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Fast wie bei Hitchcock

15. Juni 2010

Psycho-Thriller oder Horrorfilme haben es echt schwer. Alle Themen sind schon irgendwie, irgendwann, irgendwo mal verwendet worden. Die meisten neuen Stoffe versuchen unter Bergen von Gedärmen und Litern von Blut zu verbergen, dass sie eigentlich nichts Neues mehr erzählen. Einzig und allein das Töten und Sterben steht noch im Vordergrund – echtes Gruseln kommt da nicht mehr auf. Eher vielleicht noch das Verlangen, sich eben mal zu übergeben, wenn die Kamera mal wieder richtig schon drauf hält. Es wird halt nichts mehr der Fantasie überlassen.

Da ist es doch mal ganz nett, wenn man auf ältere Filme zurückgreifen kann und so bin ich mal wieder über „Schatten der Wahrheit“ gestolpert – von „Forest Gump“-Regisseur Robert Zemeckis mit Harrison Ford und Michelle Pfeiffer in den Hauptrollen.

Ich hatte „Schatten der Wahrheit“ noch als ziemlich guten Gruselfilm in Erinnerung. Allerdings kann Erinnerung auch trüben – zumindest etwas. Die Geschichte um eine Hausfrau (Pfeiffer), die plötzlich ganz alleine ist (ihre Tochter geht zur Uni, ihr Mann ist immer auf Arbeit), fängt harmlos an. Reiche, einsame Frau hat nicht viel zu tun und beschäftigt sich mit ihrem Garten – bis zu dem Augenblick, wo die Aktivitäten der Nachbarn interessanter werden. So glaubt unsere gelangeweilte Hausfrau, den Mord ihrer Nachbarin beobachtet zu haben. Bekräftigt wird sie in dieser Annahme durch merkwürdige Erscheinungen in ihrem Badewasser, Botschaften am Spiegel oder sich von alleine öffnende Türen. So wird aus unserer gelangeweilten Hausfrau eine neugierige, interessierte Hausfrau, die mit Seancen und Schnüffeleien versucht, hinter des Rätsels Lösung zu kommen. Dumm nur, dass sie die Geisterzeichen komplett falsch interpretiert und statt beim Nachbarn lieber in ihr eigenes Haus gucken sollte.

„Schatten der Wahrheit“ nimmt das altbekannte „Geist will Rache“-Thema auf, ohne allerdings direkt damit einzusteigen. Man könnte den ersten Teil des Films eigentlich als Hommage an Hitchcocks „Fenster zum Hof“ verstehen. Michelle Pfeiffer hockt immer wieder mit einem Fernglas am Fenster und beobachtet ihre Nachbarn. Dieser erste Teil ist wesentlicher spannender als der Rest des Films, weil unsere kleine Hausfrau einer realen Gefahr ausgesetzt ist. Vor allem dann, wenn sie glaubt, der Mörder weiß von ihr. Dazu kommen ein paar gute Badezimmer-Schockmomente, die den Blick in die eigene Badewanne vielleicht etwas kritischer ausfallen lassen.

Der Anfang von „Schatten der Wahrheit“ führt sowohl die Hausfrau als auch den Zuschauer vollkommen in die Irre. Doch dann kommt der Abbruch – es wird klar, dass die Geistererscheinungen nichts mit den Nachbarn zu tun haben. Und ab da geht dem Film die Luft aus. Aus Hitchcock wird Vorhersehbares – stereotype Geistergeschichte mit klassischem Ende. Das Problem bei „Schatten der Wahrheit“ ist, dass schon früh Spannung aufgebaut wird. Dadurch das die „Fenster zum Hof“-Geschichte anschließend aufgelöst wird, löst sich auch ein Teil der Spannung. Anstatt jetzt das Tempo anzuziehen, um den zweiten Spannungshöhepunkt zu erreichen, behält Zemeckis sein eher ruhiges Tempo bei und streckt dadurch den Teil des Films, der nicht gestreckt werden darf.

Was „Schatten der Wahrheit“ dann doch noch rettet, ist unsere Hausfrau. Michelle Pfeiffer überzeugt als ängstliche Alleingelassene, als weinende Mutter, als neugierige Schnüfflerin, als geschockte Ehefrau oder als besessener Vamp. Mit diesem Film kann sich Frau Pfeiffer wirklich mal ausleben und all denen, die sie nur als Nebenrolle sehen, von sich überzeugen. Zusammen mit Harrison Ford gibt sie zudem das nette Pärchen von nebenan.

„Schatten der Wahrheit“ ist ein zäher Film, der sehr gut anfängt, nach seinem ersten großen Höhepunkt aber vorhersehbar und langatmig wird. Dennoch: Die Schockmomente setzt Zemeckis auch dann noch gekonnt ein und macht das Badezimmer einmal mehr zu einem hellen, aber sehr unheimlichen Ort. Weniger ist mehr – und alles spielt sich am besten im Kopf des Zuschauers ab, so lautet die Devise. Etwas mehr Tempo wäre an einigen Stellen dann aber doch von Vorteil gewesen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (großartiger Anfang mit schwächelndem Ende, aber einer grandiosen Michelle Pfeiffer)

2 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    16. Juni 2010 08:58

    Ich hab den Film damals im Kino gesehen und weiß noch, dass ich enttäuscht war als ich herauskam. Ist schon eine ganze Weile her, aber ich hatte bei der Besetzung deutlich mehr erwartet. Eine Wertung werde ich aber nicht abgeben – eher den Film nochmal gucken, wenn ich Bock auf einen durchschnittlichen Film habe.. (Vermutlich also nie *hust*)

    Grüße, Luzifel

    • donpozuelo permalink*
      16. Juni 2010 10:39

      Den haben wir damals doch sogar zusammen im Kino geguckt 😉 Ich erinnere mich daran.

      Zum erneuten Gucken lädt eigentlich wirklich nur der erste Teil des Films ein, der ist sowohl vom Erzählerischen als auch vom Technischen 1A. Nur es geht dann irgendwann den Bach runter.

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