren; ich kenne die Serie nämlich nur synchronisiert. 😉

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2010 16:45

      Klar, hier wird zum Glück nicht alles über die Kämpfe getragen. Und da die Serie immerhin einem bestimmten Ziel entgegensteuert, ist sie nicht so „ziellos“ wie manch andere.

      Zum Vergleich Manga – Anime kann ich nicht viel sagen. Ich schaue eigentlich nur den Anime. Aber der reicht mir so erst einmal aus.

      Für alle, die mehr sehen wollen, empfehle ich die berühmt-berüchtigte Seite http://www.watch-onepiece.com

  3. 11. August 2010 17:46

    Ich muss erstmal verdauen, dass Borstel One Piece liest. 😯

    Nur um dann zuzugeben, dass bei mir auch alle 55 Bände stehen. 😉
    Die Abgedrehtheit der Serie und auch der mitunter ernste Charakter, wenn es um die Vergangenheit der Strohhüte oder die politischen Wirren der Welt geht, finde ich einfach nur großartig. Dass dennoch eher ein jüngeres Publikum angesprochen werden soll, merkt man mitunter daran, dass in der Gegenwart keine einzige gute Person stirbt (in der Vergangenheit fallen sie aber wie die Fliegen). ^^

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2010 17:55

      Jetzt muss ich verdauen, dass ihr tatsächlich beide den Manga lest 🙂
      Obwohl eigentlich auch nicht 😉

      Wenn tatsächlich einer sterben würde, würde das wahrscheinlich einen Aufschrei ungeahnter Lautstärke mit sich bringen, oder??? Ich meine, gerade bei der Serie sind doch eh alle (fast) unbesiegbar. Und selbst wenn, dann findet sich ein zweiter, der besser mit hilft.

      Egal, wie sie es machen, solange sie schön abgedreht bleiben, ist alles in Ordnung.

      • 11. August 2010 18:15

        Amen! 😀

      • Dr. Borstel permalink
        13. August 2010 10:07

        Da schau an, Laosüü auch! 😀 Hätte ich mir ja fast denken können.

        @Don: Danke für den Link. Ob ich mich jetzt noch bis zum nächsten Manga-Band gedulden kann oder doch schon weiterschaue? Es ist ja gerade so megaspannend. 😉

        • donpozuelo permalink*
          13. August 2010 10:31

          Gern geschehen.

          Ob weitergucken… oder weiterlesen… das musst du wohl selbst entscheiden. 😉

        • luzifel permalink
          14. August 2010 09:57

          *räusper* Ich lass mal hier die Adresse fallen an der man diverse Manga fanübersetzt lesen kann..

          http://www.haven-reader.net/

          Grüße, Luzifel..

  4. luzifel permalink
    11. August 2010 22:36

    Aaaalso..

    Auch von mir das Bekenntnis: Ich liebe One Piece und lese es sehr, sehr gern. Viel zu dem ergänzen was bereits geschrieben wurde kann ich nicht, aber hoffentlich bekräftigen, denn Story und Umsetzung rocken dermaßen, dass man immer wieder mitfiebert wie es in der nächsten Woche den Helden ergeht.

    Übrigens erscheint wöchentlich im japanischen Magazin Shonen Jump ein Kapitel des Manga, welches von Heiligen des Internets für die Netzgemeinschaft binnen wenigen Stunden fanübersetzt wird und im Netz landet.

    @don: Es kommt übrigens mit dem Plot um die Thriller Bark noch ein Crewman dazu. Mehr erzähle ich natürlich nicht, denn es ist viel grausamer dich darauf warten zu lassen 😉 Apropos grausam: Die Story dreht spätestens ab Water Seven richtig auf und ab dem Zeitpunkt kommt auch wesentlich mehr Ernst in die Geschichte. Ab dem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass man genau wie bei Naruto (ebenfalls wahnsinnig geiler Manga!) die Protagonisten mit dem Leser in der Altersklasse etwas nach oben schiebt.

    Ich würde für One Piece übrigens bei der Serie 8 von 10 geben und dem Manga solide 9 von 10.

    • donpozuelo permalink*
      12. August 2010 09:07

      Ihr fleißigen Manga-Leser ihr.
      Irgendwie ist das ein wenig an mir vorbei gegangen. Die einzigen Serien, die bei mir tatsächlich noch im SChrank stehen, sind immer Alita, Akira, Nausicaä und Berserk. Reicht mir dann aber auch.

      Wenn ich daran denke, jetzt noch einmal 55 Bänder aufzuholen… da bleibe ich dann doch lieber bei den bewegten bunten Bilderchen 😉

      Also das scheinbar noch jemand dazu kommt, konnte ich mir schon anhand des ersten Bildes denken 😉 Von daher war da die Spannung ein wenig raus.

      • Dr. Borstel permalink
        13. August 2010 10:03

        Die Spannung kommt schon wieder. 😉

        @luzifel: Richtig, ab Water 7 geht der Manga eigentlich erst richtig los – oder sagen wir, ab dem ersten Auftauchen von Blaufasan. Zu Anfang war der Manga gut und unterhaltsam, mittlerweile ist er richtig großartig. 😉

  5. 23. August 2010 18:28

    One Piece ist für mich neben Shaman King und Naruto einer der besten Animes überhaupt, wobei bei Shaman King der Manga deutlich besser ist!

    • donpozuelo permalink*
      25. August 2010 08:17

      Die anderen beiden sagen mir nur vom Namen her was, aber vielleicht mache ich mich da mal schlau. 😉

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