Skip to content

Fesselspiele

28. Juni 2010

Liebe ist schon eine verrückte Sache und in keinster Weise einfach. Man umwirbt das „Objekt der Begierde“, macht Geschenke und schöne Worte, präsentiert sich in bester Manier – alles in der Hoffnung, ebenfalls geliebt zu werden. Ziemlich viel Arbeit, aber Pedro Almodovar beweist, dass es auch anders geht – man muss nur verrückt genug sein.

Zum Glück ist Verrückt-Sein für Ricky (Antonio Banderas) überhaupt kein Problem, schließlich wurde er gerade aus der psychiatrischen Anstalt entlassen. Da er jetzt zu den Normalos gehört, will er machen, was alle machen: eine Frau finden, Kinder haben und in einem schönen Haus wohnen. Dass mit der Frau regelt Ricky auf seine Weise: Er entführt die Schauspielerin Marina (Victoria Abril) und fesselt sie ans Bett – solange, bis sie ihn liebt.

„Fessle mich!“ heißt der Film und der Titel spielt auf die Tatsache ab, dass Marina sich irgendwann tatsächlich in ihren „Peiniger“ verliebt und ihn irgendwann bittet, sie zu fesseln, damit sie nicht fliehen kann. Viele Kritiker beschreiben den Film als die Entwicklung einer sadomasochistischen Liebesbeziehung, aber ich glaube nicht, dass man Almodovars Film einfach nur auf die SM-Schiene packen kann, um alles zu erklären.

Es ist zwar so, dass Ricky Marina fesselt, aber es ist für ihn keinesfalls deswegen, um irgendwelche Macht-Fantasien auszuleben. Sein „verrücktes“ Gehirn sagt ihm einfach, wenn er Marina lange genug festhält, dann wird sie ihn schon mögen. Sadismus spielt für ihn eher weniger eine Rolle, ansonsten würde er viel grober mit ihr umgehen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Ricky versucht die ganze Zeit, alle Wünsche von Marina zu erfüllen. Er sorgt sich um sie und für sie.

Ich habe zwar keine Ahnung, ob es stimmt, aber schaut man den Film, hat man eher das Gefühl, Almodovar verfilmt eine Art spanisches „Stockholm-Syndrom“, wo sich die Geisel nach und nach an ihren Entführer gewöhnt. Zumal Marinas Umfeld irgendwie die ganze Zeit kein großes Interesse daran zeigt, sie ausfindig zu machen. Weder der alternde Regisseur in seiner Schaffenskrise, der verliebt in den Star seines Films ist noch ihre gestresste Schwester unternehmen etwas, als bekannt wird, dass Marina verschwunden ist. Diese Menschen kümmern sich nur oberflächlich um sie, während Ricky ihr tatsächlich etwas bietet. Aus der Entführung wird so etwas wie eine Rettung, denn mit Ricky hat sie eine Alternative. Denn obwohl sie viele Menschen um sich herum hat, ist sie einsam. Und Ricky bietet eine Rettung aus dieser Einsamkeit. Nur so kann ich mir erklären, warum Marina am Ende weint, wenn sie mit Ricky und ihrer Schwester im Auto sitzt und Ricky mit ihrer Schwester singt – mit der Schwester ist möglicherweise ein Störfaktor in die „Beziehung“ der beiden geraten.

Almodovars „Fessle mich!“ ist ein spannender Film, der sich mit Ruhe und Bedacht seinen Figuren widmet, die sich im Laufe des Films näher kommen. Am Ende fragt man sich schon, was passieren wird – das Interesse geht von Ricky auf Marina über: Was wird das Opfer tun?

Wertung: 8 von 10 Punkten (verrückte Liebesgeschichte, die wirklich fesselt)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: