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’ne ruhige Kugel schieben

23. Mai 2010

Davon wollen wir doch bei einem richtigen Action-Thriller gar nichts wissen. Wer hier eine ruhige Kugel schiebt, der hat sich eindeutig im Genre verirrt. Zum Glück wird bei „Running Scared“ keine ruhige Kugel geschoben – hier heißt es vielmehr: „Nomen est omen!“

„Running Scared“ ist die Geschichte vieler Menschen, aber nur einer Pistole. Joey (Paul Walker) arbeitet für die Mafia und soll eigentlich eine Pistole verschwinden lassen, mit der ein Polizist umgebracht wurde. Aber Joe versteckt die Knarre nur in seinem Keller, wo der Nachbarsjunge Oleg (Cameron Bright) sie findet – und damit Joey und seiner Familie die vielleicht schlimmste Nacht ihres Lebens bereitet. Denn Oleg schießt mit der Waffe auf seinen Stiefvater Anzor (Karel Roden), Neffe des gefürchteten Ivan („Fringe“ Dr. John Noble). Um sich und seine Familie zu schützen, muss Joey nun den geflohenen Oleg und die Waffe finden.

Wayne Kramer, der gleichzeitig für Regie und Drehbuch verantwortlich ist, schickt nun also Oleg und Joey auf getrennte Odysseen durch die dunkle Nacht. Joey ist immer nur knapp hinter Oleg, der sich mit seiner Waffe immer wieder in neue Schlamassel bringt.

Schnell, schneller, „Running Scared“ – so könnte man es auch sagen. In zahlreichen kleinen Episoden jagt Kramer seine Figuren durch die Nacht, bringt immer wieder neue Kontrahenten hervor: sei es die Russenmafia, Joeys Waffenbrüder, korrupte Bullen oder verrückte Mexikaner. „Running Scared“ hat sie alle. Wer jetzt aber Angst hat, es werden zu viele Handlungsstränge eingebaut, der sei beruhigt. Kramer baut seine Geschichte zwar großzügig aus, verzichtet aber weitgehend auf Zeitsprünge. Chronologisch wie nach einem Notizzettel werden hier die Stationen von Oleg und Joey durchgearbeitet. Das mindert aber keineswegs die Spannung, weil wir ja immer noch auf verschiedenen Ebenen agieren: Joey, Oleg und zwischendurch sogar Joeys Frau Teresa (Vera Farmiga aus „Up in the Air“).

Wayne Kramer zeigt bei „Running Scared“ keine Scheu – der Film ist von Anfang an hart, brutal und blutig. Besonders im Gedächtnis bleibt aber eine Episode zwischen Joeys Frau Teresa und einem pädophilen Serienmörderpärchen (in dem „LOST“-Fans auch ein bekanntes Gesicht mit Schrecken wieder sehen dürften) – vor allem in dieser Szene zeigt sich, dass Kramer sich eine wirklich dunkle Nacht für seinen Film ausgedacht hat, in der so ziemlich alles passiert, was man sich nur vorstellen kann. Joeys kleine Familie wird ordentlich auf die Probe gestellt. Und dem Zuschauer wird keine freie Minute zum Atmen gelassen. Das ist das „Schöne“ an „Running Scared“ – der Film jagt mit unheimlichem Tempo voran, hinterlässt Leichen und Chaos wie ein Wirbelsturm und wirkt einfach erfrischend anders.

Für den geneigten Thriller-Fan bietet dieser Streifen genug Thrill, da ist es fast schon ein bisschen schade, dass Regisseur Kramer verzweifelt ein Happy-End mit einbaut, dass zu gewollt wirkt und dadurch den ganzen Film etwas kaputt macht. Nach der ganzen Aktion gönnt man Joey zwar einen ruhigen Abend – aber Kramer scheint sich so auf die Action konzentriert zu haben, dass er vergessen hat, wie ein passendes Ende zum Film aussehen könnte.

Nichtsdestotrotz: „Running Scared“ ist schönes Adrenalin-Kino mit Köpfchen und damit durchaus sehenswert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (klasse Knaller – aus einer Mücke einen Elefanten werden lassen, das kriegt Kramer wunderbar hin und zaubert eine der schrägste, gewalttätigste Nacht der Filmgeschichte)

6 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    23. Mai 2010 22:21

    Hab den Film gerade mal rausgekramt und angesehen – GEILER TIP! Danke – so hatte ich mal wieder einen coolen Filmabend ^^

    Ich mag es wie schnell die Geschichte erzählt wird und wie dreckig und mies das ganze läuft.. Drogendealende Jamaikaner, korrupte Bullen, ein frustrierter Russe der seine Frau und sein Kind schlägt, drogendealende Schwarze, italienische Mafiosi, ein asthmatisches Kind mit einer Knarre, eine Nutte die was aus sich machen will und ihr Pimp der das nicht einsieht, bis unter den Stehkragen zugedröhnte Mexikaner, sowie als Bonbon kinderschändende Serienkiller und dazwischen eine nicht ganz saubere Kleinfamilie deren Vater das täglich Brot als Angestellter der Mafia verdient.. Irre..

    Tatsächlich ist das Happy End aber irgendwie aufgesetzt und der Film wirkt auch nicht so als wenn er wirklich ein gutes Ende haben sollte. Trotzdem kann ich den 8 von 10 gut zustimmen und den Film weiterempfehlen..

    • luzifel permalink
      23. Mai 2010 22:21

      PS: Mehr solche Tips bitte! ^^

    • donpozuelo permalink*
      24. Mai 2010 09:21

      Na, das freut mich aber sehr 🙂
      Ich werde versuchen, mir auch weiterhin Mühe zu geben, um dir und all den anderen nen guten DVD-Abend zu liefern 😀

  2. Dr. Borstel permalink
    26. Mai 2010 19:19

    Dass wir zu „Running Scared“ einer Meinung sind, haben wir, glaube ich, schon an anderer Stelle festgestellt. 😉 Ich würde zwar einen Punkt weniger geben, weil mir bei der Zweitsichtung das bescheuerte Ende richtig die Laune verdorben hat, aber bis dahin ist der Film durchaus sehr gut. Gerade Elizabeth Mitchells Auftritt geht ja wirklich unter die Haut, was man in einem Paul-Walker-Fan ja nicht unbedingt erwartet hätte.

    • donpozuelo permalink*
      27. Mai 2010 10:50

      Ja, das Ende ist wirklich mehr als nur bescheuert. Trotzdem habe ich den Film jetzt schon mehrmals gesehen. Und jedes Mal nehme ich mir vor, nicht zu sehr vom Ende enttäuscht zu sein, und jedes Mal bin ich es aufs Neue. Echt nicht einfach… wenn dieser Film ein passendes Ende haben würde, könnte man ihn fast schon als perfekten Thriller bezeichnen. Aber halt nur fast….

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