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Drachenjagd

3. Juli 2010

Oder das Märchen von dem Film, dessen Story zwar schlecht ist, der aber trotzdem gut unterhält

Oder einfach nur die etwas andere Rezension zu Rob Bowmans „Die Herrschaft des Feuers“

—-

Es war einmal ein Drehbuchschreiber, der total auf Fantasy stand. Vor allem Drachen fand er extrem cool und wollte unbedingt selbst was schreiben. Aber nix für Kinder, nix mit kleinen, süßen Drachen, sondern mit knallharten Monsterviechern, die die ganze Welt unterjochen. Und so fing der fleißige Schreiber an und schrieb und schrieb… und fragte sie plötzlich: „Wie soll ich mein Märchen von den bösen Drachen nur enden lassen?“ Immerhin wusste der Schreiber, dass in jedem Märchen am Ende das Gute gewinnen muss. Leider hatte der Schreiber im Dramatik-Kurs an der Hochschule geschlafen und so fiel es ihm schwer, ein gutes Ende zu finden. Also nahm er den einfachsten Weg – er verhunzte den Hintergrund seiner coolen Drachen und damit die ganze Story. Nach vielen Jahren der „Herrschaft des Feuers“ gibt es nur einen männlichen Drachen, der alle Eier befruchtet. Tötet man den, sind alle anderen auch tot. Fertig!

Um das Ganze ein wenig aufzuwerten, erschuf unser Schreiberling zusätzlich noch eine perfekte Endzeit-Welt mit klar getrennten Sichtweisen. Auf der einen Seite stehen die Engländer. Auf der anderen die Amerikaner. Drei Mal dürft ihr raten, wer glorreicher in diesem wunderbaren Märchen ist. Genau – während die Engländer mit Pferden reiten, in Burgen hausen und in ständiger Angst vor den Drachen leben, sind die Amerikaner ein wahres Geschenk des Himmels. Sie fahren Panzer, fliegen Hubschrauber, stürzen sich mit Fallschirmen vor Drachen aus dem Flieger, um diesen dann gekonnt zu töten. Ein Hoch auf die amerikanischen Helden, die den Steinzeit-Engländern zeigen, dass man selbst gegen den größten Feind vorgehen kann, wenn man nur zusammenhält (und die nötige Technik dafür hat). Eine schöne Heldengeschichte entwickelt sich also noch dazu – und hier hat unser Schreiberling an der Uni dann vielleicht doch etwas aufgepasst, denn auch wenn die Figuren ziemlich einfach gestrickt sind, sind sie dennoch an einem Entwicklungsprozess beteiligt und so werden aus Feinden Freunde und aus Amerikanern sogar Opfer bringende Märtyrer, die gleich noch viel mehr gefeiert werden sollten.

So wart das Drehbuch dann aber auch fertig: es gab die Helden, die schönen Frauen, die bösen Monster – ein kleiner, aber vorhersehbarer Spannungsbogen und am Ende sogar noch eine schöne Moral zur Geschicht. Jetzt machte sich  unser Schreiber  auf die Suche nach einem Regisseur für seinen Film. Weil sein Drehbuch schon etwas schwächelte, nahm er sich vor, es auch nur einem schwächelenden Regisseur zu geben. So traf er auf Rob Bowman, der bis dahin nur fürs Fernsehen arbeitete und im Kino nur mit „Akte X – Der Film“ einen wirklichen Erfolg feiern konnte (nach „Die Herrschaft des Feuers“ kam nur noch „Elektra“ und auch der Film ging etwas sang- und klanglos unter). Rob Bowman machte dann aus dem Drehbuch unseres Schreibers eine coole Endzeit-Schlacht mit einer tollen Pro-Amerika-Botschaft.

Bowman nahm sich Christian Bale für den bärtigen, ängstlichen Engländer und Matthew McConaughey als glatzköpfigen, Zigarre rauchenden Macho-Amerikaner, der am liebsten mit einer Axt auf Drachenjagd geht. Noch cooler wäre nur Bruce Willis gewesen, aber McConaughey spielt entgegen aller Erwartungen seinen für ihn untypischen Part ganz gut. Da sich unser Schreiber ja besonders für Drachen interessiert, lag ihm sehr viel daran, dass auch Regisseur Bowman sehr viel daran liegt. Und so entstehen sehr, sehr coole Ur-Viecher (die aber immer noch evolutionstechnisch zu blöd sind und nur ein Männchen vorweisen können). Bowman macht aus dem platten Märchen ein ansehnliches Action-Endzeit-Spektakel, in dem sogar ein zweites Märchen auf höchst amüsante Art und Weise erzählt wird: in einem kleinen Theaterstück führt man das Märchen von Luke Skywalker und seinen Sternenkriegen auf.

Mit einer kleinen Idee fing es an und daraus wurde „Die Herrschaft des Feuers“. Unser Schreiberling kann zufrieden sein – das, was sein Drehbuch hergibt, wurde ausgezeichnet umgesetzt. Wäre sein Drehbuch in der Auflösung etwas besser gewesen, hätte man den Film sogar etwas ernster nehmen können. Aber es bleibt dabei: es ist ein verdammt cooler Drachenfilm geworden, der ganz ohne niedliche oder sprechende Fantasy-Viechern auskommt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (und die Moral von der Geschicht: mehr Fantasie bei Fantasy wär‘ hin und wieder angebracht)

P.S.: Unseren Schreiberling gibt es nicht. Statt dessen waren es drei Schreiberling, wo dann eine weitere Moral der Geschichte offensichtlich wird: Zu viele Köche verderben den Brei.

6 Kommentare leave one →
  1. 3. Juli 2010 14:30

    Sehr schönes Märchen von der Entstehung haste dir da ausgedacht. 😉

    Ich hab den Film vor Jahren gesehen, fand ihn gut und hab ihn sogar hier noch rumstehen. Die Drachen sahen wirklich super animiert aus und wäre die Story ein wenig ausgereifter, hätte etwas Großes draus werden können. McConaughy und Bale spielen ihre Rollen im Rahmen des Bestmöglichen und auch Gerard Butler gibt sein Bestes.

    Im Endeffekt hätten dem Drehbuch ein paar Jahre mehr Arbeit nicht schlecht getan. Deshalb stimme ich deiner Wertung vollends zu. 😀

    • donpozuelo permalink*
      3. Juli 2010 22:10

      Das Drehbuch hätte nicht ein paar Jahre mehr, sonder vielleicht einen Schreiber weniger. Allerdings frage ich mich da auch echt, wie drei Typen an einem Drehbuch schreiben können und keiner von denen merkt, was für einen Müll sie sich da zusammen schreiben.

      Aber gut, als Unterhaltungs-B-Movie ist der wirklich ganz gut geworden. 😀

  2. Dr. Borstel permalink
    3. Juli 2010 15:44

    Sehr schönes Review! 😀 Irgendwie scheint den Film ja außer meiner Fernsehzeitung jeder halbwegs zu mögen. Allerdings befürchte ich, mir würde es da anders gehen …

    • donpozuelo permalink*
      3. Juli 2010 22:12

      Danke, danke. 😀

      Böse Fernsehzeitung 😉 Naja, vielleicht hat der Schreiberling der TV-Zeitschrift einfach kein Gefühl für den Film. Und jeder der Film, der sich vor „Star Wars“ verbeugt (in welcher Art und Weise auch immer), ist doch schon mal sehenswert. Allein schon wegen dieser einen Szene 😀

    • 4. Juli 2010 16:16

      Die TV-Zeitschrift meines Vertrauens straft den Film auch regelmäßig ab, wenn er im Programm steht und ich habe mich nie durchringen können, ihn zu sehen. Dabei ist Christian Bale ja immer in halbwegs guten bis sehr guten Filmen zu sehen.

      • donpozuelo permalink*
        5. Juli 2010 11:59

        Jeder Schauspieler muss auch mal in einem etwas schlechteren Film mitspielen. Sonst hält er sich nachher noch für den totalen Überflieger 😉

        Aber keine Sorgen, „Die Herrschaft des Feuers“ wird garantiert noch einige Male wiederholt.

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