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Handkantenmassaker

4. Juni 2010

Jet Li – für viele die ernstere Variante zu Jackie Chan. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass Li (aus welchen Gründen auch immer) einfach nur traurig aussieht. Ich kann mich, wenn ich recht drüber nachdenke, auch an keinen Film erinnern, in dem der gute Mann lächelt. Aber gut, wir wollen ihn auch nicht lächeln, sondern Schläge verteilen sehen.

In der amerikanisch-französischen Produktion „Kiss of the Dragon“, in der natürlich auch Luc Besson wieder seine (Drehbuch-) Finger im Spiel hat, darf Jet Li genau das machen: ordentlich Prügel verteilen. Li spielt den chinesischen Polizisten Liu, der seinem französischen Kollegen Jean-Pierre Richard (Tchéky Karyo) bei der Überführung eines Drogenhändlers zur Hand gehen soll. Doch es geht einiges schief: Richard selbst tötet den Drogenhändler und schiebt Liu die Schuld in die Schuhe. Der muss nun versuchen, am Leben zu bleiben (was ihm nicht all zu schwer fällt) und seine Unschuld zu beweisen, was etwas schwieriger wird. Vor allem dann, als Liu die Prostituierte Jessica (Bridget Fonda) im Schlepptau hat.

„Kiss of the Dragon“ ist – wie die Überschrift schon andeutete – bestes Jet Li-Gekloppe. Man darf keinen Tiefgang erwarten, dann unterhält der Film großartig. Weil er sich auf das Wesentliche beschränkt: Jet Lis Kampfkünste. Und die werden von Regisseur Nahon fachmännisch in Szene gesetzt: an den richtigen Stellen eine Zeitlupe, ordentliche Stunts (die dann hin und wieder doch stark an Jackie Chan erinnern – vor allem Lius Kampf im Waschraum eines Hotels) und die stereotypen Schränke als Gegner. Warum die dann immer noch erst theatralisch ihre Hemden zerreißen müssen, bleibt unklar. Wahrscheinlich soll noch einmal auf das tolle Six-Pack hingewiesen werden, bevor die Riesenkerle vom kleinen Chinesen ordentlich auf die Fresse bekommen. Jet Li dabei zuzusehen entschädigt für alles (und man sollte sich die Frage stellen, ob der Mann nicht doch auch Fußballer werden könnte – wenn sein Kunststück mit der Billiardkugel wirklich funktioniert hat).

Neben Jet Li wirken die anderen Figuren etwas blass, dennoch passen sie in die vorhersehbare Geschichte wunderbar hinein. Action reiht sich an Action, für ruhige Momente bleibt eigentlich keine Zeit, aber das will man auch nicht. Immer feste drauf, so das Motto des Films und das wollen wir auch sehen. Wie ein Duracel-Hase springt, hechtet, rennt Jet Li von einem Kampf zum nächsten. Es ist ein wenig wie in einem Computer-Spiel: die Fights werden jedes Mal ein wenig schwieriger, sind immer wieder anders in Szene gesetzt und einfach eine wahre Augenweide.

Neben all der Fights gibt es etwas an „Kiss of the Dragon“ was mich fasziniert hat: Jet Li spielt mit Nadeln. An einem Armband hat sein Liu mehrere Akupunkturnadeln, die er immer wieder dann einsetzt, wenn es nötigt wird. Und diese kleinen Nadeln sorgen dann auch für ein vernünftiges Ende des Films… und vielleicht das Aufkommen der Idee, man könnte sich ja selbst mal solche Nadeln zulegen 😉

„Kiss of the Dragon“ ist gutes Actionkino: wilde Action zu guter Musik, eine Story, die immer wieder einen guten Vorwand bietet, Menschen und Einrichtungsgegenstände zu Brei zu verarbeiten. Da ist es dann auch nicht so tragisch, wenn Jet Li keine großen emotionalen Züge aufweist – Emotionen sind hier ja auch vollkommen fehl am Platze.

Wertung: 7 von 10 Punkten (geile Fights lassen paradoxerweise mehr Spannung aufkommen als die Story selbst – es ist einfach das Warten auf den nächsten Kampf, das so spannend ist)

2 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    5. Juni 2010 15:23

    Ich kann mir nicht helfen, aber für Jet Li hatte ich noch nie viel Sympathie übrig …

    • donpozuelo permalink*
      5. Juni 2010 18:13

      Mmhh… muss man ja auch nicht. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bevorzuge auch lieber Jackie Chan. Li ist einfach immer irgendwie mürrisch – ein guter Kämpfer, aber mürrisch 😀

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