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Geweihter Vampir

25. April 2010

Vampire sind heute ja zu Mainstream-Pop-Figuren geworden, die überhaupt nicht mehr ernst zu nehmen sind. Ich meine, alles wird nur noch für die jungen Kinogänger romantisiert und mit „hübschen“ Menschen besetzt. Am Vampir ist eigentlich nichts Krasses mehr – sie sind eigentlich schon viel zu human geworden und damit irgendwie langweilig. Schließlich wollen wir doch durch sie in eine andere Welt eintauchen.

Der heutige Vampirfilm macht sich die Figuren gerade selbst irgendwie ein bisschen kaputt. Da tut es doch gut, wenn hin und wieder noch ein Vampirfilm auftaucht, der was für den geneigten Fan des Untoten ist. Angefangen hat das mit dem schwedischen Kracher „So finster die Nacht“ und hat jetzt einen weiteren würdigen Vertreter in der Kategorie „Vernünftiger Vampirfilm“ gefunden: Park Chan-Wooks „Durst“.

Nach seiner Therapiestunde mit „I’m a Cyborg but that’s okay“ widmet sich der koreanische Meister wieder den etwas härteren Themen: Ein katholischer Priester stirbt bei einem Experiment und erwacht durch eine Bluttransfusion wieder zum Leben. Für die Jünger vor dem Krankenhaus ein Wunder, für den Priester ein Fluch – nicht nur weil er jetzt ein Vampir ist, sondern weil die Menschen ihn verehren und ihn um Heilung bitten. So trifft er auch einen alten Freund wieder und verliebt sich in dessen Frau, die dem armen Priester nur noch mehr Schwierigkeiten bereitet. Denn während der versucht, seinen animalischen, vampirischen Gelüsten zu widerstehen, will die Frau mehr…

Wie schon bei seinen Vorgängern macht Park Chan-Wook wieder mal alles richtig, was man nur richtig machen kann. Er erzählt nicht nur eine Vampir-Horror-Geschichte, sondern viel mehr von dem Kampf eines Mannes gegen sich selbst und vor allem gegen das, was er erschaffen hat. Eigentlich will der Priester auch als Vampir nur Gutes tun, doch in seiner Liebe zu der Frau des anderen bringt er diesen um. Fortan fühlt er sich von seinem Opfer verfolgt. Was Cha-Wook in sehr, sehr krassen Bildern zeigt: Paranoia pur, die schon beim Zusehen wahnsinnig macht. Neben seinen Zweifeln, ob und wie er es schafft, selbst als Vampir noch Gutes zu tun, plagt den Priester vor allem die Frau, die er liebt und für die er getötet hat.

Mit der Frau bringt Chan-Wook auch wieder die Erotik in seinen Vampirfilm. Doch ist seine Erotik nicht die plastik-beladene, kitschige Liebe, die wir aus Hollywood kennen. Nein, vor allem die Szene, in der der Priester seine Geliebte zum Vampir macht, spricht viel eher den Nekrophilie-Gedanken an, als es sonst der Fall ist. Überhaupt, Park Chan-Wooks Vampirin ist ein dreckiges Luder, die mit der Zeit mehr und mehr Gefallen am einfachen Töten findet. Ohne nachzudenken geht sie ihren Gelüsten nach Blut nach. Gewalt und Sex – so sehen die koreanischen Vampire aus.

Etwas skurril wird der Film dann aber auch noch – zum einen wären da die Szenen, in denen der Priester sein erstes Opfer sieht, aber zum anderen wäre da noch die Schwiegermutter, die zwar einen Anfall erleidet, aber als katatonischer Krüppel das wilde Leben ihrer Schwiegertochter und des Ehebrechers mit ansehen muss, ohne etwas dagegen tun zu können.

Mit „Durst“ erschafft Park Chan-Wook wieder so einen Film ähnlich wie „I’m a Cyborg but that’s okay“. Einige werden ihn mögen, andere werden den Film zerreißen. Zumindest die Jury in Cannes zählt zur ersten Kategorie.

„Durst“ ist brutal, eklig, manchmal witzig, skurril, mit einem bedauernswerten Helden, der am Ende aber die Kurve kriegt und in zwei sehr geilen Aktionen dafür sorgt, das alles ein vernünftiges Ende findet. „Durst“ gehört (wie schon „So finster die Nacht“) zu den recht außergewöhnlichen Vampirfilmen, die eine mehr als nur willkommene Abwechslung sind. Dennoch werde ich mir Park Chan-Wooks-Film noch einmal anschauen müssen, um wirklich zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen.

Wertung: wird nachgereicht, wenn ich den Film noch einmal gesehen habe

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