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Privatisierung des Weltfriedens

18. Mai 2010

So voller Übermut beschreibt Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) seine Aufgabe und gibt sich dabei in der Öffentlichkeit weniger bescheiden als seine anderen Superhelden-Freunde. Aber wie sagt man so schön: Hochmut kommt vor dem Fall – und so dauert es nicht lange, bis diejenigen auftauchen, die etwas gegen Stark haben. Da wäre etwa der Russe Ivan Vanko (Mickey Rourke), der den Fall seiner Familie rächen will. Dafür wird er dann – nach langer Arbeit – zum Bösewicht Whiplash, der mit Elektropeitschen auf Iron Man einprügelt. Der erste Anlauf will aber nicht so Recht funktionieren. Da ist es nur hilfreich, dass sich Starks Konkurrent Justin Hammer (Sam Rockwell) für Vankos Erfindergeist interessiert und ihn unterstützt.

Klingt ja eigentlich mehr nach einem Zusammentreffen namenhafter Schauspieler, wenn man bedenkt, dass Gwyneth Paltrow, Samuel L. Jackson, Scarlett Johansson und Don Cheadle ebenfalls mit von der Partie sind. Aber wie gut ist „Iron Man 2“ ohne die großen Namen? Ich habe es schon beim ersten Teil gesagt: „Iron Man“ ist nettes Popcorn-Kino, mehr aber auch nicht. Da erübrigt sich dann eigentlich schon die Frage, inwieweit ein zweiter Teil das noch toppen kann? Die Antwort: Nicht sonderlich!

„Iron Man 2“ wirkt fast so, als wären die einzelnen Episoden von verschiedenen Leuten geschrieben und später ohne Kontrolle aneinandergesetzt worden. Will sagen: Es kommt kein richtiges Gefühl für den Film auf. Wir erleben den Fall von Iron Man und dann seinen langsamen Aufstieg, dazwischen sind ein paar Beziehungsprobleme und ein Nick Fury, der Iron Man unbedingt für S.H.I.E.L.D rekrutieren will. Dazu noch ein Freund, der Stark erst verrät (obwohl er glaubt, es für sein Vaterland zu tun) und dann wieder zu ihm zurückfindet. „Iron Man 2“ schwächelt in der Hinsicht sogar noch mehr als der erste Teil. Es fehlt einfach was, um richtiges Popcorn-Kino draus werden zu lassen. Regisseur Jon Favreau lässt den Film einfach zu lange ruhig bleiben. Weniger Dialoge, mehr Action wären mir in Fall von „Iron Man 2“ lieber gewesen. Das zeigt sich vor allem am wohl langweiligsten Endkampf der Comichelden-Geschichte: in gefühlten zwei Sekunden besiegen Iron Man und sein eiserner Freund (ja, Iron Man bekommt einen Iron Friend dazu) den fiesen Whiplash – vollkommen unspektakulär und platt. Fast so als hätte man beim Drehen festgestellt: Upps, wir müssten ja jetzt langsam zum Ende kommen. Bumm, zack und fertig – Whiplash ist dahin, Iron Man der große Held. Noch langweiliger geht’s eigentlich gar nicht.

Zwei Sachen noch, die mich während „Iron Man 2“ bewegt haben:

  1. Ich muss gestehen, dass ich Mickey Rourke von Mal zu Mal besser finde. Die letzten Rollen, die er sich so ausgesucht hat – sei es in „Sin City“ oder „The Wrestler“ waren irgendwie super auf ihn abgestimmt. Und auch als fieser, russischer Racheengel war Rourke das Beste an „Iron Man 2“. (Obwohl ich Sam Rockwell auch als willkommene Abwechslung empfunden habe.)
  2. Hollywood liebt Spin-Offs. Das kennen wir ja mittlerweile, und wenn ich ehrlich sein soll, habe ich mich beim Auftritt von Scarlett Johansson als mysteriöse S.H.I.E.L.D.-Agentin schon gefragt, ob sie nicht schon ein Angebot für ein Spin-Off bekommen hat. Alle Voraussetzungen wären ja da: hübsche Frau im engen Lederanzug, ein bisschen Martial-Arts in Zeitlupe, Waffenkenntnis und eine nette Prise Erotik reichen doch schon aus – für ein mittelmäßigen Hollywood-Action-Streifen. Naja, wer weiß, vielleicht nicht mit Johansson…

„Iron Man 2“ ist nicht unbedingt besser oder schlechter als der erste Teil. Bei mir hat er eher bewirkt, dass ich nun endgültig Abstand von dem Eisenmann nehmen werde. Vor allem die Tatsache, dass Iron Man ja nur der Anzug ist und jeder x-beliebige Schauspieler reingesteckt werden kann, schreit förmlich nach einer Welle nicht enden wollender Fortsetzungen. Und von hier an kann es eigentlich nur noch bergab gehen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Hätte durchaus das Potenzial gehabt, besser zu werden als Teil 1, bleibt aber fast auf gleichem Niveau)

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14 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    19. Mai 2010 07:26

    Ich stimme da zu. Nettes, durchschnittliches Popcorn-Kino dass nur ganz langsam Fahrt aufnimmt und sich damit genauso anfühlt wie der erste Teil. Cool fand ich ja ebenfalls Rourke als Whiplash.. Ich würde 6 von 10 geben, da der Film zwar durchschnittlich aber unterhaltsam war.

    Grüße, Luzifel..

    • donpozuelo permalink*
      19. Mai 2010 07:55

      Hi Lou,
      ich habe lange überlegt, ob ich die 6 geben soll, aber ein zweiter Teil sollte schon ein bisschen mehr fesseln als der erste. Zumindest in der Theorie. Von daher gibt’s nur 5.

  2. Dr. Borstel permalink
    20. Mai 2010 16:29

    Rourke hat wohl letztendlich den Ausschlag gegeben, dass ich den Film leicht besser fand als seinen Vorgänger. Aber für mehr als sechs Punkte, sprich für den guten Bereich, ist die Story einfach zu bescheuert. Unterhaltsam, aber bescheuert.

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2010 20:23

      Bescheuert ja, aber unterhaltsam??? Na gut, an manchen Stellen schon. Etwas mehr Popcorn-Kino hätte ich mir schon gewünscht….

      • Dr. Borstel permalink
        22. Mai 2010 13:42

        Ich hätte mir eher etwas mehr Story und Sinn gewünscht, aber was soll’s … Wir bekommen halt nicht immer das, was wir gerne hätten. 😉

  3. 29. Mai 2010 21:46

    Also ein wenig besser hätte ich den Film schon bewertet.
    Was mir gerade an ihm gefallen hat, war die Tatsache, dass er sich die große Materialschlacht bis zum Ende aufgehoben hatte. Gut Whiplash durfte wirklich schnell „Lebwohl“ sagen, aber hätte man hier noch einen langen Endkampf gehabt, wäre das Finale einfach zu lang gewesen. Die Alternative wäre wohl eine Kürzung der Drohnenszenen gewesen, aber irgendeinen Grund wird es sicher geben. 😉

    Sam Rockwell fand ich äußerst unspannend. Sicher ist er ein guter Schauspieler aber genau wie Jeff Bridges im ersten Teil war er einfach nur langweilig. Mickey Rourke überzeugt dafür auf ganzer Linie.

    Die Angst vor sinnlosen Spin-offs teile ich dafür vorbehaltslos mit dir. Sowas braucht wirklich kein Mensch.

    • donpozuelo permalink*
      30. Mai 2010 09:10

      Dann hätte ich die Alternative bevorzugt, die Drohnen-Szene zu kürzen. Lieber ein bisschen mehr Mickey Rourke und dafür etwas weniger stupide Roboter 😉

      Naja, mit Sam Rockwell gebe ich dir teilweise Recht. Seine Figur war eigentlich nur ein Aufmacher für Whiplash, dafür hat er das aber ganz gut hinbekommen. Meiner Meinung nach etwas besser als Jeff Bridges.

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