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Sex, Drugs and Rock’n’Roll

31. Mai 2010

Zu diesem Film passt eigentlich keine bessere Überschrift, denn eigentlich beschreibt er den Film besser als ich es je tun könnte. Ich werde mir natürlich trotzdem Mühe geben 🙂

Der junge William (Patrick Fugit) lebt den Traum: mit seinen 15 Jahren darf er im Auftrag des Rolling Stone, die Band Stillwater auf ihrer Tournee begleiten. Gegen den Willen seiner strengen Mutter (Frances McDormand) setzt er sich durch und erlebt mit der Band um Gitarrist Russell (Billy Crudup) und Sänger Jeff (Jason Lee) eine unglaubliche Tour durch Amerika. Immer mit dabei das Band-Aid Penny (Kate Hudson), die eine Abscheu gegen das Wort Groupie hat, obwohl sie eigentlich nichts anderes ist. Auch sie versucht nur im Schatten berühmter Menschen, etwas Ruhm abzubekommen und selbst eine kleine Berühmtheit zu werden.

„Almost Famous“ von Cameron Crowe ist für mich einer der besten Filme über Rock’n’Roll, und das auch noch aus der ungewöhnlichsten Perspektive überhaupt. Dabei ist diese für Crowe nicht komplett ungewöhnlich, ist die Figur des jungen William doch sehr autobiografisch angelegt. Und allein deswegen muss man Crowe irgendwie beneiden. Denn das, was William erlebt, ist wirklich eine Erfahrung fürs Leben.

In sehr gradliniger Art und Weise erzählt Crowe, was William alles widerfährt. Dabei bedient er die altbewährten Klischees, die wir von 70er-Jahre-Rockbands glauben zu kennen: es gibt viel Sex, viele Drogen und viel Musik. Dazu die klassischen Rangordnungskämpfe in der Band zwischen Lead-Sänger Jeff und Gitarrist Russell, der mehr gefeiert wird als die Band selbst. Aus der Sicht eines Jungen erzählt wirkt diese Welt überwältigend. Vor allem, wenn man neben all den journalistischen Arbeiten, selber ein wenig mit Sex und Rock’n’Roll herum experimentiert. Doch genau das macht „Almost Famous“ aus: das Erkennen von Klischees aus der Sicht eines „Unschuldigen“, der in dieser Welt eigentlich nichts verloren hat.

Aber auch wenn Crowe das ein oder andere Klischee über Rockbands bedient, bleibt „Almost Famous“ eine wunderbare Hommage an den Rock’n’Roll, an eine Zeit, in der Musik noch Musik, Männer noch echte Männer und Band-Aids auch nur verkappte Groupies waren. Crowe zelebriert vor allem die Musik, weswegen der Soundtrack auch randvoll mit großartigen Bands der Zeit ist – von Led Zeppelin über Simon and Garfunkel oder Elton John gibt’s hier alles zu hören, was das nostalgische Rockerherz begehrt. Dazu kommen sogar einige selbstgeschriebene Songs für die ausgedachte Band „Stillwater“, die sich durchaus hören lassen können:

Für mich gehört „Almost Famous“ zu den besten Filmen über Rock’n’Roll. Die Story an sich mag zwar etwas einfach gestrickt und auch durchaus vorhersehbar sein, aber es geht hier weniger um die Geschichte (wenn man das bei einem Film sagen darf), sondern vielmehr um die Musik und die Figuren (und deren Entwicklung kann man durchaus als Leitfaden der Geschichte nehmen). Und was die Musik und Figuren angeht, hat Cameron Crowe absolut alles richtig gemacht. Was wir vom Rock’n’Roll erwarten, das bekommen wir auch. Was in diesem Fall in keinster Weise negativ gemeint ist. „Almost Famous“ hat seine wunderbar komischen Momente (der Beinah-Flugzeugabsturz oder ein Russell auf LSD), seine dramatischen Momente oder einfach seine wunderbar musikalischen Momente (die beste Szene überhaupt ist, wenn alle im Tour-Bus anfangen, Elton Johns „Tiny Dancer“ zu singen). „Almost Famous“ ist einfach klasse.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Rock’n’Roll zum Verlieben – so muss es sein)

10 Kommentare leave one →
  1. Sebastian Schuster permalink
    1. Juni 2010 14:24

    Ein Hochglanzfilm – Prädikat oder Abstrich? Er ist ja schon einer meiner Lieblingsfilme; besonders die Locken von Kate können einen in den siebenten Himmel tragen 😉 Aber nach gefühltem tausendmaligen Gucken nervt mich irgendwie das hollywoodmäßige Bildsetting, steril und künstlich. Ob das wohl überhaupt einer kritischen Anmerkung würdig ist?

    • donpozuelo permalink*
      1. Juni 2010 20:45

      Steril und künstlich??? Naja, ich weiß ja nicht, ob wir den gleichen Film meinen 😉
      Das Bildsetting mag vielleicht schlicht sein, aber der Film braucht nicht viel Schnick-Schnack – nur gute Musik… 🙂

      Und Kate Hudson… naja… wer’s mag 😉 ich habe nie ganz verstanden, warum sie es immer war, die alle Filmposter schmückte. Als würde es nur um sie gehen. Vollkommene Fehlleitung.

      • Sebastian Schuster permalink
        2. Juni 2010 09:28

        Jaja, ich sag‘ ja, nach so häufigen Gucken. Wie oft hast du ihn genossen? 🙂

        Der Film ist zwar auf seine Geschichte angelegt; aber im Ergebnis wird die Erzählung aber doch an beiden aufgezogen. Und wer ist wohl werbewirksamer – Unsicherer unschuldiger männlicher Krauskopf oder unschuldiger weiblicher Lockenschopf? 😀

        • donpozuelo permalink*
          2. Juni 2010 12:01

          Wie oft ich den Film schon gesehen habe??? Keine Ahnung, bestimmt 5-6 Mal.
          Und mit der Werbewirksamkeit hast du schon Recht, trotzdem wird es dem Film einfach nicht gerecht… aber gut, so „lügt“ man potenzielle Zuschauer an und hofft, dass sie es später nicht so ernst nehmen 😀

  2. Doña Pozole permalink
    2. Juni 2010 07:22

    jajajaja … „Männer noch echte Männer“… *den-alice-zeigefinger-schwenk*

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