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Horror im Nirgendwo

27. April 2010

Frage Nummer Eins: Warum suchen Menschen, die einen schweren Schicksalsschlag erlebt haben, sich immer einen Zufluchtsort, der so abgeschieden ist, dass nicht einmal der liebe Gott sie finden würde, dafür aber ein Haufen Geister, Zombies oder grenzdebile Einsiedler?

Frage Nummer Zwei: Wie wohl kann man sich wirklich in einem Haus fühlen, das schon von weitem deutlich macht: „Ich bin ein uraltes, dunkles Gemäuer mit mickrigen Fenstern und schlechten Stromleitungen.“?

Und schließlich Frage Nummer Drei: Warum nur gucke ich trotzdem immer noch wieder Filme, die eigentlich gerne Horrorfilme wären, dann aber doch nur einige gut gemeinte Effekte in eine grottige Geschichte packen?

Frage Eins und Zwei lassen sich wohl einfach aus der Notwendigkeit des Horrorfilms beantworten. Was bringt mehr Atmosphäre als von der Welt abgeschottete Menschen, die ganz allein mit den Gestalten der Dunkelheit klar kommen müssen. Frage Drei ist eigentlich fast genau so einfach zu beantworten: Ich hoffe immer noch auf den Horrorfilm, bei dem ich mir mal wirklich so richtig in die Hose mache.

Der Film „The Messengers“ gehört aber eher nicht zu den Filmen, die man weiter empfehlen sollte. Vielleicht hätte ich mehr auf mein Gefühl hören sollen, dass mir sagte: „Ein Film mit Vampir-Dame Kristen Stewart? Das solltest du vielleicht doch bleiben lassen.“ Aber wer hört schon auf die Stimme der Vernunft??? Und so habe ich mir den Film der Pang-Brothers angeschaut:

Eine kleine Familie zieht in ein altes Haus, in dem vor gar nicht all zu langer Zeit eine andere Familie verschwand. Anfangs scheint alles wunderbar, doch irgendwann sehen  Jess (Kristen Stewart) und ihr kleines Brüderchen merkwürdige Gestalten, die an der Decke entlang krabbeln und komische Geräusche von sich geben. Das sind die „Messenger“ – blöd nur, das keiner ihre Botschaft versteht.

Blöd nur auch, dass der Film schon gleich zu Beginn seine Glaubwürdigkeit verliert, und zwar allein durch das Setting. Ich meine, ein düsteres Haus ist wunderbar für Norman Bates – dem glaube ich das sofort, dass er sich da wohl fühlt. Aber eine junge Familie mit zwei Kindern, die etwas Ruhe suchen, wird sich doch sicher nicht in so einer Absteige heimisch fühlen können. Ich sehe zwar den Sinn in einem unheimlichen Set, aber das hätte man vielleicht etwas sinnvoller in die Geschichte einbauen können.

Schöner Wohnen mit "The Messengers"

Damit aber nicht genug. Der Film nimmt sich dem altbekannten Motiv an: Geister wollen Rache. Vollkommen unkreativ schustern die Brüder Pang ihre Geistergeschichte zusammen. Wir haben die kleinen Kinder, die als erstes von den Geistern heimgesucht werden, wir haben die Eltern, die erst am Ende an ihre Kinder glauben und wir haben natürlich schön dunkle Flure und Keller. Alles in allem bleibt „The Messengers“ bei altbekannten Schockelementen und kann somit auch nicht wirklich überraschen.

Zugegeben, ein paar Sachen sehen ganz gut aus, aber am Ende schleppt sich der Film nur so dahin. Positiv anzumerken ist, dass sich die Brüder Pang weniger um Blut kümmern, sondern eher versuchen eine Familiengeschichte zu erzählen. Doch die macht nicht wirklich neugierig, weil es sich eigentlich um die typisch amerikanische 08-15-Familie handelt – ganz ohne Ecken und Kanten. Immerhin muss man sich eingestehen, dass Kristen Stewart sich als kleine Scream-Queen gar nicht so schlecht macht. Allerdings bleibt auch Frau Stewart genau wie die ganze Geschichte in ihrer Rolle stecken – sie kann sie nicht wirklich ausbauen oder ihr Tiefe verleihen. Aber gut, wer erwartet das schon, wenn es doch um böse Geister geht???

Doch so richtig böse sind diese Geister dann auch irgendwie nicht und das ist das komische an dem ganzen Film. Er fängt durchaus vielversprechend an, macht aber mit seiner Auflösung alles kaputt. Man fragt sich, warum die Geister sich so sehr an der kleinen Familie vergreifen, wenn sie doch eigentlich nur Rache an ihrem Mörder nehmen wollen. Und so viel kann ich an dieser Stelle verraten: keiner in der Familie ist der Mörder.

„The Messengers“ ist an einigen Stellen durchaus gruselig, bietet dem Zuschauer sogar eine kleine Hitchcock-Hommage mit „Die Vögel“ und einen etwas fragwürdigen Gastauftritt von „Akte X“-Bösewicht William B. Davis – aber ansonsten passiert hier nichts, was einem wirklich den Schlag rauben könnte.

Wertung: 5 von 10 Punkten (die Botschaft der „Messengers“: Hier musst du nicht hinschauen!)

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