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Nichts als Ärger mit Touristen

18. Juli 2010

Der ideale Tourist ist leicht zu erkennen: Sonnenhut, buntes Hemd, Shorts, Sandalen und hochgezogene Socken, Reisegepäck und – natürlich – eine Kamera. Man muss ja alles für die Nachwelt dokumentieren. So sehen Touristen bei uns aus und so sehen selbst Touristen in der Scheibenwelt aus.

Die Scheibenwelt – für alle Unwissenden (schämt euch 😉 ) – ist eine Welt, die von vier riesigen Elefanten getragen wird, die wiederum von einer großen Schildkröte getragen werden, die wiederum durchs All getragen wird. Nein, nicht getragen, sie schwimmt da viel mehr durch. Erfunden hat’s der großartige Terry Pratchett und daraus eine großartige Mischung aus Fantasy, Comedy und Gesellschaftssatire geschaffen, die kaum zu schlagen ist. Pratchett ist Kult und die Scheibenwelt ist Kult. Zig Romane gibt’s (die ich auch nach meinem Wissen fast alle gelesen habe). Jetzt habe ich mit „The Color of Magic“ auch den ersten Film basierend auf Pratchetts Romanen gesehen (natürlich mein erster Film).

In einem fulminanten drei-stündigen Spektakel wird uns die Geschichte des Magiers Rincewind und des ersten Touristen der Scheibenwelt Zweiblum erzählt, die zahlreiche Abenteuer erleben und am Ende die gesamte Scheibenwelt retten müssen.

Fulminant – naja, fulminant trifft „The Color of Magic“ nicht ganz genau. Der Film versucht gleich zwei Bücher auf einmal zu kombinieren – „The Color of Magic“ und „The Light Fantastic“. Leider wird das für drei Stunden Film etwas zu viel. Klar, wir haben alles, was einen Fantasy-Film braucht: Zauberer, Helden, Barbaren, Magie, Drachen, Trolle, etc. Wir haben eine magische Aufgabe, die Welt zu retten. Es gibt sogar hin und wieder ein paar ganz gute Lacher, die tatsächlich an den teils trockenen, teils sehr britischen Humor Pratchetts erinnern: aber der Film hat sich einfach zu viel vorgenommen. Die Figuren wirken etwas hölzern, da sie trotz der langen Laufzeit des Films keine großartigen Entwicklungen durchleben. Der Humor leidet unter der Länge und die Geschichte sowieso. Immer wieder wird versucht, durch neue Episoden den Lauf der Geschichte künstlich zu verlängern. Naja, vielleicht nicht künstlich – vielmehr geht der Film den „Fehler“ ein, sich zu sehr auf die beiden Bücher von Pratchett zu konzentrieren. Entweder man hätte jedes Buch einzeln verfilmen sollen – als netten Zweiteiler oder – was in diesem Fall vielleicht etwas besser gewesen wäre – man hätte die Geschichte (oder vielleicht auch nur die Figuren) an Pratchett anlehnen sollen.

Im Fall von „The Color of Magic“ zerstört das penibel ausgeführte „Basiert auf…“ den ganzen Film, der zwar einige nette Szenen hat, aber im Großen und Ganzen dann doch eher langweilt. Da bleibe ich, was Pratchett angeht, lieber bei den Büchern. Die sind eh um einiges besser.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Pratchett ist Kult, der Film aber nicht)

4 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    18. Juli 2010 15:09

    Ich habe mich wohl noch nie so bei einem Film gelangweilt wie hier. Was für eine blödsinnige, flache, regelrecht perverse Zerhackstückelung von Pratchetts genialem Humor, zumal „Colour of Magic“ auch nicht unbedingt der beste Discworld-Roman ist. Unglaublicher Mist, der meiner Ansicht nach mit 1/10 noch zu gut bedient ist – dieser Dünnschiss fällt aus jeder Wertung heraus!

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2010 21:29

      Da hast du wohl echt Recht. Ich habe mich auch wahnsinnig durch den Film gequält. Wieder einmal der perfekte Beweis, dass Literatur-Verfilmungen ans Buch nicht (nie) herankommen können.

  2. 18. Juli 2010 22:05

    Ich habe den Film mal mit einem Auge „mitverfolgt“ und mich ziemlich schnell wieder verzogen. OK, ich kenne auch die Romanvorlage nicht (*wegduck*), aber diese Vorkenntnis hätte wohl auch nichts mehr retten können…

Trackbacks

  1. Jäger des gefallenen Sterns « Going To The Movies

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