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Chinesische Farbenlehre

29. April 2010

Ich glaube, es wäre ziemlich vermessen von mir, wenn ich behaupten würde, ich hätte die Farbsymbolik in Zhang Yimous „Hero“ verstanden. In der Geschichte um den Namenlosen, der drei gefährliche Attentäter getötet hat und deswegen zu einer Audienz des Königs von Qin darf, ist unterteilt in „farbige“ Episoden: von Rot zu Blau über Grün zu Weiß.

Es ließe sich vermuten, dass Rot als kräftigste Farbe in dieser Reihenfolge am Anfang steht, um deutlich zu machen, wie groß der Hass der Attentäter auf den König ist, der mit aller Gewalt versucht, die verschiedenen Reice Chinas unter seine Herrschaft zu zwingen. Wenn am Ende Weiß dominiert, herrscht Frieden – zumindest in den Köpfen der meisten Attentäter, die erkannt haben, dass der Weg des Königs vielleicht doch nicht unbedingt verkehrt ist.

Aber wie gesagt, ich fände es zu vermessen, hier jetzt mehr von mir zu geben. Außerdem…. wenn interessiert das im Endeffekt wirklich. Woraus es eigentlich hinausläuft, ist doch, dass Yhang Zimous „Hero“ nicht nur Kino für den Kopf, sondern vor allem Kino fürs Auge ist. Die Unterteilung der einzelnen Sequenzen in bestimmte Farben ist umwerfend schön anzuschauen – meine Lieblingsstelle ist immer noch der Kampf zwischen Fliegender Schnee (Maggie Cheung) und Leuchtender Mond (Zhang Ziyi) – beide in Rot gekleidet in einem gold-gelben Wald.

„Hero“ ist ästhetisches Kino, dass sich der gleichen Kampfeffekte annimmt wie seiner Zeit Ang Lees „Tiger & Dragon“. Die Kämpfer scheinen ähnlich wie ein uns bekannter Auserwählter die Macht über die Matrix erlangt und fliegen scheinbar schwerelos durch die Lüfte, nur um sich dort – teils in Zeitlupe, teils mit ordentlichem Tempo – wilde Schwertkämpfe zu liefern. Sieht klasse aus und ist auch klasse.

Neben der ästhetischen Seite bietet „Hero“ aber auch eine tolle Geschichte, die dadurch schön verschachtelt wird, weil es immer unterschiedliche Versionen gibt. Fast wie bei Kurosawas „Rashomon“ scheint es anfangs keine vollkommene Wahrheit zu geben. Der Namenlose erzählt eine Geschichte und der König deckt seine Lügen auf, indem er erzählt, wie er es für richtig hält. Und so gibt es ein Hin und Her zwischen den Geschehnissen, die erst am Ende wirklich entschlüsselt werden. Mit der Aufdeckung der Tatsachen kommen für den König aber auch Wahrheiten zum Vorschein, die er nie für möglich gehalten hätte – zum Beispiel, dass einer seiner Attentäter eigentlich gar nicht mehr will, dass der feindliche König getötet wird.

Mit dieser Thematik durfte sich Zhang Yimou viel Kritik anhören – gilt der König von Qin doch als brutaler Diktator der als erster Kaiser Chinas alle Reiche Chinas unter seiner Herrschaft vereint. Von der Grausamkeit des Kaisers zeigt der Film aber nicht viel – aber das ist ja eigentlich auch nicht das Thema. Krasser wird das Ganze, wenn der Namenlose, der eigentlich auch den König töten will, sein Vorhaben aufgibt – zum Wolle aller. Trotz der Gewalt des König. Ob und inwieweit man „Hero“ jetzt als pro-totalitär „beschimpfen“ darf, muss, sollte – sei mal dahin gestellt. Liegt wohl auch daran, dass man einfach zu viel in Filme rein interpretieren kann und zu den unterschiedlichsten Auffassungen kommt. Zhang Yimou wollte doch vielleicht einfach nur eine großartige Geschichte in tollen Bildern erzählen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (großartiger „Farbfilm“ mit toller Story)

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