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Arche Emmerich

22. Juli 2010

Wenn die Welt untergeht, wenn uns die Apokalypse so richtig den Hintern versohlt, dann will ich John Cusack am Steuer meines Wagens haben. Wie? Ihr fragt euch jetzt, wieso John Cusack? Und wozu braucht man noch ein Auto, wenn die Welt eh untergeht? Tja, tja, liebe Freunde, dann kann ich euch nur raten: Guckt euch Roland Emmerichs letzten großen Weltuntergangsfilm „2012“ an und ihr versteht wovon ich spreche. 😉

Emmerich hat ja schon des Öfteren bewiesen, dass er ein Händchen dafür hat, die Welt besonders spektakulär untergehen zu lassen. Zugegeben, die Idee für „2012“ klingt zwar irgendwie mehr so, als wäre sie beim Beobachten von Popcorn in der Mikrowelle entstanden, doch was daraus gemacht wird, ist – verdammt nochmal – sehr unterhaltsam.

Basierend auf dem Maya-Kalender endet das letzte Zeitalter 2012. Bei Emmerich kommt es da zu riesigen Explosionen auf der Sonne, die mutierte Neutrinos auf die Erde jagen, die dort wiederum den Erdkern zum Kochen bringen. Dadurch kommt es zu dramatischen Verschiebungen der Erdplatten. Was dann folgt, ist bestes Emmerich-Kino. Mit vielen großartigen Explosionen, Erdbeben, Flutwellen, Unwettern und noch mehr Zerstörung werden die Menschen vom Weltuntergang getroffen. Mitten in diesem Getümmel versucht der Schriftsteller Jackson Curtis (John Cusack) seine Ex-Frau und seine Kinder zu schützen – immerhin gibt es irgendwo sogenannte Archen, die einen Teil der Menschheit retten sollen.

Und in diesem großen Chaos zeigen sich dann auch die Vorzüge von John Cusack als Apokalypse-Fahrer: ein einfacher Mann, ein einfacher Vater, ein einfacher Autofahrer – und trotzdem ist er schnell genug, um einem Erdbeben, der aufreißenden Erde einfach davon zu fahren. Großartig. Ich habe die erste Stunde von „2012“ eigentlich nur lachend vorm Fernseher verbracht. Die Szenarien, die Emmerich darstellt, zerbrechen jede Wahrscheinlichkeit… schließlich muss der Held ja irgendwie am Leben bleiben, nicht wahr?

Was das Mitfiebern angeht, da beweist Emmerich sein eigentliches Händchen: Es sind zwar großartige Katastrophen, schlimme Unglücke, aber das, was einen Emmerich-Film eigentlich ausmacht, sind die Figuren. Es sind einfache Figuren, die so immer wieder in Emmerichs Repertoire auftauchen: Wir haben da den Helden, der neben dem Weltuntergang auch die ganze Zeit versucht, seine familiären Schwierigkeiten hinter sich zu bringen. Da wären dann noch der gute und der böse Wissenschaftler, die tatsächlich auch für das Gute und das Böse in der Menschheit stehen: der eine will Menschen retten, der andere sich selbst. In Wirklichkeit würde wohl der „Böse“ gewinnen. Doch zum Glück sind wir in der Welt von Emmerich und hier obsiegt die Menschlichkeit – von Brecht und seinem „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ hat hier Gott sei Dank noch keiner gehört. Vor allem nicht der amerikanische Präsident, der wie immer opferbereit ist und sich für sein Volk aufopfert.

Seine einfachen Figuren verhelfen Emmerich dazu, dass man seine Filme spannender findet. Immerhin identifiziert man sich leichter mit ihnen. Sie sind wie wir – fast alles einfache Menschen, die in einer schwierigen Situation über sich hinaus wachsen. Großartig, wie wir selbst – vorausgesetzt natürlich John Cusack fährt den Wagen 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (toller Weltuntergang, der möglicherweise bald mit der Serie „2013“ erweitert wird, die die Geschehnisse danach erzählen soll)

13 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    22. Juli 2010 10:42

    Moment mal – die Geschehnisse nach dem Weltuntergang? WTF? 😆

    (Zur Wertung sage ich mal lieber nichts. 😉 )

  2. donpozuelo permalink*
    22. Juli 2010 17:49

    Jaja, nach dem Weltuntergang. Bei Emmerich hat das mehr so biblische Züge – so etwas wie eine zweite Sinflut, die nur die „Guten“ überleben lässt. Von daher bleibt auch noch etwas nach dem Weltuntergang übrig. 😉

    • Sebastian Schuster permalink
      27. Juli 2010 09:29

      Bitte und wie soll man mit Guten eine Serie produzieren? Wir mussten schon einmal das Paradies verlassen; die Einschaltquote wird so hoch sein, wie Menschen im Paradies verblieben 🙂

      • donpozuelo permalink*
        27. Juli 2010 10:17

        Es gibt bestimmt mutierte Bösewichte, die durch die mutierte Strahlung der Sonne ziemlich böse mutiert sind 😉

        Oder es wird so eine Art „Unsere kleine Farm – nach der Apokalypse“.

  3. 23. Juli 2010 18:05

    Mein Favorit unter den Weltuntergangsfilmen ist noch immer „Deep Impact“, da haben die Charaktere sogar einen äh… Charakter.
    Irgendwie sind die Filme ja alle gleich, ich warte mal bis 2012, dann müsste der Film ja spätestens im TV kommen 😉

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2010 12:19

      „Deep Impact“ habe ich bis jetzt nur einmal gesehen – kann mich eigentlich nur noch an einen kleinen Elijah Wood erinnern.

      Warte mit Emmerichs „2012“ nur nicht zu lange. 2012 könnte es uns schon nicht mehr geben…
      aaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh…..

      😀

  4. 30. Juli 2010 16:18

    Die Effekte waren ganz nett, der Rest wieder reinster Pathos. Ich frage mich immer noch, wie ein Schwabe so amerikanisch drehen kann. 😀
    Das einzig Lustige am Film, waren die spontan ausgedachten Synchronisationen, welche vor dem Fernseher in unserer Gruppe entstanden. Ansonsten war der Film einfach nur lächerlich.
    Und wenn du schon von den tollen Charakteren sprichst, darfst du nicht den Spinner im Nationalpark (Woody Harrelson) und den klischeehaften Russen vergessen. Und seine junge Freundin. Ach ja und die Fußhupe, welche alle Widrigkeiten überstanden hat. 😀

    • donpozuelo permalink*
      30. Juli 2010 18:33

      Ich fand den Film einfach nur herrlich und zum Tod lachen.

      Was ich neben der Fußhupe, John Cusacks Fahrkünste, der Russe, seine „Frau“ und natürlich Woody „Hippie“ Harrelson noch sehr witzig fand, war die Tatsache, dass zwar die Welt untergeht, aber die Fernsehnachrichten weiterhin wie ein Uhrwerk laufen. 😀

      Selbst in der größten Not funktionieren die Medien scheinbar noch einwandfrei. Das ist doch irgendwo beruhigend, nicht wahr. Obwohl man es hautnah mit erlebt, glaubt man es doch erst, wenn die Medien es noch einmal bestätigen. Großartig…. 😉

      • 30. Juli 2010 19:39

        Das hab ich gar nicht mitbekommen. :mrgreen:
        Wahrscheinlich gab es für die eine Extra-Arche. 😉

        • donpozuelo permalink*
          31. Juli 2010 07:37

          Quatsch, irgendwann kommt bestimmt raus,
          dass die das selbst inszeniert haben.

          Wegen der Einschaltquoten 😀

  5. 6. August 2010 12:43

    Da ist eine Nachfolgeserie geplant? Das klingt ja echt nicht schlecht, eine Endzeit-Serie. Hoffentlich dann nicht ganz so langatmig wie Jericho.

    • donpozuelo permalink*
      6. August 2010 15:02

      Geplant ist das Zauberwort. Emmerich hat wohl großes Interesse gezeigt, aber ob es dann dazu kommt, ist auch wieder fraglich. Gut gemacht könnte das sicherlich eine gute Sache werden.

Trackbacks

  1. Kino zum Weltuntergang « Going To The Movies

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