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Kulturschock

10. Mai 2010

Outsourcing – das war 1996 das Unwort des Jahres. Zu Recht, denn allein, was hinter dem Outsourcing steckt, ist ja eigentlich schon ein Unding schlechthin. Frei nach dem Motto: „Wenn’s zu Hause zu teuer ist, gehen wir halt dahin, wo es billige Arbeitskräfte gibt!“ beschreibt Outsourcing eine für viele sehr unschöne Seite der Globalisierung. Wie plötzlich einen so etwas treffen kann, muss auch Josh Hamilton in John Jeffcoats Komödie „Outsourced“ feststellen.

Als Call-Center Leiter Todd Anderson muss er ins Ausland – genauer gesagt: nach Indien. Dort soll Todd seinem Ersatzmann alles beibringen, was er weiß und dann war’s das. Doch Indien ist nicht so schnell wie Todd es gewohnt ist und so bleibt er etwas länger als geplant. Und lernt dann auch noch die hübsche Asha (Ayesha Dharker, die einigen Fans vielleicht aus der neuen „Star Wars“-Trilogie bekannt sein könnte) kennen.

„Outsourced“ ist eine recht erfrischende Komödie, die zwar in Trailern immer auf die Liebesgeschichte zwischen Todd und Asha reduziert wird, damit aber ein vollkommen falsches Bild des Films abliefert. Denn die Geschichte zwischen Asha und Todd ist nur ein kleiner Teil des Films, der sich aber sehr schön in die Gesamt-Thematik einordnet: es geht um den Kulturschock, den Todd erlebt, wenn er nach Indien fährt.

Auf wunderbar komische und zugleich durchaus glaubwürdige Art und Weise schildert Regisseur Jeffcoat die Tücken des Amerikaners in Indien. Sei es die Suche nach einem Taxi oder die Frage, warum man sein Essen nicht mit der linken Hand isst (wer’s wissen will, fragt nach), „Outsourced“ sorgt für ordentliche Lacher. Dabei driftet der Film aber Gott sei Dank nie ganz ins Lächerliche ab, sondern versucht auch ein Bild Indiens zu zeichnen, dass man als westlicher Zuschauer nicht unbedingt kennt. Wer hier ein Bollywood-Bilderbuch erwartet, ist (fast) fehl am Platze – nur einmal kommt auch in „Outsourced“ ein bisschen Bollywood-Fieber auf. Zusammen mit Todd lernt der Zuschauer die schönen und unschönen Seiten Indiens kennen, und mit der Zeit erkennt Todd die schönen Seiten des Landes. Nicht zuletzt natürlich auch wegen der hübschen Asha. Doch da sie seit ihrer Kindheit einem anderen versprochen ist, kann aus Todd und Asha nichts werden. Oder doch????

Hier macht „Outsourced“ genau das richtige: Es kommt nicht zum klassischen Happy-End. Zum Ende möchte man zwar so sehr, dass Todd etwas Gutes aus Indien mit nimmt, doch bis zur letzen Sekunde hält der Film uns hin. Ein wahres Happy-End kommt dann trotzdem nicht, aber ein wunderschön offenes Ende, das Hoffnung versprechen könnte. Diese Hoffnung muss aber im Kopf des Zuschauers ausgebaut werden und wird im Film nicht weiter thematisiert. Und das ist auch genau richtig.

„Outsourced“ kann man nur empfehlen. Der kritische Blick auf Ausbeutung und Globalisierung ist dann zwar doch nicht unbedingt ernst, aber daran sollte man sich nicht stören. Die ernsten Untertöne kommen gut rüber, ohne wirklich zu belasten. Dadurch gleitet man wunderbar durch diese herrliche Komödie.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Outsourcing erscheint nach diesem Film fast gar nicht mehr so schlimm)

3 Kommentare leave one →
  1. 10. Mai 2010 18:33

    Der Film passt ja perfekt in meinen Englisch LK. Globalisierung und Indien sind zwei riesengroße Themenbereiche für das Abitur. Vielleicht kann man ja irgendwann noch einen Film reinquetschen.

    • donpozuelo permalink*
      10. Mai 2010 18:46

      Oha, ja für das Thema wäre der Film wirklich ganz gut geeignet. Sofort weiterempfehlen… 🙂

Trackbacks

  1. Film-ABC « Going To The Movies

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