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Im Auftrag des Herrn

6. Juli 2010

Schwarzer Hut, schwarze Sonnenbrille, schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte – aus den einfachsten Dingen wird Kult. Auch wenn Dan Aykroyd und John Bellushi wie eine Mischung aus Agenten, abgedrehten Vertretern und Geistlichen aussehen, ist das „Blues Brother“-Outfit einfach nur kultig: der Hut sitzt in jeder Lage perfekt auf dem Kopf, die Brillen werden nicht einmal fürs Schlafen abgenommen (nur einmal, um eine Frau zu betören), Anzug und Krawatte sind eh eine Symbiose mit dem Körper eingegangen und ein Ablegen käme dem Tod gleich.

„Blues Brothers“ sind Kult und doch muss ich gestehen, habe ich den Film erst jetzt gesehen. Zum Glück aber macht sich der Kultstatus tatsächlich bewährt, weswegen dieser Film schon mal problemlos in einer Reihe mit „O Brother Where Art Thou?“ stehen darf – und vielleicht noch ein wenig weiter vorne.

Was ich nicht wußte: „The Blues Brothers“ gab es schon vorher. Dan Aykroyd und John Belushi schon 1977 als Band auf. Und erst 1980 kam dann der schräge Musikfilm von John Landis: Jake (Belushi) und Elwood (Aykroyd) müssen erfahren, dass das Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind, 5000 Dollar Schulden bezahlen muss, um vor der Schließung gerettet zu werden. Für die beiden Brüder eine Ehrensache, den Nonnen aus dem Waisenhaus zu helfen. Und so machen sie sich – im Auftrag des Herrn – auf den Weg: zuerst müssen sie ihre alte Band wieder zusammen bringen und dann ein Konzert spielen, das 5000 Dollar einspielt. Einfach ist das Ganze natürlich nicht (wäre ja auch langweilig). Und so werden die Blues Brothers bald von der Polizei, einer verrückten Nazi-Gruppe, einer wütenden Country-Band und einer mysteriösen Frau („Star Wars“-Frau Carrie Fisher) verfolgt, die alle nur eines wollen: die Blues Brothers fertig machen.

„Blues Brothers“ ist fast schon ein wenig wie „The Big Lebowski“ – zumindest musste ich dauernd an den Film denken: Ähnlich wie der Dude irren die Blues Brothers durch die Geschichte, wollen statt einem Teppich einfach nur ihre Band zusammensuchen und ihren Frieden haben. Aber durch die irrwitzigsten Nebenfiguren kommt einfach keine Ruhe in den Film. Ein Film übrigens der mit schon fast cartoon-artiger Komik daher kommt: Autos fliegen ewig weit durch die Lüfte, Running Gags am laufenden Band – selbst schwerste Explosionen überleben die Brüder mit etwas Staub auf dem Anzug. Aber: einfach abklopfen und weiter geht’s. So wird der Film wirklich absurd komisch, aber wenn man sich darauf einlässt, kommt man aus dem Lachen nicht heraus. Vor allem die Abschlussverfolgung steht für den Irrsinn der „Blues Brothers“: Zwei Männer (die Blues Brothers) gehen ins Finanzamt rein, Dutzende, Tausende Polizisten und Soldaten folgen. Warum und wieso hat man zu dem Zeitpunkt schon fast wieder vergessen. Lustig ist es trotzdem.

Aber „Blues Brothers“ sind nicht nur lustig, sondern auch ein Festival der Blues- und Jazz-Musik. Neben den eigenen Auftritten und Stücken der „Blues Brothers“ gibt es so viele Cameo-Auftritte berühmter Künstler, dass man sie fast gar nicht alle zählen kann. Neben Ray Charles (kultige Szene, in der die Brüder ein Klavier von ihm kaufen wollen) sieht man auch Aretha Franklin, John Lee Hooker, James Brown oder Cab Calloway. Daneben gibt’s auch Auftritte von Carrie Fisher (hatte ich ja schon erwähnt) oder Steven Spielberg als irritierter Finanzbeamter.

Doch die Cameos sind eigentlich nicht das wichtige, vielmehr die Intention, die dahinter steht: die Musik zu feiern. Und musikalisches bekommt man bei „Blues Brothers“ ordentlich was aufs Ohr. Ein geiler Soundtrack und dazu die verrückten Verrenkungen der „Blues Brothers“ – da wippt der Fuß automatisch mit. Besonders gelungen: „Shake Your Tailfeather“ mit Ray Charles:

Man kann „Blues Brothers“ eigentlich nicht als Film bezeichnen. Es ist viel mehr als das: Konzert, Cartoon, Irrsinn, Wahnsinn, gute Laune pur. An diesem Film sollte niemand vorbei gehen. Schräger geht’s schon fast nicht mehr – Kultstatus ist da absolut gerechtfertigt!!!

Wertung: 10 von 10 Punkten (Selbst diese Ausrede hilft nichts: „No I didn’t. Honest… I ran out of gas. I, I had a flat tire. I didn’t have enough money for cab fare. My tux didn’t come back from the cleaners. An old friend came in from out of town. Someone stole my car. There was an earthquake. A terrible flood. Locusts. IT WASN’T MY FAULT, I SWEAR TO GOD.“ Diesen Film muss man einfach gesehen haben!!!)

12 Kommentare leave one →
  1. Doña Pozole permalink
    6. Juli 2010 10:07

    10 von 10 auch von mir!!! Der Film macht einfach Spaß!!!
    … und by the way: Kennst du die BBC-Kurz-Serie „Blackpool“?! Unbedingt anschauen!!! (Tipp von Doro)

    • donpozuelo permalink*
      6. Juli 2010 10:40

      Der Film macht mehr als nur Spaß. 😀

      „Blackpool“ kenn ich nicht. Werd mal schauen, was sich da machen lässt.

  2. Sebastian Schuster permalink
    6. Juli 2010 10:16

    Wenn Werbetexter deinen Pathos in diesem Artikel zur Verfügung hätten, dann würde ich keine Werbung mehr sehen wollen. Aber deiner ist authentisch, d’rum ZEIGT MIR DIESEN FILM, ganz SCHNELL 🙂

    • donpozuelo permalink*
      6. Juli 2010 10:41

      Puh, da hab ich ja nochmal Glück gehabt 😀

      Tja, dann sieh mal zu, dass du den Film guckst. Ist wirklich nur zu empfehlen.

  3. 6. Juli 2010 18:43

    Habe den vor Jahren mal gesehen und fand ihn großartig. Bei der Abschlussverfolgung hab ich vor Lachen auf dem Boden gelegen. Der Punktevergabe kann ich daher haltlos zustimmen.

    Zudem ist es ein Film, den Papst Benedikt als christliches Kulturgut bezeichnet hat. Wie will man da als irdischer Kritiker noch einen draufsetzen? 😉

    • donpozuelo permalink*
      6. Juli 2010 19:14

      Was, echt??? Christliches Kulturgut???

      Das ist ja fast noch besser als der Film. 😀 😀 😀
      Aber gut, da haste natürlich Recht, was will man dagegen noch sagen? 😉

  4. Dr. Borstel permalink
    7. Juli 2010 21:06

    Ich würde keine volle Punktzahl geben, aber du hast schon recht, die Blues Brothers sind Kult und ein absoluter Pflichtfilm.

    • 8. Juli 2010 10:38

      Keine volle Punktzahl? Für so viel Trash, so viel Witz und so viel guter Musik???
      Ich habe mir jetzt sogar die Collectors Box ins Haus geholt – ganz großartig mit beiden Filmen (obwohl ich ja von der Fortsetzung nicht so gutes gehört habe), T-Shirt mit Spruch und Mundharmonika mit Anleitung.
      Mal schauen, ob ich bis zum nächsten Blues Brother-Themenabend dann auch als Elwood auftreten kann 😀
      Wäre glatt eine neue Blogreihe wert: Mein Weg zum Mundharmonika-Spielen mit den Blues Brothers

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