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Höllentour

17. Juni 2010

Normalerweise gibt es in Horrorfilmen wenigsten einen „männchlichen“ Mann, der sich bereitwillig ins Ungewisse stürzt, um seine große Liebe oder wen auch immer zu retten. Der Held im Horrorfilm ist schon so klischeebehaftet wie knarrende Türen, dunkle Ecken oder unheimliche Musik. Mutig ist da der, der gegen dieses Klischee geht – und in einigen Fällen wird Mut ja auch belohnt. Schließlich ist das Horror-Genre eigentlich auch schon komplett ausgelutscht.

So verwundert es nicht, dass der Horrorfilm „The Descent – Abgrund des Grauens“ ein Erfolg wurde. Bei Neil Marshall gibt es keine Männer. Stattdessen sechs Frauen, die zu einer Höhlenexpedition aufbrechen. Als der Eingang einstürzt, sind sie gezwungen, einen anderen Weg aus dem noch nicht erforschen Höhlensystem zu finden. Dumm nur, dass sie dabei auf die blutrünstigen „Bewohner“ der Höhle stoßen.

Nach einander wird das Grüppchen dezimiert, bis am Ende nur noch eine übrig bleibt: Sarah (Shauna Macdonald). Und weil es so „schön“ war, darf Sarah  im zweiten Teil „The Descent 2 – Die Jagd geht weiter“ noch einmal in die Höhle hinabsteigen – dieses Mal aber in Begleitung von Männern 😉

„The Descent“ ist ein gelungener Horrorstreifen. Grund für die Reise der Frauen ist der Tod von Sarahs Tochter, und auch in der Gruppe selbst gibt es kleine Geheimnisse, die bald für Ärger sorgen (Sarahs Mann hatte ein Verhältnis mit ihrer Freundin Juno). Im Großen und Ganzen werden diese Versuche, einen Subtext in den Film mit einzuführen sehr schnell banal. Verwunderlich ist das aber nicht, wenn interessiert schon die Vergangenheit, wenn merkwürdige Monster hinter einem her sind.

Sowohl „The Descent“ als „The Descent 2“ leben von ihrem Setting: die dunklen Höhlen, enge, klaustrophobische Gänge, endlos erscheinende Schluchten, finstere Wasserläufe. Ein paar Kopflichter und Taschenlampen sind die einzigen Lichtquellen, die es unter der Erde gibt. Nicht genug, um alle Schatten zu verjagen oder gar um ein paar Monster zu erschrecken. Denn die stört das Licht kein bisschen: schließlich sind sie blind, orientieren sich wie Fledermäuse und sind gekonnte Kletterer. Eigentlich gibt es kein Entkommen – hinter jedem Gang lauert das Böse.

Zugegeben, die Viecher sind manchmal nicht besonders clever. Man muss sich auch fragen, ob sie rein gar nichts spüren oder riechen. Teilweise entkommen die Frauen (und später auch einige Männer), indem sie einfach stocksteif und still vor einem dieser Viecher verharren und hoffen, dass es sich schnell fort bewegt. Aber gut, man kann halt nicht alles haben. Dafür liefern die Viecher immer wieder gute Schockmomente – manche zwar vorhersehbar, aber dann trotzdem immer wieder erschreckend gut.

Besonders gut fand ich, dass in keinem der Filme geklärt wird, woher die Monster kommen. Es gibt zwar einige Andeutungen, die aber so wage sind, dass sie eigentlich nicht wirklich stimmen können. Sie sind einfach da – vielleicht ein Überbleibsel vergangener Tage, vielleicht irgendwelche Urmenschen. Egal was sie sind, sie sind echt scheiße gruselig. Und extrem bissig. Kaum springen sie ein Opfer an, schon kommt der Biss zur Halsschlagader und das Blut spritzt fröhlich heraus.

Allgemein wird hier sehr viel Kunstblut verbraucht. Nach kurzer Zeit sind die Frauen ordentlich verdreckt und wir können wieder einmal mehr froh sein, dass Geruchskino noch nicht existiert. Trotz des vielen Kunstblutes sind „The Descent“ und „The Descent 2“ nicht nur auf diese Ekelmomente zu reduzieren. Davon haben die Filme zwar auch einige, auch einige, die gerne noch einmal in der Nahaufnahme gezeigt werden müssen. Aber der größte Gruselfaktor ist und bleibt diese gottverdammte Höhle.

Was mich bei „The Descent“ jedoch am meisten überrascht hat, war die relativ gute Fortsetzung. Es ist kein Prequel, das uns die Herkunft der Viecher erklärt. Es spielt auch nicht Jahre später, nein – der zweite Teil setzt nur einige Tage nach dem ersten Teil an. Sarah wird Blut verschmiert aufgegriffen, allerdings kann sie sich an nichts mehr erinnern. Da sie unter Mordverdacht steht und die Suche nach ihren Freundinnen immer noch weitergeht, wird sie gezwungen, erneut in die Höhle hinab zu steigen. Der zweite Teil schließt also nahtlos an den ersten Teil an. Auch ist der Regisseur des zweiten Teils der Cutter aus dem ersten Teil. Das heißt, es ist kein Quereinsteiger, der sich mit einer Fortsetzung bemüht, sondern jemand, der sich mit dem ersten Teil bestens auskennt. Und dadurch, dass im zweiten Teil der Testosteron-Spiegel wieder angehoben wird, passieren auch einige dumme Sachen, die den Damen im ersten Teil nicht passieren konnten. Es zeigt sich also wieder einmal, das Frauen doch bessere Heldinnen sein können. Immerhin steht auch am Ende von Teil 2 wieder eine Frau als letzte noch gerade.

Ein dritter Teil ist da natürlich schon in Planung.

Wertung: 8 von 10 Punkten (beide Filme nutzen ihre Kulisse perfekt aus, gleichzeitig gibt es hier auch den Beweis, dass manche Fortsetzungen sogar ganz gut sein können)

8 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    22. Juni 2010 16:21

    Hab den Film auf deinen Rat hin gesehen. War ein solider Schocker aber deutlich mehr Splatter als Horror in Relation zum Teil 1 und die Fiesheit der Höhle weicht der Fiesheit der menschenfressenden Bewohner, also genau wie bei Alien 1 zu 2 zum Beispiel.

    In der Summe fand ich den Film unterhaltsam und mit einem putzigen Ende versehen, das ich nicht habe kommen sehen.. Hm.. Genau genommen ist das Ende sogar unlogisch, aber das zu erörtern würde massiv Anfang wie Ende spoilern, also lass ich das lieber ^^

    6 von 10 – unterhaltsam und kurzweilig, aber nicht so gelungen wie Teil 1..

    Grüße

    • donpozuelo permalink*
      22. Juni 2010 16:24

      Ja, wirklich kapiert habe ich das Ende vom zweiten Teil auch nicht. Aber dafür wird ja schon an Teil 3 gearbeitet. 😉
      Dann werden wir wohl mehr wissen.

  2. 22. Juni 2010 19:21

    Habe mir die Filme auf Anraten eines Freundes hintereinander angesehen und fand sie super. Gut, Sarah’s Wandlung gegen Mitte des Films fand ich ein wenig übertrieben, aber okay. 😉

    Mich hat ebenfalls überrascht, dass der zweite Teil so gut wurde. Sicher, das Ende war äußerst seltsam und die Settings, meiner Meinung nach, einen ganzen Tick heller als in Descent 1, aber dennoch war es eine äußerst gelungene Fortsetzung.

    Den Mythos um die Kreaturen nicht aufzulösen, sondern ihn durch das Ende von Teil 2 noch zu verstärken, war genau die richtige Entscheidung, welche viel zu selten in Filmen getroffen wird.

    Nebenbei: Findet irgendjemand, dass diese Viecher den Monstern aus Pandorum ähneln? Bis auf die Hautfarbe nicht, wie ich finde, aber ein Freund ließ sich von der Behauptung nicht abbringen. ^^

    • donpozuelo permalink*
      23. Juni 2010 11:20

      Mmh, es ist jetzt zu lange her, dass ich „Pandorum“ gesehen habe, um wirklich einen guten Vergleich ziehen zu können. Kann sein – ich meine, die Viecher sehen irgendwann doch sowieso alle gleich aus. Wirklich was neues fällt denen ja in punkto Gestaltung auch nicht mehr ein.

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