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Der Mann im Mond

9. August 2010

Der Mann im Mond hat endlich einen Namen: Er heißt Sam Bell und hockt da oben seit drei Jahren. Dementsprechend sieht er dann auch ein wenig „übel“ aus.

Immerhin ist Bell ganz allein auf dem Mond. Ganz allein… naja, vielleicht nicht. Denn als Helferchen und Freund hat er da noch Gerty, einen Roboter, einen denkenden Roboter.

Na? Läuten jetzt die Alarm-Glocken? Denkt jetzt nicht irgendwie jeder an einen der berühmtesten Kino-Computer überhaupt? Den guten HAL aus Kubricks „2001: Odyssee im Weltall“? Könnte man denken, sollte man aber nicht. Erstens sieht Gerty mit seinen Emotionssmileys auf dem kleinen Bildschirm nicht annähernd so cool aus wie HAL, zweitens entwickelt Gerty weniger boshafte Züge als HAL.

Das Debüt von Duncan Jones (übrigens Sohn von David Bowie) heißt „Moon“ und besteht eigentlich nur aus Sam Rockwell als Sam Bell und Kevin Spacey als Sprecher von Gerty. Der Film entwickelt sich mit der gleichen Schwerelosigkeit wie ein Gang auf dem Mond. Es scheint anfangs nur ein Film über die Beziehung zwischen Mann und Computer zu sein, wird aber so viel mehr. Nach einem Unfall wacht Sam nämlich in der Krankenstation auf und findet einen weiteren Sam Bell, der dort bereits auf ihn wartet.

„Moon“ ist ein Fest für all diejenigen unter euch, die schon lange mal wieder einen intelligenten Science Fiction-Film sehen wollten, der ganz ohne viel Effekte auskommt und trotzdem fesselt. Zugegeben, für sein Spielfilm-Debüt hat sich Duncan Jones ganz offensichtlich an alten Genre-Klassikern bedient: da wäre „2001: Odyssee im Weltall“ zu nennen – nicht nur wegen Gerty als HAL-Ersatz, sondern auch vieles vom Set erinnert sehr stark an Kubricks mysteriöses Meisterwerk. Gleichzeitig hat „Moon“ auch viel von „Solaris“ – immerhin taucht plötzlich ein zweiter Sam Bell auf. Aus dem Weltall-Trip wird ein Psycho-Trip. Der anfängliche Glaube, es könnte nur um die Beziehung Mensch-Roboter gehen, verfliegt ziemlich schnell. Vielmehr beginnt ein Detektiv-Stück über die Herkunft des zweiten Sam Bell.

Aber es ist weniger die Geschichte, die fesselt, als der Mann, der sie im Alleingang erzählt: Sam Rockwell spielt mit Sam Rockwell.

Rockwell beweist in „Moon“ was für ein ausgezeichneter Schauspieler er ist. Seine Wandelbarkeit ist grandios – vom Bell, der glücklich ist in zwei Wochen wieder auf die Erde zu können bis zum Bell, der entdeckt, dass er möglicherweise Opfer eines Komplotts ist. Egal, in welcher Situation, Rockwell passt wie die Faust aufs Auge. Es ist erschreckend und faszinierend zugleich, wie  Rockwell dieses sterile, leere Set mit Leben füllt.

Minimalistischer könnte ein Film nicht sein. Da merkt man schon ein wenig, dass Duncan Jones aus der Werbefilm-Branche kommt. Stilsicher und ruhig führt er seinen Protagonisten durch die Basis am Mond und hinein in den Wahnsinn.

Wertung: 8 von 10 Punkten (großartiges Ein-Mann-Stück mit Sam Rockwell als Mann im Mond)

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4 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    9. August 2010 14:00

    Warum hält nur jeder HAL für boshaft? Er möchte doch nur nicht abgeschaltet werden und verhält sich dabei total menschlich! Für mich ist er in „2001“ immer der Gute gewesen …

    • donpozuelo permalink*
      9. August 2010 14:19

      😀 Haha 😀

      So kann man das Ganze auch betrachten? Eigentlich hast du Recht, aber ich weiß auch nicht, woher es kommt, dass HAL als böse abgestempelt wird.

      Liegt wahrscheinlich daran, dass keiner diesen Film je richtig verstanden hat und sich allgemeine Meinungen schneller durchsetzen. 😉

      Aber es geht ja hier auch nicht um HAL. Der war eh um Meilen besser als Gerty… allein schon vom optischen her.

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