Zum Inhalt springen

Monsterjagd

30. Juni 2010

Wir haben es doch schon immer geahnt: Die Wurzel allen Übels sind die Amerikaner. Selbst bei der Zerstörung kleiner koreanischer Familien haben sie ihre Finger im Spiel – oder besser: ihre Chemikalien. Denn es sind die Giftabfälle von einem amerikanischen Stützpunkt, die in „The Host“ dafür sorgen, dass die Gegend um den Hangang-Fluss bald von einem ziemlich fiesen Amphibien-Monster heimgesucht wird. Zu allem Überfluss verbreitet es tödliche Viren und macht mit Vorliebe Jagd auf Menschen. Und mit dem Erscheinen des Monsters wird die Familie Park auf eine harte Probe gestellt: die junge Hyun-seo wird vom Monster entführt und ihr Vater Kang-du, sein Bruder, seine Schwester und sein Vater machen sich auf den Weg, die Kleine zu retten.

„The Host“ wurde in Südkorea der besucherstärkste Film aller Zeiten. Und das spricht für sich, denn „The Host“ ist wirklich sehr sehenswert. Was sich nach der ersten Inhaltsangabe könnte man von einem Asien-typischen Monsterfilm a la Godzilla ausgehen: mutiertes Wesen jagt Menschen. Aber „The Host“ nur aufs Monster – das übrigens ziemlich gut aussieht (für ein Monster) – zu reduzieren, wäre ein fataler Fehler.

„The Host“ ist vordergründig ein Monsterfilm, aber auch ein ziemlich starkes Familiendrama mit einigen sehr komischen Elementen. Der Reiz des Films liegt in der Familie Park, eigentlich ein Haufen Loser: die Tochter versaut ihre Olympia-Chancen als Bogenschützin (das kann sie aber später im Kampf gegen das mutierte Vieh erneut unter Beweis stellen), der eine Sohn hat zwar studiert, säuft aber nur noch, der andere Sohn liegt seinem Vater auf der Tasche, der mit seinem kleinen Laden ihn und seine kleine Tochter um die Runden bringt. Mit der Entführung der Tochter muss die Familie zusammenarbeiten, ihre ganz eigenen Konflikte klären, um Erfolg zu haben. Leider ist Sohn Kang-du manchmal einfach zu blöd, weswegen es teilweise zu so skurril-komischen Momenten kommt, dass man nicht mehr weiß, ob man weinen oder lachen soll. So ist er für den Tod seines Vaters verantwortlich, weil er nicht richtig mitgezählt hat, wie viele Patronen noch in seinem Gewehr stecken.

Doch die Familie ist nur ein Teil des Films. Durch die Seuchengefahr, die von dem Monster ausgeht, zeigt der Film von Regisseur Bong Joon-ho auch eine panische Regierung, die mit Hilfe der Armee versucht, Herr der Lage zu werden.

Für alle, die von „Cloverfield“ einfach nur enttäuscht waren und die keine Lust mehr haben, die alten japanischen Monsterfilme rauszukramen, ist „The Host“ der Tipp. Keine Wackelkamera und trotzdem filmisch genial umgesetzt. Die Effekte sitzen – wie schon gesagt: das Monster ist echt gut gemacht. Die Story bietet mehr als nur eine einfache Monsterjagd, sondern führt auch tief in das Herz einer eigentlich schon zerrütteten Familie. Drama, Komik, Spannung und Action – alles das bietet „The Host“… und auch noch ein Ende, das man so nicht unbedingt erwartet hätte.

„The Host“ ist wirklich, wirklich, wirklich tolles Popcorn-Kino mit Köpfchen. Was wie eine 08/15-Nummer beginnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Film, den alle Monster-Fans lieben werden. Und derjenige, der sich vielleicht überhaupt nicht mit Monstern in Filmen abfinden kann, ist hier noch besser beraten, den Film einfach mal zu gucken.

Wertung: 9 von 10 Punkten (dieser Film macht alles richtig)

8 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    3. Juli 2010 07:59

    Hm.. Hab mir den Film (auf Deutsch) angesehen.. Hm.. Das Monster war schon cool und die Seitenhiebe in Richtung US-Militär, Beamten-Korruption sowie die Stumpfheit der „Helden“ war schon teils witzig, aber so richig geflasht hat der Film mich nicht. Unterhaltsam würde ich den schon nennen und auch gut gemacht, aber mir hat es schon nicht gefallen, dass Monster so früh zu sehen und dann kam noch dazu, dass man obskuren Blödsinn wie ein Militär-Antiseptikum in Bombenform einsetzt, dass dann auch noch nix bringt.. Hm..

    Mein Geschmack war das nicht – da hätte man schon deutlich mehr draus machen können wenn man mehr Monsteraction und weniger Familien-Bla durchzieht, aber so würde ich dem Film 6 von 10 geben.

    Tatsächlich würde ich gern mal wieder einen guten Monsterfilm sehen und der Film hat nicht dazu beigetragen diesen Wunsch zu befriedigen – wenn also noch Tips für Monsterfilme (oder auch Serien) vorhanden sind, dann immer her damit!

    Grüße, Luzifel..

    • donpozuelo permalink*
      3. Juli 2010 22:06

      Ach komm, der ist doch wirklich witzig. Du darfst den Film nicht zu Ernst nehmen. Dass das alles ein bisschen überzogen scheint, ist doch alles gewollt. Und dass sie das Monster gleich so früh zeigen, fand ich jetzt nicht weiter tragisch: dafür war doch die Massenpanik-Szene wirklich genial gemacht.

  2. 3. Juli 2010 14:34

    Habe den Film noch nicht gesehen, aber jetzt ist er definitiv auf der Liste, gerade weil ich „Cloverfield“ wirklich grottenschlecht fand. Man hört ja in letzter Zeit immer wieder Gutes über bestimmte Filme aus Asien, die eigentlich nach 08/15 klingt. Asien ist auch hier auf dem Vormarsch. 😀

    Aber warum in aller Welt heißt eine koreanische Familie ‚Park‘? 😉

    • donpozuelo permalink*
      3. Juli 2010 22:07

      Ja, was Filme angeht, sind die Asiaten echt super!

      Warum die Familie Park heißt, keine Ahnung!!! Ich glaube, das ist wie bei uns Müller oder Schmidt. Ich weiß es wirklich nicht 😉

Trackbacks

  1. Muttersöhnchen « Going To The Movies
  2. Der Eiszeit-Express | Going To The Movies
  3. Das Superschwein | Going To The Movies
  4. Familie Kim zieht um! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: